16.06.09, Brasilien, Mato Grosso, Rondonopolis

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Mauro erhält Spezialeinlagen in der Schusterwerkstatt. Foto: DAHW / Nikola Freygang.

3. Tag - Besuch des Leprazentrums Guanabara


Der Tag begann auch heute wieder sehr früh. Um viertel acht sind wir mit gepackten Koffern zum Leprazentrum in Rondonopolis aufgebrochen. Das Zentrum ist bei vielen Einwohnern unter dem Namen Guanabara bekannt. Es regnete bei unserer Ankunft immer noch so stark, dass wir aus dem Auto springen mussten, um nicht völlig nass im Zentrum einzutreffen. Wir sind zuerst in einen schmalen, dunklen Gang mit Sitzbänken gelangt. Dort warten gewöhnlich 30 Patienten oder mehr auf ihre Behandlung, erzählt uns die Krankenschwester. Durch den Regen hätten viele Patienten den Weg heute nicht auf sich genommen. Wir erfahren, dass Manfred Göbel das Leprazentrum vor 27 J. mit Spendengeldern aus Deutschland erbaut hat. 70.000 DM hat der komplette Bau gekostet. Es ist beruhigend zu wissen, dass die Gelder von damals hier gut angelegt waren.

Der erste Patient, den wir antreffen, ist Mauro G. Ich habe versprochen, nur seinen Vornamen zu nennen. Mauro hat wie viele andere Patienten Angst, dass sich seine Nachbarn und Freunde von ihm abwenden, wenn sie von seiner Krankheit erfahren. Denn er war nicht nur an Lepra erkrankt, er ist auch HIV positiv. Mauro ist 49 Jahre alt und musste 12 Monate lang Antibiotika einnehmen, um das Leprabakterium abzutöten. Mittlerweile ist er geheilt, Geschwüre am Fuß hat er aber nach wie vor. Und genau deshalb ist er heute da. Er bekommt von unserem Schuster Spezialeinlagen, die den Druck von der Wunde nehmen und somit die Heilung fördern.

Seine Geschichte ergreift mich, denn er erzählt uns, dass HIV sein Leben zerstört hat. Er sieht seitdem keinen richtigen Sinn mehr im Leben. Er hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser und ist dankbar, dass sich wenigstens seine Schwester etwas um ihn kümmert.

Von Guanabara aus machen wir uns weiter auf den Weg in ein Armenviertel der Stadt Rondonopolis. Durch den heftigen Regen sind die Straßen mit roter Erde überschwemmt und die letzten Meter kommen wir nur noch schwer voran. Hier gibt es keine geteerten Straßen oder fließendes Wasser mehr.

Die Häuser sind sehr einfach und wirken heruntergekommen. Ich laufe Manfred Göbel und der Gesundheitsarbeiterin für diesen Bereich verwundert hinterher. Es wirkt so, als sei die Zeit hier vor Jahren stehen geblieben. Auf den sandigen Straßen sind hauptsächlich Fahrräder oder Mopeds unterwegs. Viele Hunde laufen umher und machen lautstark auf uns aufmerksam. Nun sind wir am Haus der Familie angekommen, die die Gesundheitsarbeiterin besuchen möchte.

Die 6-jährige Andrea und ihre Mutter haben vor 3 Monaten mit der Lepra-Therapie begonnen

Die 6-jährige Andrea und ihre Mutter haben vor 3 Monaten mit der Lepra-Therapie begonnen. Foto: DAHW / Nikola Freygang 

Andrea ist 6 Jahre alt und besucht die erste Klasse. Sie erzählt uns stolz, dass sie den Weg zur Schule ganz alleine läuft. Sie freut sich über die Fotos und will auf meiner Digitalkamera neugierig jedes einzelne betrachten. Sie und ihre Mutter Luisa sind an Lepra erkrankt und seit drei Monaten in Behandlung. Beide vertragen die Medikamente sehr gut und die Behandlung scheint ohne Komplikationen zu verlaufen. In dem kleinen Backsteinhaus leben insgesamt 4 Personen. Vor der Hütte liegt allerhand Schrott und Plastik herum, die Wäsche hängt auf einer Leine zwischen den Bananenpalmen. Der älteste Sohn putzt sich bei unserer Ankunft gerade mit Regenwasser und unter freiem Himmel die Zähne. Luisa, Andreas Mutter, ernährt die Familie durch verschiedene Jobs, einen Arbeitsvertrag bekommt sie nicht. Dafür muss sie einen Fußmarsch von 10 km einfach auf sich nehmen. Sie verdient damit im Schnitt 300 brasilianische Real, das sind umgerechnet ungefähr 80 Euro! Wenn man im Verhältnis die Preise hier in Brasilien sieht weiß man, das dies gerade so zum überleben reicht. Diese Bilder führen mir wieder allzu deutlich vor Augen, wie reich wir an allem in Deutschland sind.


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