Vernachlässigte Krankheiten: Ein Labor für Buruli-Patienten in Togo

Moderene Diagnosetechnik im Labor in Togo, Afrika

Gute Ausbildung und teure Technik: Ein gutes Labor muss professionell arbeiten können.

DAHW stärkt Kompetenz in einem der ärmsten Länder der Welt



Ausgangssituation
Buruli Ulcer ist eine Krankheit, die oft als „kleine Schwester der Lepra“ bezeichnet wird. Der Erreger ist eng verwandt mit dem Lepra-Bakterium, und auch die Folgen sind ähnlich: Lähmungen der Gliedmaßen bis hin zur Amputation. Doch es gibt Unterschiede: Buruli-Patienten leiden unter großflächigen, offenen Wunden, die Krankheit selbst wird nicht durch Kontakt zu Erkrankten übertragen, sondern wahrscheinlich durch Insekten, die in Feuchtgebieten leben.

Dies ist allerdings nur eine Vermutung, denn diese Krankheit ist so wenig erforscht, dass selbst Experten oft vor Rätseln stehen. Einen schnellen und gleichzeitig genauen Test für die Krankheit gibt es nicht, die eindeutige Diagnose kann ausschließlich durch einen PCR-Test (Polymerase Chain Reaction) erfolgen, eine gentechnische Untersuchung von Hautgewebe aus den Wunden.

Seit Eröffnung des Kompetenz-Zentrums in Tsévié im Februar 2008 durch den damaligen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und den togoischen Gesundheitsminister Kondi Charles Agba können Buruli-Patienten medizinisch versorgt werden. Wie bei Lepra gilt: Wird die Krankheit rechtzeitig entdeckt, ist eine vollständige Heilung möglich und es bleiben keine Spätfolgen zurück. Daher ist das Buruli-Zentrum der DAHW auch die Zentrale für die Gesundheitshelfer, die in den am meisten betroffenen Gebieten Togos unterwegs sind, um nach Verdachtsfällen zu suchen.

 

Ziele des Projekts
Bislang wurden im Buruli-Zentrum Tsévié Gewebeproben entnommen und nach Deutschland geschickt, weil es kein Labor in Togo gab, das einen PCR-Test durchführen konnte. Erst nach fünf bis sechs Wochen lag das Ergebnis vor - diese unnötig lange Wartezeit verzögerte zudem den Beginn der Behandlung für viele Patienten.

2008 hat Franz Wiedemann, Repräsentant der DAHW in Togo, daher mit den Planungen für ein ausreichend ausgestattetes Labor im Land selbst begonnen. Das Ziel sollte sein, in Togo ein funktionierendes, nationales Diagnosesystem aufzubauen, welches innerhalb einer Woche qualitativ hochwertige Resultate liefert und auch zur Nachkontrolle der Patienten geeignet ist.

Aktivitäten - Was wurde 2010 erreicht?
Das Gesundheitsministerium von Togo konnte eine Investition von ca. 60.000 Euro nicht leisten, auch für die DAHW ist eine Investition in dieser Höhe nicht alltäglich. Eine Lösung dieses Problems ergab sich über eine Förderung durch die EU.

Die DAHW Togo arbeitet schon lange mit den Buruli-Experten der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und des Bernhard-Nocht-Instituts Hamburg (BNI) zusammen. Ein Teil dieser internationalen Zusammenarbeit ist auch die Suche nach einem Impfstoff gegen Buruli Ulcer. Auch dafür werden hochwertige Laboranlagen mit gut ausgebildetem Personal benötigt.

Im Jahr 2010 wurde das neue Labor beim Nationalen Hygiene-Institut Lomé (INH) eingerichtet und das Personal ausgebildet. Die Partner DAHW, LMU und BNI haben in Aus- und Weiterbildung investiert sowie ein System zur Qualitätssicherung etabliert.

Planungen für 2011
Mit Beginn des Jahres 2011 werden alle diagnostischen Untersuchungen von Buruli-Verdachtsfällen in Lomé durchgeführt, die Ergebnisse durch die LMU geprüft. Die Zeit für das Ergebnis verkürzt sich dadurch auf acht Tage. Für die Patienten bedeutet dies, dass sie in kürzester Zeit die richtige und angemessene Behandlung bekommen.

Durch die Installation dieser Diagnosetechnik ist Togo jetzt auf dem aktuellen medizinischen Stand und in der Lage, an internationalen Forschungsprojekten teilzunehmen.

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Wundpflege für Buruli-Patienten in einem Dorf in Togo. Ohne die mobilen Gesundheitshelfer gäbe es keine Versorgung für diese Menschen.

Risiken des Projekts
Dass ein Labor von dieser Qualität in Togo notwendig ist, zeigen die vielfältigen Aufgaben, die in kürzester Zeit auf das INH hinzugekommen sind. Doch das führt auch zu größeren Wünschen und Begehrlichkeiten: Schon heute gibt es Pläne, den Laborbereich für ca. 75.000 Euro zu erweitern.

Finden sich Geber für diese neuen Investitionen, wird das Labor im Hygiene-Institut weiter gestärkt – bleibt es bei dem jetzigen Ausbaustand, könnte das Labor überlastet werden. Zu groß sind die vielen Aufgaben, die auf die Mitarbeiter im togoischen Gesundheitssystem lasten – einem System, das noch immer auf- und ausgebaut werden muss.

Die DAHW wird daher mit eigener Kompetenz sowie besonders der ihrer Partner diesen Weg weiter unterstützen und damit die Kompetenz im Land selbst stärken, den Staat nicht aus seiner Verantwortung für die Menschen in diesem Land entlassen.


 

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