Eindrücke der Reise nach Ganta - Teil II

Patienten in Ghanta

Patienten im Lepra- und Tuberkulose-Rehabilitations-Zentrum in Ganta

Das Ganta Leprosy und TB Rehabilitation Center ist eine eigene Welt. Es ist gleichermaßen Wohnort, Krankenhaus, Rehacenter, Farm, Kirche, Gemeinde verschiedenster Glaubensgruppen.


Hier treffen Heute und Gestern frontal aufeinander. Kinder wachsen heran, die den Bürgerkrieg nicht erlebt haben, unmittelbar mit oder neben Menschen, die alles verloren haben, deren Familien niedergemetzelt wurden. Vielfach finden sich Opfer und Täter heute als Patienten hier vereint. Einige der Leprapatienten waren noch wirklich brutalste und bis heute traumatisierte Kämpfer in den Rebellentruppen, bevor sie an Lepra erkrankten und dort aus Angst vor der Lepra herausgeworfen wurden. Die Angst in der unaufgeklärten Bevölkerung ist auch heute noch groß. Wir konnten dies bei der Zollabfertigung bei der Einreise nach Liberia positiv nutzen. So wir unsere Koffer öffnen mussten, reichte es zu sagen, dass wir ins Lepraprojekt fahren wollen. Und der Koffer fiel wieder zu.

Was nur schwer zu beschreiben ist: Ganta ist die zweitgrößte Stadt in Liberia. Ganta liegt fußläufig zur Grenze nach Guinea. Ganta hat keine asphaltierte Straße. Keine Häuser, die höher wären als zwei Stockwerke – bis auf ein Gebäude nahe der „Hauptstraße“, in dem ein mutiger Investor Ladenlokale und Appartements nach europäischem Stil errichtet hat. Es sieht aus wie ein Fremdkörper. Das an der Hauptstraße gelegene Zentrum besteht aus kleinen Lokalen, Geschäften, Kiosken, Marktständen, Straßenständen, Tankstellen, Restaurants, Bars, und unendlich vielen Menschen, Motorrädern, Trucks, Autos. Laute Musik läuft überall. Hupen ersetzt Verkehrsregeln. Und was auffällt, das Durchschnittsalter scheint sich um die 20 zu bewegen. Der Krieg hat ganze Generationen ausgelöscht oder ins Ausland vertrieben.

Und hier ein bisschen am Ende der Welt liegt das Ganta Rehabilitations Center.

Es ist Lepra- und Tuberkulose-Referenzcenter. Gleiches gilt für Buruli Ulcer – die Krankheit, die oft auch als die kleine Schwester der Lepra bezeichnet wird, da sie zu Geschwüren und zu Verstümmelungen führt. Und meist sind Kinder die Opfer des brutalen Erregers, von dem man glaubt, er verbreite sich hauptsächlich über Gewässer. Der verantwortliche Mediziner, der für die DAHW dort arbeitet, ist Holländer. Pieter de Koning. Er kennt sich aus in Afrika. Er ist der Typ Mediziner, der seinen Beruf und seine Patienten liebt. Er kann zuhören, ehrliche, aber angemessene Antworten geben, ist zugewandt, respektvoll. Und das gibt ihm jeder im Projekt zurück.

Ganta ist neuerdings auch Referenzzentrum für die multiresistente TB. Behandeln kann das Team um Pieter de Koning dort aber nur „normale“ TB-Fälle. Der seitens der Regierung zugesagte, neue Krankenhaustrakt für die MDR-TB Patienten sollte im Sommer 2013 fertig sein. Faktisch hat damit aber noch niemand begonnen. Ebenso wartet Pieter auf die Medikamente, mit denen man diese MDR-TB behandeln könnte. Das ist eben auch Liberia. Es geschieht nicht alles, was gesagt wird. Und es dauert. Im Moment träumen alle davon, 24 Stunden lang Strom zu haben, statt nur stundenweise den eigenen Generator nutzen zu können. Wie die Verhandlungen mit dem staatlichen Stromanbieter ausgehen, weiß noch keiner. Bestechungsgelder würden es sicher beschleunigen, doch dieses Spiel spielen die Mitarbeiter des Projekts nicht mit. Darauf sind sie sehr stolz.

Für das Reiseteam

Harald Meyer-Porzky

Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising
Stellvertr. Geschäftsführer