Liberia - Armut und Lepra in einem vergessenen Land

Liberia Landkarte

Platz 162 beim Entwicklungs-Index HDI (von 169 Staaten), mehr als 80% der Einwohner müssen von weniger als 1 Dollar pro Tag leben, und jedes siebte Kind stirbt vor seinem fünften Geburtstag. Armut ist Normalität in Libera und damit auch die Krankheiten der Armut - besonders Lepra.


Bei einem jährlichen Gesundheitsetat von 20 Dollar pro Einwohner ist das staatliche Gesundheitssystem schon mit dem Alltag überfordert – fast 15 Jahre Bürgerkrieg haben ihre Spuren hinterlassen. 482 neue Lepra-Patienten hat das arme Land im Jahr 2010 offiziell bestätigt – in Wahrheit dürften es viel mehr sein. Für Lepra gibt es nur zwei Hospitäler, eines davon ist in der Nähe der Hauptstadt Monrovia, wo fast zwei Millionen Menschen leben. Hier werden rund 300 neue Lepra-Patienten pro Jahr behandelt.

Das andere ist das Ganta Rehab Leprosy Hospital im Bundesstaat Nimba. Hier wurde im vergangenen Jahr bei 180 Menschen die Diagnose Lepra gestellt, obwohl der dünn besiedelte Nordwesten Liberias lediglich 200.000 Einwohner hat. 30 % der neuen Patienten sind Kinder unter 14 Jahren, weltweit liegt diese Quote bei ca. 5 %. Lepra-Ärzte wissen, dass diese hohe Quote ein sicheres Indiz dafür ist, dass viele Menschen mit Lepra infiziert oder erkrankt sind, die noch nicht entdeckt wurden.

Daher setzt die DAHW auf die aktive Früherkennung. Von Ganta aus fahren die Lepra-Experten in abgelegene Regionen Nimbas, um die Menschen zu finden, die andere mit Lepra anstecken. Diese Fahrten sind jedoch aufwändig und teuer, so kann bislang nur ein Drittel des Bundesstaates abgedeckt werden.

Einfach nur warten, bis Patienten von allein ins Hospital kommen, wäre allerdings verhängnisvoll. Viele verstecken sich aus Angst vor dem Stigma der Lepra oder wurden bereits aus ihren Dörfern verjagt und gezwungen, im Busch zu leben. Doch diese Menschen übertragen die Krankheit weiter, Leidtragende sind besonders Kinder, die beim Spiel oder auf dem Weg zur Schule Kontakt mit den Ausgestoßenen haben.

Bis 1989 war die DAHW im Land vertreten und hat das Lepra-Kontrollprogramm aktiv unterstützt. Lepra war zwar vorhanden, aber unter Kontrolle. Dank erfolgreicher Aufklärungsarbeit wurden nur wenige an Lepra erkrankte Menschen ausgestoßen, fast überall gab es Zugang zu Diagnose und Behandlung.

Doch mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs wurde das Risiko für die Mitarbeiter zu groß, die DAHW musste das Land verlassen. Wegen fehlender staatlicher Strukturen brach daraufhin das komplette Kontrollsystem für Lepra zusammen.

Jetzt, nachdem wieder Frieden herrscht und es eine funktionierende Regierung gibt, ist die DAHW wieder zurück in Liberia. Dr. Pieter de Koning, zuvor als Mediziner in der Würzburger DAHW-Zentrale, baut ein bislang noch kleines, aber bereits funktionierendes Lepra-Programm am Standort Ganta und im Bundesstaat Nimba auf.

Die Gespräche mit dem Gesundheitsministerium laufen, um diese Arbeit weiter auszubauen und schon bald ein landesweites Lepra-Kontrollprogramm zu installieren. Die DAHW wird weiter in dieses Programm investieren, wird aber den liberianischen Staat mit in die Verantwortung nehmen.