15.06.09 Brasilien, Mato Grosso, Cuiaba,

PICT2387_15_06_264

2. Tag - Landesreferenzzentrum für Lepra und Tuberkulose


Heute war es endlich soweit und wir sind raus in die Projekte gefahren. Unsere erste Station haben wir im Landesreferenzzentrum für Lepra und Tuberkulose gemacht. Dort werden alle Fälle von Mato Grosso behandelt, bei denen die Basisgesundheitsstationen nicht mehr weiter wissen. Bei der "normalen Lepra" erhalten die Patienten ihre Medikamente in der nãchstgelegenen Gesundheitsstation und können durch den Mix aus Antibiotika in einigen Monaten geheilt werden.

Aber ganz so unproblematisch verlaufen leider nicht alle Fälle.

Um halb neun werden wir vom Leiter der Dermatologischen Abteilung, Sergio Bianco, in seinem einfachen aber hellen Büro begrüßt. Im Büro stapeln sich die Akten und Sergio bestätigt uns, dass sie viel Arbeit haben. Alleine im letzten Monat kamen fast 200 neue Leprapatienten ins Referenzzentrum. Zweihundert! Hinzu kommen monatlich noch rund 50 Patienten, bei denen die Lepra zu spät entdeckt wurde und die bereits offene Wunden haben, die nicht mehr richtig verheilen. Ich kann es immer noch nicht so richtig fassen, dass die Patientenzahlen so hoch sind, wo doch viele Menschen in Deutschland glauben, dass es Lepra gar nicht mehr gibt. Bis vor zwei Jahren gehörte ich auch dazu.

Im Referenzzentrum unterstützen wir durch die Spenden aus Deutschland vor allem Berufsausbildung, zum Beispiel Informatikkurse. Dadurch können ehemalige Leprapatienten dem Teufelskreislauf der Armut entkommen. Über 50% der Absolventen bekommt anschließend eine Anstellung! Da viele Patienten vorher arbeitslos waren und häufig eine große Familie zu ernähren haben, ist dies ein bedeutender Schritt. Doch für die meisten ist ganz einfach die Gleichberechtigung das Wichtigste, denn die Stigmatisierung ist in Brasilien nach wir vor vorhanden.

Sergio zeigt uns noch die verschiedenen Abteilungen des Referenzzentrums. Dabei begegnen wir dem zwölfjährigen Jonatas. Er hatte Lepra und konnte durch die Früherkennung ganz ohne bleibende Schäden geheilt werden. Zuerst ist er schüchtern und getraut sich nicht so richtig, mit uns zu sprechen. Als Manfred Göbel ihm erzählt, dass die Menschen in Deutschland Anteil am Schicksal der Leprapatienten nehmen und die Arbeit hier mit Spenden unterstützen, freut er sich riesig. Er zeigt auf die Kamera, die ich mir umgehängt habe und sagt zu Manfred Göbel, dass wir ihn gerne fotografieren dürfen.

PICT2405_15_06_264

Überall wo wir hin kommen, ist Manfred Göbel und die DAHW herzlich willkommen. Das merken wir vor allem auch in der Referenzabteilung für Tuberkulose. Hier kommen fast nur Patienten mit MDR-TB, multiresistenter Tuberkulose, hin, um behandelt zu werden. Mit Patienten können wir aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr heute leider nicht persönlich sprechen, dafür erzählt uns Miriam Alvis, eine sehr erfahrene Krankenschwester über ihre Arbeit. Im Moment kümmern sie sich um elf Patienten, hinzu kommen fünf Verdachtsfälle, bei denen noch auf die Testergebnisse gewartet wird. An der Wand sehen wir Aufklärungsplakate, die auf die typischen Anzeichen der Tuberkulose hinweisen: langer andauernder Husten, Appetitlosigkeit und Nachtschweiß um nur einige zu nennen. Was mir sofort auffällt, als ich ein Behandlungszimmer betrete, sind die Röntgenbilder von Patienten mit Lungen-Tuberkulose.

Auf den Röntgenbildern sieht man deutlich, dass die Lunge große weiße Flecken aufweist. Das ist ein typisches Anzeichen für abgestorbenes Gewebe, das durch das Tuberkulose-Bakterium unwiederbringlich zerstört wurde. Miriam hält die Aufklärungskampagnen, die das Referenzzentrum zusammen mit uns macht, für sehr wichtig, um die Krankheit so früh wie möglich zu entdecken. Da wir noch über 200 km zum nächsten Projekt vor uns hatten, mussten wir uns los reisen und mit dem Jeep weiter die holprigen Strassen im dichten LKW-Verkehr entlang fahren.

Da selbst Mato Grosso schon 2,5-mal größer als Deutschland ist, kommt man um längere Fahrten einfach nicht herum. Dafür habe ich heute auch etwas von der herrlichen Landschaft zu sehen bekommen.


Hier können Sie helfen:

Ihre Spende ist in guten Händen. Jetzt spenden!