TB in Slum - Hilfe für Kinder auf dem Müllberg

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Ramid, Familienoberhaupt seit Tuberkulose

Bereits 2005 hat die DAHW den Kampf gegen Tuberkulose in den Slums von Indien - Neu Delhi aufgenommen


Erschreckendes Elend

Tuberkulose ist eine Krankheit der Armut. Je ärmer die Menschen sind, desto eher erkranken sie und desto schlechter stehen ihre Chancen die Krankheit zu überleben. In Indien erkranken jährlich über 1,7 Millionen Menschen an Tuberkulose. Über 300.000 von ihnen sterben. 

Vor allem in den beengten und unhygienischen Slums ist die Krankheit stark verbreitet. Denn hier leben die Menschen ohne fließendes Wasser, Kanalisation oder Strom. Die fehlende Ventilation und die feuchte Luft sowie wenig körperliche Abwehrkräfte durch Mangelernährung und harte Arbeit begünstigen die Ausbreitung von Tuberkulose.  

Auch die die „Dalit“, die „Unberührbaren“ des an sich seit vielen Jahren abgeschafften indischen Kastensystems leben hier. In den nahe gelegenen Müllbergen sammeln sie Holz, Metall, Plastik, Papier oder Stoffe und bekommen von den Händlern dafür ein paar Rupien. Was auf diesen Müllbergen landet, wurde allerdings zuerst von den „besser-gestellten“ Sammlern durchsucht. Doch die „Dalit“ haben keine andere Wahl, als diesen Müll nochmals nach Verwertbarem zu durchwühlen. Der tägliche Kontakt mit giftigen Materialien und den vielen Erregern im Müll macht die Sammler - vor allem die Kinder - krank. Ohne unsere Hilfe sterben sie. 

Die Betreuung der Tuberkulose-Patienten ist lebensnotwendig

Indien hat zwar ein passables Gesundheitssystem, allerdings kann dies mit dem Wachstum der Slums von Millionenstädten wie Neu Delhi längst nicht mehr Schritt halten: Die staatlichen Gesundheitszentren sind oftmals zu weit entfernt von den Slumgebieten und damit für die Betroffenen kaum zu erreichen. Zudem sind diese Zentren oftmals nur zu Zeiten geöffnet, zu denen die Bewohner der Slums arbeiten.  

Dies hält viele Patienten von der regelmäßigen Medikamenteneinnahme ab. Unregelmäßig eingenommene Medikamente oder der frühzeitige Abbruch der Behandlung birgt allerdings die Gefahr der Entwicklung multiresistenter Tuberkulose-Formen. Herkömmliche Medikamente sind dann wirkungslos und es müssen mehr und andere, sehr kostenintensive Antibiotika mit schweren Nebenwirkungen eingesetzt werden. Ohne Behandlung sind die Patienten – und auch ihre Mitmenschen –in akuter Lebensgefahr.  

Nachhaltige Gesundheit

Die DAHW hat bereits im Jahr 2005 gemeinsam mit der indischen Regierung den Kampf gegen Tuberkulose in den Slums in Neu Delhi aufgenommen. Rund 100.000 Einwohnern in einem Slumgebiet im Norden der Stadt konnten damit erreicht werden.  

Hilfe in den SlumsDas Projekt bietet speziell auf die Bedürfnisse der Slumbevölkerung zugeschnittene Maßnahmen an. So werden die Bewohner beispielsweise durch Straßentheater zum Thema Tuberkulose oder durch Haustür-Kampagnen über die Krankheit informiert. Denn nur wenn die Menschen wissen, wie sie sich und andere vor einer Ansteckung schützen, kann die Ausbreitung der Krankheit gestoppt werden.

Einer der wichtigsten Bestandteile des Projektes ist der Aufbau von lokalen Tuberkulose-Stationen um die Patienten flächendeckend zu erreichen. Geschulte Patientenbegleiter geben dort die Medikamente aus und kontrollieren so die regelmäßige Einnahme der Antibiotika. Falls die Kranken zu schwach sind um zur Tuberkulose-Station zu kommen, werden die Patienten auch persönlich aufgesucht damit sie ihre Medikamente einnehmen können. Außerdem werden die Kranken und falls notwendig auch ihre Familien mit Nahrungsmittel-Paketen der Regierung unterstützt bis sie wieder ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen können. Auch Menschen mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko, wie HIV-infizierte Patienten werden betreut. HIV wird in Indien immer noch extrem stigmatisiert. Insbesondere die Betreuung dieser Patienten erfordert daher ein bestimmtes Vertrauensverhältnis um sie zur Behandlung in den HIV-Zentren zu ermutigen.  

Die DAHW konnte bereits zahlreiche Helfer für ihre Aktivitäten gewinnen und schulen. Oft sind es ehemalige Patienten. Für ihren Einsatz erhalten sie eine Aufwandsentschädigung von umgerechnet etwa 30 Euro im Monat.

Aufgrund der Erfolge der Maßnahmen wurde das Projekt inzwischen auf ein Gebiet mit 300.000 Einwohnern ausgeweitet. Seit 2005 konnten durch die Maßnahmen knapp 600 Patienten jährlich betreut und behandelt werden. Rund 80 Patientenbegleiter sind dabei derzeitig im Einsatz. Insgesamt wurden in den Slumgebieten Neu Delhis 15 Gesundheitsposten der DAHW aufgebaut. Im Jahr 2009 lag die Heilungsrate bei 85 %.

Auch den „Dalit“, den Müllsammlern Neu Delhis konnte mittlerweile geholfen werden. Dafür war eine ausgiebige Vorlaufzeit notwendig, denn sie wurden schon oftmals hintergangen und vertrauen Fremden nur selten. Fast jede Woche war Dr. Abbas, der Arzt der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe bei ihnen und hat über die Gefahren der Tuberkulose informiert. Außerdem wurden den Patienten Gesundheitshelfer zur Seite gestellt bei denen sie regelmäßig ihre Medikamente einnehmen können. Um den Kindern der Müllsammler eine bessere Zukunft zu ermöglichen, hat der Arzt inzwischen in Zusammenarbeit mit einer lokalen NRO Sozialarbeiter zum Müllberg mitgebracht, die die Kinder unterrichten. Denn Bildung ist der einzige Weg damit sie künftig nicht mehr im Müll arbeiten und leben müssen.

Hilfe für Kinder auf dem Müllberg

Indien - Land der Extreme