17.06.09 Brasilien, Mato Grosso, Proxoreo
4. Tag Besuch des Referenzzentrums für Lepra und Tuberkulose in Proxoreo
Nach dem Frühstück, das hier hauptsächlich aus Kuchen zu bestehen scheint, fahren wir an großen Eukalyptusbäumen und riesigen Baumwollfeldern vorbei nach Proxoreo.
Im Referenzzentrum Proxoreo begüßt uns Midireia Rodrigues und erzählt mir von den Aufklärungskampagnen, die sie zur Zeit in Kooperation mit uns für Lepra und Tuberkulose durchführen.
Die ehemalige Edelsteinwäscherstadt ist sehr arm und die Anzahl der Leprafälle ist mit 30 neuen Fällen pro Jahr im Vergleich zu der Einwohnerzahl sehr hoch. Die Regierung hat die Suche nach Diamanten und Edelsteinen hier streng verboten, denn durch das Umgraben riesiger Flächen wurde die Natur in der Vergangenheit stark zerstört. Viel verdient haben die Arbeiter für diesen Knochenjob ohnehin nicht. Midireia erzählt uns, dass es in den kleinen Seen, die sich durch das Schürfen gebildet haben, Riesenschlangen gibt. Als ich das höre bin ich nicht böse darum, das Ganze nur vom Auto aus betrachten zu können.

"Midireia zeigt uns stolz das T-Shirt zu Aufklärung". Foto: DAHW / Nikola Freygang
Zum Mittagessen geht es wieder einmal in eine Chorasceria - was übersetzt soviel heißt wie Fleischspieße. Und dies trifft es recht genau. Für einen Festpreis kann man in den einfachen Restaurants Salat und Fleisch essen soviel man will. Das Besondere daran ist, dass viele verschiedene Fleischsorten auf riesigen Spießen gegrillt werden und die Kellner ständig damit von Tisch zu Tisch gehen. Für die nächsten Tage sehe ich meinen Fleischbedarf erst einmal gedeckt.
Am Nachmittag sind wir mit Enfermeiro (Krankenpfleger) Antonio Marcos in Primavera do Leste verabredet. Noch bevor er damit beginnt uns die Gesundheitsstation zu zeigen, bietet er uns einen „Cafesito“ an. Die Brasilianer scheinen diesen espressoartigen starken Kaffee hier immer aus kleinen Plastikbechern zu trinken. Sein Medikamenten-Schrank ist gut gefüllt mit MDT Medikamenten (multi drug therapy) gegen Lepra. Die Patienten nehmen täglich eine rote und eine weiße Tablette ein. Die fünf Tabletten in der obersten Reihe müssen die Patienten unter Aufsicht von Antonio einnehmen, denn sie sind für den Behandlungserfolg enorm wichtig.

Antonio Marcos im Gespräch mit Manfred Göbel über die Leprabehandlung mit den Medikamenten zur Multi Drug Therapy. Foto: DAHW / Nikola Freygang
Viele Patienten kommen zu ihm, weil sie die Sensibilitätsstörungen der Haut selbst bemerken. Das Bakterium greift die Nervenzellen derart an, dass sie keinerlei Gefühl mehr auf bestimmten Bereichen der Haut haben. Durch die Medikamente kann er dies leider nicht rückgängig machen, er kann den Prozess aber zumindest stoppen, bevor es zu Behinderungen kommt.
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