23.06.09 Brasilien, Varzea Grande
Gemeinsam mit Cleunice fahren wir zu den Kindertagesstätten.
10. Tag Besuch der Kindertagesstätte Associação Educar
Kurz nach 8.00 Uhr nähern wir uns Associação Educar in Varzea Grande. Die Stadt liegt in der Nähe von Cuiabá und beherbergt den internationalen Flughafen, an dem auch ich gelandet bin. Wo genau Cuiabá anfängt und Varzea Grande aufhört, kann man heute nicht mehr erkennen. Mit knapp 250.000 Einwohnern ist die Stadt rasant gewachsen und heute fast doppelt so groß wie Würzburg.
In den Armenvierteln der Stadt sind Gewalt, Drogen und Überfälle an der Tagesordnung, berichtet uns Cleunice, pädagogische Leiterin von Educar. Den Kindern und Jugendlichen aus extrem armen und zerütteten Familien Schutz vor derartigen Einflüssen zu gewähren und ihnen durch Bildung und Erziehung eine neue Lebensperspektive zu geben, steht im Mittelpunkt der Arbeit hier. Wir erfahren, dass einige der Kinder selbst Lepra hatten oder betroffene Eltern haben. Doch darüber sollten wir in der Tagesstätte besser nicht vor den anderen Kindern sprechen.
Mit Spendengeldern aus Deutschland konnten wir bereits einiges dazu beitragen, die Situation der Kinder zu verbessern. So zum Beispiel durch die Anschaffung von Kühl- und Gefrierschränken.
Cleunice erzählt uns, wie wichtig ausgewogene Mahlzeiten für die Kinder sind, denn viele von ihnen bekommen zu Hause nichts zu Essen – es ist schlicht und einfach kein Geld da, um etwas zu kaufen. Besonders schlimm ist die Situation, wenn die Eltern von Lepra oder Tuberkulose betroffen sind, denn dann können sie häufig nicht mehr arbeiten.

Mittagessen bei Educar - heute gibt es Reis mit etwas Geflügel, Bohnen und Salat. Foto: Nikola Freygang
Gemeinsam mit Cleunice bringe ich am Nachmittag einige Kinder mit dem neuen VW Bus nach Hause. Es ist erstaunlich, aber er ist wirklich neu! Ich lasse mir sagen, dass er in Brasilien nach wie vor produziert wird!
Was mich bei den Kindern zu Hause erwartet, setzt mir doch ziemlich zu. Aber ich versuche mir nichts anmerken zu lassen, denn für Alvina scheint es einfach normal zu sein, mit ihren Kindern unter derartigen Bedingungen hausen zu müssen.
Alvina schätzen wir auf 40, genau wissen wir es aber nicht. Fünf ihrer Kinder gehen nach der Schule in die Kindertagesstätte Educar.

von links nach rechts: Victoria, Juliana, Antonio, Maria, Mama Alvina und Mario in ihrem bescheidenen Haus. Foto: Nikola Freygang
Sie und ihr ältester Sohn Luciano hatten Lepra. Gott sei Dank sind sie wenigstens wieder gesund. Ich schaue mir das „Haus“ aus roten Lehmsteinen auf Alvinas Einladung hin auch von innen an. Es gibt ein einziges Bett mit 1,40 m Breite. Dort muss die ganze Familie schlafen! Alvina muss mit 114 Real im Monat die siebenköpfige Familie ernähren, da bleibt nicht einmal Geld für ein zweites Bett. Wie sollte dies auch mit 30 Euro monatlich gehen? Für die Kinder ist es eine riesige Chance, bei Educar unter gekommen zu sein, denke ich mir. Dort erhalten sie vollwertige Mahlzeiten, können lernen, spielen und lachen.
Man merkt Alvina an, wie dankbar sie ist und so verabschiede ich mich mit Trauer und Freude zugleich von der Familie.





