Lepra- und TB-Arbeit - Wiederaufbau von Lepradörfern

Jahresbericht 2009 - DAHW-Repräsentantin Daniela Eich und Team beim neuen Haus der Familie D.

DAHW-Repräsentantin Daniela Eich und Team beim neuen Haus der Familie D. (Foto: DAHW / Jochen Hövekenmeier)

Berichte aus der Projektarbeit: Senegal


Ausgangssituation
Im Senegal leben insgesamt rund zwölf Millionen Menschen auf 196.722 Quadratkilometern.

"Nur" 271 Menschen sind dort 2009 neu an Lepra erkrankt, darunter 36 Kinder (13 %). Der hohe Anteil von Kindern lässt darauf schließen, dass die Übertragung schneller voranschreitet, als es die relativ geringe Zahl der Neuerkrankungen vermuten lässt. Unterstützt wird dies auch durch die hohe Zahl von Patienten (48), die bereits bei der ersten Diagnose sichtbare Behinderungen haben.

Eine Ursache für den hohen Anteil an Behinderungen ist offenbar, dass sich viele Patienten verstecken. Dies ist typisch für ein Land, in dem Leprakranke bis vor wenigen Jahren noch zwangsweise in Leprakolonien leben mussten. Diese „Lepradörfer“ sind bis heute auf keiner Landkarte verzeichnet, die Einwohner kämpfen immer noch um rechtliche Anerkennung und Gleichberechtigung.

Generelle Projektziele

Die DAHW unterstützt im Senegal seit 1973 das nationale Lepraprogramm und ein Programm zur sozialen Rehabilitation in zehn Lepradörfern. 1979 hat die DAHW zur besseren Koordination ein eigenes Büro in der Hauptstadt Dakar eröffnet.
  • Vorbeugung von Behinderungen und Gesundheitsaufklärung mit dem Ziel, die Übertragungsraten weiter zu senken und die Stigmatisierung der Patienten endlich zu überwinden
  • Dorfentwicklung, schulische und berufliche Bildung, Kleindarlehensprogramm
  • Inklusion: Angehörige werden im Umgang mit Menschen mit Behinderungen geschult

Aktivitäten
Im Senegal unterstützt die DAHW vor allem ehemalige Leprapatienten und Menschen mit Behinderungen. Die Entwicklung der bisherigen Hilfen hin zu einer aktiveren Förderung der Selbsthilfe (CBR) wird fortgesetzt. Als ein Schritt dorthin werden Angehörige im Umgang mit Menschen mit Behinderungen geschult. 23 CBR-Komitees, in denen Vertreter der Menschen mit Behinderungen und der Gemeinde zusammenarbeiten, wurden im letzten Jahr gegründet. Sie koordinieren die einzelnen Selbsthilfegruppen.

Nach den heftigen Regenfällen im vergangenen Jahr hat die DAHW zusätzlich in den Wiederaufbau von 50 durch die Wasserfluten zerstörten Häuser in vier Lepradörfern investiert. Hier haben die Selbsthilfegruppen aktiv mitgewirkt.

Schicksale ändern
Moussa D. und seine Frau Fili haben bei der Flut ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Sie konnten nur ihre vier Kinder und das nackte Leben retten. Ähnlich erging es 50 anderen Familien. Die DAHW bat ihre Spender zu helfen. Mehr als 700 Menschen haben daraufhin mitgeholfen, dass die Dörfer wieder aufgebaut werden konnten. Nach nicht einmal einem Jahr stehen alle Häuser wieder. Die Betroffenen, deren Freunde und Nachbarn sowie DAHW-Mitarbeiter haben mit angepackt. Fili war beeindruckt, dass Menschen, die sie und ihre Familie überhaupt nicht kennen, in dieser Situation geholfen haben.

Was wurde 2009 erreicht?

2009 hat die DAHW das nationale Lepraprogramm und die CBR-Aktivitäten mit insgesamt 566.731 Euro gefördert, davon entfielen 58.000 Euro auf den Wiederaufbau in den zerstörten Lepradörfern.

271 neue Leprapatienten wurden in den von der DAHW unterstützten Projekten diagnostiziert und behandelt. Darüber hinaus waren 1.824 Menschen als „pflegebedürftig nach Abschluss der Behandlung“ eingestuft und erhielten 2.419 SER-Maßnahmen.

Pläne für 2010
In drei Pilot-Regionen mit 1.896 Betroffenen sollen Selbsthilfegruppen besonders von Lepra betroffene Kinder und Jugendliche fördern. Das ist wichtig, damit es möglichst gar nicht erst zu Behinderung und Ausgrenzung kommt.

In Zusammenarbeit mit dem Nationalprogramm werden Richtlinien zur Schulung von Lehrern und Schülern im Umgang mit Lepra erarbeitet. Sie werden in 13 Grundschulen getestet und sollen dann landesweit eingeführt werden. Das Ziel: Abbau von Vorurteilen, medizinische Behandlung bei Bedarf.

Viele ältere ehemalige Leprapatienten leiden an Augenkrankheiten. Hier wird eine Vereinbarung über augenärztliche Betreuung mit einer Klinik angestrebt.

Projektrisiken
Die Kosten für Treibstoff sind in Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise stark gestiegen. Das macht die Fahrten der Sozialarbeiter in die Lepradörfer und in CBR-Projekte teurer. Auch die Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis haben sich erhöht.

Für 2010 hat die DAHW 484.382 Euro für die Programme im Senegal veranschlagt, zudem erhält sie über das ILEP-Netzwerk 155.000 Euro.

 

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