Reisetagebuch - Nepal - Indien

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24.02.2004, der letzte Tag beginnt wie der erste meiner Reise - "Bandh" - Generalstreik in West-Bengalen.


Ich nutze die nahezu autofreie Stadt zum Joggen  - ein schönes Erlebnis. Danach habe ich zusammen mit Dr. Mitra einen Termin beim Deutschen Generalkonsul in Kalkutta. Wir tauschen uns über die Projektarbeit der "Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe" aus und erklären, dass wir seit 1975 in Kalkutta tätig sind. Der Generalkonsul, Erhard Zander ist stolz so eine Organisation aus Deutschland mit funktionierendem Büro hier zu haben.

Am Tag zuvor waren wir hauptsächlich unterwegs, um die Arbeit der "Technical Support Teams" kennenzulernen. Sie überwachen unter Leitung von Dr. Mitra die staatlichen und privaten Leprakontrolleinrichtungen. Die Teams führen auch die wichtigen Beratungen und Trainings zur Verbesserung der Lepra- und zunehmend auch der TB-Arbeit durch. Heute sollen nun die privaten Organisationen in Kalkutta besucht werden: Da wir keinen Stau haben, kommen wir ohne Verspätung in den schön klingenden Stadtteil "Garden Reach". Dort arbeitet unsere Partnerorganisation BAM India. Auf der anderen Seite des Flusses ist der Botanische Garten der Stadt, daher der Namen "Garden Reach", aber der Stadtteil hat gar nichts idyllisches. In dieser Hafengegend sind die Wohnverhältnisse äußerst eng. Viele sind als Tagelöhner im Hafen beschäftigt. Die Abwässer fließen offen durch schmale Kanäle - unhygienische Verhältnisse, dementsprechend hoch sind die Lepra- und TB-Fälle.

Die 16-jährige Birdya Kumari hat Lepra: als sie vor ein paar Wochen den großen Fleck in ihrem Gesicht wahrgenommen hat, ist sie selbst zum Arzt bei BAM India gegangen. "Der Fleck ist besonders gefährlich, weil die Lepra von dort aus auch die Augen befallen kann", sagt Dr. Mitra. Aber das Schicksal als Blinde wird Birdya erspart bleiben. Sie erhält die Medikamententherapie, während sie zuhause normal weiterlebt. BAM India macht besonders viel Aufklärungsarbeit, das Personal kommt aus dem Stadtteil, kennt also die Verhältnisse genau.

Die 16-jährige Leprapatientin Birdya Kumari

Die 16-jährige Leprapatientin Birdya Kumari.

Freie Fahrt in Kalkutta trotz Streik: der Hinweis, dass für die Gesundheitsversorgung unterwegs sind, macht es möglich. Deshalb können wir am Nachmittag noch ehemalige Patienten besuchen, die von Grecaltes ein Darlehen erhalten haben und jetzt "Kleinunternehmer" sind. So die 43-jährige Nazma Begum, die mit ihrem Obststand etwa 100 Rupies am Tag umsetzt (1 € entspricht etwa 55 Rupien) und dabei etwa 30 bis 40 Rupies verdient. Ihr Obst holt sie drei Mal in der Woche im Großmarkt, dorthin muss sie etwa zwei bis drei Kilometer zu Fuß gehen. Ihre durch Lepra behinderte Hand hält sie hinter einem Tuch verborgen, wenn sie etwas verkauft. Auch der 40-jährige Rikshaw-Fahrer Suresh Makato hat inzwischen ein kleines Einkommen. Täglich ist er mit seiner Fahrrad-Rikshaw unterwegs, um seiner Familie und sich ein Einkommen zu "erfahren". An seine überstandene Lepraerkrankung denkt er kaum mehr.

Suresh Makato (40) nennt stolz eine Rikshaw sein eigen und sorgt für den Unterhalt seiner Familie

Suresh Makato (40) nennt stolz eine Rikshaw sein eigen und sorgt für den Unterhalt seiner Familie.

Um 18.00 Uhr werde ich ins Hotel zurückgebracht. Am nächsten Morgen muss ich um 3.30 Uhr für meinen Rückflug nach Deutschland einchecken.

Die Arbeit, die in Indien und Nepal mit so großem Erfolg gemacht wird, ist nur möglich durch oft langjährige Partnerschaft und ehrenamtliche Arbeit in Deutschland. Den Ehrenamtlern gilt besonders der Dank vieler Patienten, den ich auf der Reise oft erfahren durfte. Besonders die Arbeitsgruppen in Osnabrück, Oelinghausen, Haan, Schwelm, Oelde und Aalen sind für Indien und Nepal aktiv - vielen Dank dafür!


Bishnudeo Rauth (47) konnte sich mit einem Kredit von Grecaltes als Eisverkäufer selbstständig machen

Bishnudeo Rauth (47) konnte sich mit einem Kredit von Grecaltes als Eisverkäufer selbstständig machen

Die 43-jährige Nazma Begum erzielt mit ihrem Obststand ihr Einkommen

Die 43-jährige Nazma Begum erzielt mit ihrem Obststand ihr Einkommen.

Foto und Text: Jürgen Hammelehle


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