Reisetagebuch - Nepal

19.02.2004, das "Green Pastures Hospital"...


gilt als die Lepra-Referenzklinik in West-Nepal. Obwohl in einer Region gelegen, in der das Eliminationsziel der Welt-Gesundheits-Organisation (WHO) von weniger als einem Patient pro 10.000 Einwohner schon fast erreicht ist, kommt hier seit Jahren etwa die selbe Zahl an Lepraneuerkrankten zur Behandlung.

"Wir müssen die Bemühungen der Regierung zur Elimination der Lepra unterstützen, aber gleichzeitig auf die Zeit nach dem Jahr 2005 schauen, wenn die WHO die Lepra für eliminiert erklärt und trotzdem gleich viele Leprakranke zu uns kommen", so Dr. Alison Anderson, die Ansprechpartnerin der "Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe" bei der "International Nepal Fellowship" in Pokhara. Das "Green Pastures Hospital" ist schon gut für die Zukunft aufgestellt. Frei gewordene Betten, die nicht mehr für die stationäre Behandlung für Leprakranke benutzt werden, sind durch Patienten mit anderen Krankheiten belegt. Viele der Leprakranken, die heute glücklicherweise in einem sehr frühen Stadium erkannt werden, können ambulant behandelt werden.

Nur die schwereren Fälle werden - oft aus weit entfernten Gebieten - zur Behandlung in das "Green Pastures Hospital" gebracht. So auch die 35-jährige Punni Sarki, die aus einem Dorf 800 km westlich von Pokhara stammt. Bei ihr war die Lepra schon so weit fortgeschritten, dass sie durch die Nervenschäden schon eine "Klauenhand" bekommen hat. Nun wird zunächst mit einer Sensibilitätsprüfung festgestellt, welche Teile der Hand und der Finger betroffen sind und dann mit Physiotherapie, eventuell sogar mit einer Operation, die Hand wieder so weit als möglich beweglich gemacht. Auf meine Frage, warum sie denn so spät zur Behandlung gekommen sei, antwortet sie: " Ich habe doch noch kleine Kinder und um die musste ich mich kümmern und konnte nicht krank sein". Ob die Antwort wahr ist oder ob sie vielleicht wegen dem Stigma der Lepra nicht zu einer Gesundheitsstation ging, werde ich wohl nie erfahren.

Eindrucksvoll die Rehabilitationseinrichtungen für die ehemaligen Leprakranken. Durch Operationen und Physiotherapie wird die bestmöglichste Bewegungsfähigkeit wieder hergestellt. Manche Patienten, die bereits Gliedmaßen durch die Krankheit verloren haben, bekommen Prothesen angepasst. Dann erhalten die Patienten ein 14-tägiges Training, bei dem sie lernen können, wie sie trotz ihrer Behinderung gut weiterleben können: die Frauen üben die Arbeit am Herd, traditionell steht der mit Holz befeuerte Herd auf dem Boden und kann so sitzend bedient werden. Selbst Felder sind angelegt, auf denen die Bauern trotz ihrer Behinderung selbst Gemüse anbauen können.

Nachmittags kommt der "Theorieteil" des Tages: ich werde über die Zahlen der Lepraneuerkrankungen im Westen Nepals informiert, den Fällen von Behinderung durch Lepra. Dann diskutieren wir über die Kombination der Behandlung von Lepra und HIV / Aids, um die gut ausgebaute Infrastruktur für die Bekämpfung dieser bedrohlichen Krankheit zu nutzen.

Zum Schluss des Tages noch ein sehr schöner Anlass: Gestern war der Pokhara-Marathon, bei dem etwa 1.500 Teilnehmer mitgelaufen sind, davon zwei Mitarbeiter von INF. Sie haben durch ein Kilometersponsoring 10.000 nepalische Rupies "erlaufen" und werden vor der Belegschaft des "Green Pastures Hospital" geehrt.

Sensibilitätsprüfung der Hand bei der 35-jährigen Punni Sarki, die aus einem Dorf kommt, dass etwa 800 km westlich von Pokhara liegt.

Sensibilitätsprüfung der Hand bei der 35-jährigen Punni Sarki, die aus einem Dorf kommt, dass etwa 800 km westlich von Pokhara liegt.

Der 26-jährige Rupesh Chand ist aus dem nepalischen Tiefland, dem Terai, nach Pokhara gekommen, um sich behandeln zu lassen. Seine Fuß wurde nach der Leprabehandlung operiert, damit er wieder mehr Beweglichkeit erhält.

Der 26-jährige Rupesh Chand ist aus dem nepalischen Tiefland, dem Terai, nach Pokhara gekommen, um sich behandeln zu lassen. Sein Fuß wurde nach der Leprabehandlung operiert, damit er wieder mehr Beweglichkeit erhält.

Für die am Boden sitzende Nani Maya Nepali kommt die Physiotherapie zu spät. Sie lernt im Rehabilitationszentrum das Gehen mit einer Unterschenkel-Prothese

Für die am Boden sitzende Nani Maya Nepali kommt die Physiotherapie zu spät. Sie lernt im Rehabilitationszentrum das Gehen mit einer Unterschenkel-Prothese. Um die Arbeit daheim verrichten zu können, wird ihr der Umgang mit einem niederen Rollstuhl erklärt. Auf ihm sitzend, kann sie Feuer machen, kochen und ihre Hausarbeit verrichten.

Foto und Text: Jürgen Hammelehle 


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