Morgens um fünf starten wir zur Oldtimerrallye

DAHW-Mitarbeiter Marco Kroener vor dem Oldtimer der DAHW

In Fritzlar. Foto: Jochen Hövekenmeier

1. Tag, Samstag, 4. Juli 2009 - zu einer unchristlichen Zeit


Aufstehen, duschen, Kaffee trinken – morgens früh und um fünf ist wirklich nicht meine Uhrzeit. Wenn es sie wäre, ich wäre wohl kein Journalist geworden. Aber das Schlimmste: Es ging ja schon viel eher los, um fünf war Abfahrt! Manche Menschen nennen diese Uhrzeit unchristlich – andere wiederum sind es gewohnt, am frühesten Morgen das Haus zu verlassen.

Heute jedenfalls habe ich es geschafft, mein Bett zu verlassen, den Koffer zu packen, eine Tasche mit Kamera, Laptop und all dem anderen technischen Gerät zu füllen, alles in dem alten Auto zu verstauen, den Kollegen abzuholen und loszufahren – fast zur geplanten Uhrzeit sogar. Und ab geht die Urlaubsreise zum ersten Etappenziel Hannover.

Wer sich jetzt wundert, weil Hannover nicht unbedingt zu den bevorzugten Urlaubsorten Deutschlands gehört, der sollte mal einen genauen Blick auf das alte Auto werfen: Immerhin 38 stolze Jahre verbringt der Peugeot 304 nun schon auf den Straßen, und bis heute macht er dies äußerst zuverlässig. Gut, die letzten fünf Jahre hat der Oldtimer fast nur in der Garage gestanden, aber dafür hat unser Würzburger Autohaus Rüthlein ihn auch genau unter die Lupe genommen und als Arbeitszeitspende wieder flott, hübsch und verkehrstüchtig gemacht.

Bleiben also noch wenige Fragen wie beispielsweise: Warum fahren zwei Mitarbeiter der DAHW mit diesem Oldtimer in den Urlaub und was hat das Hilfswerk mit Oldtimern zu schaffen? Gut, das Fahrzeug gehört dem Veranstalter von Deutschlands größter Oldtimerrallye „2000 km durch Deutschland“, aber die großen Aufkleber „Lepra verstümmelt“ und „Tuberkulose tötet“ deuten auf mehr! Die „Oldtimerfreunde zeigen Herz“ bei dieser Veranstaltung: Sie verlosen wertvolle Preise und sammeln so viel Geld für ein sinnvolles Hilfsprojekt – eines der DAHW eben.

Also haben sich unser Azubi Marco Kröner und ich Urlaub genommen und sind jetzt mit diesem Oldtimer auf dem Weg nach Hannover, wo die Rallye heute Mittag starten wird.

Samstag, 4. Juli – es geht los!

Die gute Nachricht zuerst: das Fahrzeug hat den ganzen Weg tapfer durchgehalten, aber jetzt stehen gleich acht Mechaniker vor diesem kleinen Motor und kümmern sich gemeinsam um den noch kleineren Vergaser. Jüngeren Lesern sei an dieser Stelle gesagt, dass der Vergaser genau das macht, was heute eine elektronische Einspritzung verrichten soll, sofern sie funktioniert – nur war der Vergaser halt billiger, hielt länger und man konnte ihn – obwohl oder gerade weil kein Stecker für den Diagnosecomputer vorhanden ist – auch besser reparieren, wenn er mal doch nicht richtig funktionierte.

Jedenfalls hat er dies jetzt nötig nach 500 Kilometern an einem Tag, dem ersten sogar nach rund fünf Jahren Dornröschenschlaf. Wie auch immer wird er es bis hierhin geschafft haben, aber jetzt ist Ende und die Mechaniker versuchen, den Vergaser wieder zu einem zuverlässigen, weil nicht verhartzen oder undichten Teil zu machen.

Aber der Reihe nach: Die Steigungen in der Rhön hat die rollende Spendendose leicht geschafft, in den Kasseler Bergen stieg die Temperatur des Motors etwas bedenklich, doch nach einer kurzen Pause schaffte er auch noch die im Harz. Kaum in Hannover angekommen, ging es dann auf die Startrampe für den Prolog zur Oldtimerrallye – wobei der Begriff „Rallye“ etwas irreführend ist, es geht hier um Gleichmäßigkeit, Zuverlässigkeit und natürlich um viel Spaß an dem rollenden Automuseum mit über 100 Fahrzeugen.

Eines davon sind wir heute gefahren und hoffen, dass wir es auch morgen machen können, aber wir sind ja zuversichtlich. Immerhin haben wir heute als einziges Team die Gleichmäßigkeitsprüfung auf die Hundertstel Sekunde genau absolviert. Dabei geht es darum, eine bestimmte Strecke in einer genau vorgegebenen Zeit zu fahren – nicht langsamer, aber eben auch nicht schneller! Den Tagessieg hat uns heute nur unser Auftrag gekostet: Immer wieder wurden wir zu den Hintergründen der Aktion „Oldtimerfreunde zeigen Herz“ gefragt und mussten von dem Hilfsprojekt in Togo erzählen, das die Oldtimerfreunde mit ihrer Aktion unterstützen. Dabei haben wir dann eine Durchfahrtkontrolle verpasst, so dass der Tagessieg an ein anderes Team gegangen ist. Macht nichts, denn die wirklichen Sieger sind für uns ohnehin die armen Menschen in Togo, die künftig eine bessere Versorgung gegen Krankheiten wie Lepra, TB oder Buruli Ulcer bekommen werden.

Erst spät am Abend springt dann das Auto wieder an und läuft so rund, wie es nur ein Oldtimer macht. Der Tagessieg über unser Auto ging also ganz klar an die Mechaniker.

 

2. Tag, Sonntag, 5. Juli - nach Kassel

3. Tag, Montag, 6. Juli - von Bad Homburg nach Ulm

4. Tag. Diensag, 7. Juli - durch das Schwabenland 

5. Tag, Mittwoch, 8. Juli - Ruhetag am Bodensee

6. Tag, Donnerstag, 9. Juli - Richtung Sonne

7. Tag, Freitag, 10. Juli - zu den Weinanbaugebiete

8. Tag, Samstag, 11. Juli - Es ist vollbracht!

9. Tag, Sonntag, 12. Juli - The Day after.