Tuberkulose - Gemeindenahe standardisierte Behandlung

Jahresbericht 2009 - Mrs. Ruchi kontrollierte Einnahme der Tablettendosis

Mrs. Ruchi überreicht die Tablettendosis und dokumentiert die Einnahme. (Foto: Bernd Hartung)

Berichte aus der Projektarbeit: Indien


Ausgangssituation
Fast 40 Prozent der Bevölkerung in Indien tragen den TB-Erreger in sich, jeder fünfte neue Patient der Welt lebt auf dem Subkontinent. Im Jahr 2008 (neuere Zahlen gibt es nicht) wurden in Indien 1,51 Millionen Patienten gegen TB behandelt. Nach Schätzungen gab es im vergangenen Jahr 110.000 neue Fälle von MDR-TB siehe MDR-TB und XDR-TB. Die Behandlung dieser Form ist aufwändig; es müssen mehr und andere Antibiotika mit schweren Nebenwirkungen eingesetzt werden, die Kosten liegen im Schnitt bei über 3.000 Euro pro Patient. Zugleich ist MDR-TB bisher nur in wenigen Laboren zu diagnostizieren, so dass die Kranken unbehandelt oder nicht wirksam behandelt weitere Menschen anstecken können.

Generelle Projektziele
In Indien stellt der staatliche Gesundheitsdienst Ärzte, Medikamente und Behandlungszentren für Tuberkulose, die jedoch oft sehr anonym und für die ärmeren Patienten sehr benutzerunfreundlich sein können. Die DAHW versteht sich als Partner sowohl der Regierung als auch der betroffenen Patienten, sie schließt die Lücke zwischen beiden. Sie ermöglicht so den Zugang zu qualitativ hochwertiger Tuberkulose-Behandlung und -Diagnostik und unterstützt die Patienten dabei, die Behandlung zu Ende zu führen, egal ob die Krankheit durch sensitive („normale“) oder resistente Erreger hervorgerufen wird. Vor allem in Slumgebieten kümmert sich die DAHW um die besonders gefährdete Bevölkerung und unterstützt die Patienten individuell, z. B. bei Nebenwirkungen der Medikamente oder auch, wenn sie nicht ausreichend für ihre Familie sorgen können.  

Aktivitäten
Die DAHW schult Patientenbegleiter und zahlt ihnen ein kleines Honorar. „Gemeindenahe standardisierte Tuberkulose-Behandlung“ heißt das Programm, das freiwillige Helfer in die Aufgabe einbezieht, Patienten flächendeckend zu betreuen. Die DAHW fördert patientenfreundliche Serviceangebote: Jeder TB-Patient soll seine Medikamente ohne weite Wege und zu einer Uhrzeit bekommen, die mit seiner Erwerbstätigkeit vereinbar ist und bei Problemen individuell betreut werden. Die DAHW fördert zudem Aufklärung und Prävention, z. B. durch Straßentheater.

Schicksale ändern
In einem Slumgebiet in Neu Delhi begleitet Dr. Rajbir Singh, der medizinische Berater der DAHW für Nordindien, ein Programm zur gemeindenahen standardisierten TB-Behandlung.

Patientenbegleiter überwachen, dass die Erkrankten ihre Tabletten genau nach Plan einnehmen. Eine von ihnen ist Mrs. Ruchi. Das Ganze dauert nur wenige Minuten: Sie überreicht Tablettendosis und einen Becher Wasser, der Patient schluckt die Medizin, die Patientenbegleiterin trägt die Einnahme ins Patientenregister ein. Wenn ein Erkrankter ausbleibt, sucht sie ihn auf und fragt nach. Ihre Aufgabe ist es, die Behandlung jeden Tag sorgfältig nachzuhalten. Ein Tuberkulose-Patient muss sechs Monate lang täglich Antibiotika schlucken: Die regelmäßige Einnahme  ist zwingend erforderlich, sonst droht die Entwicklung von Resistenzen.

So entsteht ein Netz von kleinen Anlaufstellen, in die jeden Tag jeweils fünf, zehn oder zwanzig Patienten kommen. Die Patientenbegleiter sind geschult, brauchen aber keine großen medizinischen Fachkenntnisse. Oft sind sie ehemalige Patienten. Für ihren Einsatz erhalten sie eine Aufwandsentschädigung von umgerechnet etwa 30 Euro im Monat. Dr. Rajbir Singh trifft die Patientenbegleiter regelmäßig und stimmt sich mit ihnen ab.

Was wurde 2009 erreicht?
Die DAHW hat die gemeindenahe standardisierte TB-Behandlung mit 29.300 Euro gefördert. Mit ihrer Unterstützung  konnten so rund 80 Patientenbegleiter  in einem Gebiet mit 300.000 Einwohnern 429 neue TB-Patienten registrieren und behandeln. Die Heilungsrate betrug 85 Prozent.

Pläne für 2010
Die DAHW hat für die Unterstützung dieses Programms 23.800 Euro bewilligt. Ziel ist es, dass mehr Patienten die Behandlung abschließen und weniger vorzeitig abbrechen.

Da der staatliche Gesundheitsdienst das Prinzip der Patientenbegleiter übernommen hat, übergibt die DAHW ihre Aktivitäten schrittweise in Regierungshände. Die freiwerdenden Kapazitäten sollen für die weiterführenden Aufgaben z. B. bei der MDR-TB und der Ko-Infektion TB/HIV genutzt werden.

Projektrisiken
Ein Anstieg der multiresistenten Tuberkulose könnte dieses Projekt vor große Probleme stellen, denn es gibt zu wenige Labore und vor allem zu wenig Medikamente, auch die Kosten wären ungleich höher.

 

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