Lepra - Früherkennung ist wichtig

Berichte aus der Projektarbeit: Brasilien


Ausgangssituation
Brasilien ist nach Indien das Land mit den meisten neuen Lepra-Erkrankungen. Bei rund 37.000 Patienten wurde 2009 Lepra diagnostiziert und behandelt. Zu den Bundesstaaten mit der höchsten Erkrankungsrate gehört Mato Grosso. Auf einer Fläche, die fast dreimal so groß ist wie Deutschland, leben hier gut drei Millionen Menschen, vor allem in Städten. Die DAHW unterstützt das brasilianische Gesundheitssystem bei der Leprakontrolle im Mato Grosso in den 33 am stärksten betroffenen Städten mit einer Gesamtbevölkerung von 1,9 Mil-lionen Menschen.

Im Jahr 2009 wurden im Mato Grosso mehr als 2.700 neue Leprafälle gemeldet, somit ist die Erkrankungsrate der Bevölkerung in diesem Gebiet wohl eine der höchsten der Welt. Unter den neuen Patienten waren 147 jünger als 15 Jahre, was darauf schließen lässt, dass die Ansteckung unvermindert weitergeht.

Im vergangenen Jahr hat die DAHW 90.860 Euro für das Lepra-Kontrollprogramm im Mato Grosso bereitgestellt. Zusammen mit den Mitteln anderer ILEP-Partner standen insgesamt 122.860 Euro zur Verfügung.

Generelle Projektziele
  • Unterstützung des brasilianischen Gesundheitssystems bei Aufklärung und Früherkennung
  • Motivation und Supervision der Mitarbeiter im Gesundheitswesen durch Besuche, persönliche Anteilnahme und Finanzierung von Aufklärungsmaterial
  • Aus- und Fortbildung des medizinischen Personals in Diagnostik und Therapie der Lepra und in der Vorbeugung von Behinderungen als Spätfolge von Lepra.

Aktivitäten
Die DAHW unterstützt in Brasilien in fünf Bundesländern vor allem die Ausbildung von Fachpersonal sowie Aufklärungsmaßnahmen. Im vergangenen Jahr hat sie dafür gesorgt, dass allein im Mato Grosso 2.494 medizinische Fach- und Hilfskräfte an Aus- und Fortbildungskursen zum Thema Lepra teilnehmen konnten. Vom Arzt bis zum Sanitäter, von der Krankenschwester bis zum Krankengymnasten: auf allen Ebenen wurde darin geschult, Lepra zu erkennen und zu behandeln bzw. bei Verdacht an eine Klinik zu verweisen. Diese Kurse dauern in der Regel eine Woche und werden jährlich einmal in jeder Stadt abgehalten. Sie dienen auch der Motivation der Gesundheitsarbeiter, die Lepra oft nicht für ein gesundheitliches Problem halten.

Die DAHW finanziert außerdem Maßnahmen zur Vermeidung von Behinderungen. Das können Materialien für orthopädisches Schuhwerk sein oder Ausbildungskurse für Schuster.

Ein Schicksal ändern
Ein 43 Jahre alter Maurer lebt in der Stadt Nova Andradina. Er erkrankte an der an-steckenden Form der Lepra und bekam Wundgeschwüre an den Zehen beider Füße sowie eine beginnende Krallenhand. Duch die gute Behandlung der Krankenschwestern konnten die Geschwüre an den Füßen geheilt werden. Die Krankenschwestern erhielten auf dem jährlichen Evaluierungs- und Planungsseminar eine Auszeichnung für ihre gute Arbeit. Sie beendeten ihren Vortrag mit den Worten: „Wir bewegen keine Berge, bewirken keine Wunder, verändern nicht die Welt; jedoch mit Einsatz und Hingabe ändern wir das Leben eines Menschen.“

Was wurde 2009 erreicht?
In den 33 Städten wurden 1.838 neue Leprapatienten diagnostiziert und behandelt. Die Heilungsrate lag bei 84 Prozent und damit über dem Landesdurchschnitt von 77 Prozent. Die DAHW hat in den letzten Jahren erreicht, dass die regelmäßige Untersuchung von Kontaktpersonen (Familie, Nachbarn, Kollegen) zu den Aufgaben des staatlichen Gesundheitsdiensts gehört.

Die von der DAHW unterstützten Städte führen diese Kontaktuntersuchungen in zwei Dritteln aller Fälle bereits durch. Das bedeutet einen immensen Aufwand und erfordert sehr viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl, denn Lepra ist auch in Brasilien sehr stigmatisiert.

Zudem wurden fast 1.000 Menschen nach Beendigung ihrer medikamentösen Therapie wegen Spätfolgen der Lepra behandelt (Nervenentzündungen, Geschwüre, zunehmende Behinderung).

Aufklärungskampagnen im Fernsehen, im Radio, in Zeitungen und über Lautsprecherwagen sowie Vorträge in Schulen und Gemeinden führten dazu, dass bei der Untersuchung von 4.183 Personen 197 neue Leprafälle entdeckt wurden. Mit 135.000 Flyern und über 1.300 Plakaten hat die DAHW diese Präventionsmaßnahmen unterstützt.

Pläne für 2010
Verstärkte Früherkennung: Die Suche nach Kontaktpersonen soll intensiviert werden, da sich hier die meisten unerkannten Leprafälle verbergen.

Um Behinderungen auf Grund der Lepra gar nicht erst entstehen zu lassen, müssen sowohl Patienten als auch Gesundheitsarbeiter noch vermehrt geschult werden.

Projektrisiken
Aufgrund akuter Epidemien wie Dengue-fieber verliert Lepra in vielen Städten an Priorität und wird vernachlässigt.

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