Multiresistente TB - Die große Herausforderung

Dr. Chris Schmotzer punktiert die Lunge ihrer Patientin

Dr. Chris Schmotzer punktiert die Lunge ihrer Patientin. (Foto: Bernd Hartung)

Berichte aus der Projektarbeit: Pakistan


Ausgangssituation
In Pakistan leben insgesamt rund 161 Millionen Menschen auf 803.490 Quadratkilometern.

Dank eines engmaschigen Leprakontrollsystems liegt die Zahl der neuen Leprafälle bei rund 500 pro Jahr. Etwa 7.000 Menschen sind jedoch aufgrund der Lepra behindert.

Die Tuberkulose fordert dort jährlich fast 70.000 Tote, rund 270.000 Menschen erkranken jedes Jahr neu daran. Das Land gehört laut WHO zu den 27 am stärksten betroffenen Staaten, inzwischen auch von MDR-TB (s. Glossar „TB“). Etwa 15.000 Patienten erkranken jährlich an dieser schweren Art der Tuberkulose, die herkömmlichen Antibiotika wirken bei ihnen nicht. Die Behandlung der MDR-TB dauert länger und ist teurer als die Behandlung regulärer Tuberkulose. Außerdem bringt sie schwere Nebenwirkungen mit sich.

Das Projekt
Die DAHW arbeitet in Pakistan seit 1965 mit dem Rawalpindi Leprosy Hospital  zusammen, das von Dr. Chris Schmotzer geleitet wird. Das Basis- und Referenzzentrum für Lepra hat ein Einzugsgebiet von rund 90 Millionen Einwohnern. Seit 2001 ist das Krankenhaus auch Behandlungszentrum innerhalb des nationalen TB-Kontrollprogramms.

Generelle Projektziele
  • Lepra: Diagnose, Behandlung, Nachsorge und Weiterbildung von medizinischem Personal
  •  Tuberkulose: Gesundheitsaufklärung, DOTS, Behandlung von MDR-TB-Fällen
  • Allgemeine Gesundheitsdienste

Aktivitäten
Lepra: Alle Patienten mit kompliziertem Verlauf der Lepra finden hier Hilfe, auch solche mit schweren Begleiterkrankungen oder Operationsbedarf. In regelmäßigen Hautsprechstunden („Skin Camps“) im Einzugsgebiet werden Patienten mit Hautkrankheiten oder Sensibilitätsstörungen untersucht, behandelt oder zur weiteren Diagnose in eine Klinik überwiesen. Zehn bis
15 Prozent aller neuen Leprafälle werden so entdeckt.

Tuberkulose: Das Krankenhaus kümmert sich um Patienten, die durch das Raster des staatlichen TB-Programms fallen. So werden z. B. unterernährte, schwerstkranke und sehr arme Patienten aufgenommen, die zu Hause nicht versorgt werden können. Auch Patienten mit extrapulmonaler, z. B. Wirbelsäulen-TB, finden hier Hilfe.

Immer wichtiger wird die Behandlung der MDR-TB. Da es hierfür bisher nur ein staatliches Programm in Lahore und Karachi gibt, schicken selbst staatliche Krankenhäuser im Norden Pakistans diese Patienten zu Frau Dr. Schmotzer, leider meist viel zu spät. Patienten mit dieser hochansteckenden TB werden in zwei kleinen Isolierstationen mit je vier bis fünf Betten medizinisch betreut, um eine Ansteckung anderer Patienten zu verhindern. Schon jetzt gibt es eine Warteliste.

Prävention: Das Team in Rawalpindi legt besonderen Wert auf Aufklärung der Öffentlichkeit und auf die Schulung von Gesundheitspersonal. Aus diesem Grund gibt es bisher beispielsweise keine hospitalbedingte Tuberkulose-Infektion von Patienten und Mitarbeitern.

Ein Schicksal ändern
Die 22-jährige Saima M., Lehrerin für behinderte Kinder, bekam Schmerzen auf der rechten Seite, ging zu Frau Dr. Schmotzer und erhielt die Diagnose: Tuberkulose. Sie wurde sofort stationär aufgenommen und mit Antibiotika behandelt.

Neben der medikamentösen Behandlung musste ihre Lunge mehrmals punktiert werden, weil sich als eine typische Komplikation von TB Flüssigkeit zwischen Rippen- und Lungenfell angesammelt hatte, die abgelassen werden musste. Dank dieser Maßnahmen konnte Saima vollständig geheilt werden.

Was wurde 2009 erreicht?
Die DAHW hat das Rawalpindi Leprosy Hospital mit 186.456 Euro, etwa 40% seines Jahresbudgets gefördert.

In Rawalpindi waren 925 Patienten in Behandlung, darunter 82 neu entdeckte Leprafälle (neun Prozent Kinder und 13 Prozent hatten bereits sichtbare Behinderungen) und 264 TB-Patienten. Alle Patienten konnten erfolgreich mit MDT behandelt werden.

32 neue Patienten mit MDR-TB wurden aufgenommen, sechs konnten ihre Behandlung beenden und wurden als geheilt entlassen. Sie werden regelmäßig nachuntersucht. Zwölf Patienten hatten schwere Begleiterkrankungen wie Diabetes, Asthma und hochgradige Unterernährung, die zusätzlich behandelt werden mussten. Bei zwei Patienten musste leider XDR-TB (s. Glossar „TB“) festgestellt werden. 60 Patienten mit extrapulmonarer TB wurden behandelt und erhielten unterstützende Maßnahmen wie Krankengymnastik.

Knapp 150.000 Schüler und Lehrer wurden aufgesucht und über die Krankheit informiert, ca. 2.300 Ärzte, Medizinstudenten, Sanitäter und Krankenschwestern nahmen an Fortbildungsmaßnahmen teil.

Pläne für 2010
Das Rawalpindi Leprosy Hospital wird sich weiter verstärkt um die Aufklärung der Pa-tienten und ihrer Familien kümmern, um die steigende MDR-TB Rate in den Griff zu bekommen.

Das Hospital soll um eine Station mit 25 Betten und einen Schulungsraum erweitert werden, um MDR-TB besser behandeln zu können.

Projektrisiken
Die schnell wachsende Zahl der MDR-TB- Patienten stellt die Klinik trotz Erweiterung vor Kapazitätsprobleme. Es fehlt dem Labor an Ausrüstung sowie qualifizierten Mitarbeitern, um den Erreger im Auswurf eines Patienten zeitnah und zuverlässig nachzuweisen. Auch gibt es zu wenige
Gesundheitseinrichtungen, die in der Lage sind, TB sicher zu erkennen und umfassend zu behandeln, dies lässt die Zahl von komplizierten TB-Fällen kontinuierlich steigen.

 

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