18.06.09 Brasilien, Mato Grosso, Rosario Oeste
5. Tag Projektbesuch in Rosario Oeste
Wir fahren auf einer roten Erdstraße, die endlos gerade aus zu gehen scheint, von Primavera do Leste nach Rosario Oeste. Durch die schlechten Straßenverhältnisse ziehen sich 100 km wie eine Ewigkeit.
Rechts und links von den Pisten sieht man Termitenhaufen, soweit das Auge reicht. Neben den schweren LKWs zählen Fahrräder in vielen Ortschaften zu den wichtigsten Fortbewegungsmitteln. Häufig sitzen drei Kinder auf einem Rad und sie kommen trotzdem relativ schnell voran.
In Rosario Oeste begrüßt uns Schwester Antonia Pegoraro. Sie ist bereits 75 Jahre alt und setzt sich immer noch unerlässlich für die Kranken ein. Dieses Projekt benötigt jährlich 16.000 Real, das sind umgerechnet in etwa 6.000 Euro für aktive Patientensuche in den Armenvierteln, Aufklärungskampagnen und soziale Rehabilitationsmaßnahmen. Manfred Göbel kennt Antonia schon lange und hofft, dass wir das Geld auch für das nächste Jahr wieder zusammen bekommen. „Ohne uns gäbe es die Fallsuche einfach nicht mehr und die Ansteckungsrate würde über kurz oder lang wieder enorm ansteigen.“ meint Manfred Göbel besorgt.
Schwester Antonia stellt uns Arginaldo vor.
Arginaldo und Schwester Antonia. Foto: DAHW / Nikola Freygang
Als ich ihm zur Begrüßung die Hand reiche merke ich sofort, dass mit seiner Hand etwas nicht stimmt. Nach einer kurzen Unterhaltung, die ich durch meine Spanischkenntnisse mehr oder weniger gut mitverfolgen kann, versuche ich unauffällig einen Blick auf seine Hände zu werfen. Sie sind durch die Lepra völlig verkrümmt. In der DAHW kenne ich diese Lepraschädigung unter dem Begriff „Krallenhand“.
Krallenhand - teuere und langwierige Behandlung. Foto: DAHW / Nikola Freygang
Seine Hände sind nur durch Physiotherapie und Operationen wieder einsetzbar zu machen. Arginaldo hat 12 Geschwister und drei Kinder. Als Antonia in sein Dorf 160 km von hier gefahren ist, hat sie die komplette Großfamilie mit 48 Personen untersucht und ist dabei auf ihn gestoßen. Das war sein großes Glück, denn mit der Zeit werden die Verkümmungen immer schlimmer und sind noch schwerer zu behandeln.
Manfred Göbel setzt jetzt alles daran, dass er schnell operiert wird, durch die hohen Kosten ist dies aber nicht immer ganz einfach.





