Reisetagebuch - Nepal
20.02.2004, der Flug zurück nach Kathmandu geht um 12.15 Uhr.
Zeit genug, um morgens außerhalb Pokharas Deu Maya Nepali zu besuchen. Sie war an Lepra erkrankt und von ihrem Mann verlassen worden. Eine Hand und ein Fuß sind nach der Behandlung gefuehllos geblieben. Danach wurde sie an einem Bein operiert, um ihre Beweglichkeit wieder zurückzuerhalten.
Vor einem Jahr hat sie von INF Hilfe erhalten: mit einem Kredit von 20.000 Rupien (1 Euro etwa 90 Rupien) konnte sie Zement, Mauersteine, Holz und Wellblech kaufen, um sich ein eigenes Haus zu bauen. Ihre Selbsthilfegruppe hat mitgeholfen, um das Haus aufzubauen und einen kleinen Garten anzulegen, in dem nun Gemüse für den Eigenverbrauch wächst. Ihrem Sohn wurde eine Ausbildung zum Schreiner ermöglicht, heute ist er in einer Möbelschreinerei beschäftigt und verdient etwa 1.700 Rupien im Monat, genug um gut damit leben zu können.
Leprapatienten, die die Medikamentenbehandlung abgeschlossen haben, sind längst nicht geheilt, auch wenn das die staatlichen Stellen gerne hätten, um die Elimination zu erreichen. Dr. Alison Anderson bringt es auf den Punkt: "Die Rehabilitation von Leprakranken ist ein lebenslanger Prozess. Menschen, die durch Lepra behindert sind, werden öfter krank. Die Verkrüppelungen führen zu weiteren Erkrankungen durch Fehlstellungen, die vor allem mit fortgeschrittenen Alter zunehmen".
Eineinhalb Stunden später - zurück in Kathmandu - kann ich mich selbst von dieser Aussage überzeugen. Nach einem kurzen Mittagessen mit Dr. Hire Mana Pradhan gehen wir zu Fuß zur Tempelanlage nach Pashupatinath, dem wichtigsten hinduistischen Pilgerziel Nepals. Seit 1993 unterhält die nepalische Organisation Sewa Kendra (unterstützt von der "Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe" eine Pflegestation für alte und durch Lepra behinderte Menschen. Dr. Pradhan und ihr Team hält hier eine Sprechstunde unterm Baum ab: Geschwüre werden behandelt, Medikamente verabreicht, aber auch seelischer Zuspruch wird durch zwei Ärzte und die Krankenschwestern gegeben. Diese ist manchmal vielleicht wichtiger, als die Versorgung mit Medikamenten.

Deu Maya Nepali legt ihren kleinen Garten mit Gemüse für den Eigenverbrauch an.

Dr. Pradhan und ihr Team hält hier eine Sprechstunde unterm Baum ab.
Foto und Text: Jürgen Hammelehle





