Reisetagebuch - Nepal - Indien
24.02.2004, um 9.00 Uhr fahren wir pünktlich los
in Richtung Distrikt 24 Barganas, Nord. Es sind etwa 40 km zu fahren, allerdings kommen wir von einem Stau in den nächsten. Wir werden im Büro des Leprabeamten des Distrikts erwartet und sehen wie wichtig die Arbeit ist. Vor allem der Anfang für die Kombination von Lepra und Tuberkulose ist durch die Teams, die von der "Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe" unterstützt werden, gemacht. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 89.000 Tuberkulosepatienten entdeckt und behandelt. Die Heilungsrate liegt bei sehr guten 85 Prozent. Die Dunkelziffer wird allerdings auf 100.000 nicht behandelter Menschen geschätzt.
Dann fahren wir mit dem staatlichen Leprabeamten zu einem Gesundheitsposten. Dr. Mitra liest mir vor, was auf der Wand des Gesundheitsposten steht: "Medikamente können Lepra heilen. Es gibt keine Behinderungen, wenn man die Medikamente rechtzeitig nimmt! Achten Sie auf frühe Anzeichen, wie gefühllose Flecken auf der Haut!" Ein übriges tut das Fahrzeug mit dem wir unterwegs sind. Aus einem uralten Lautsprecher werden die Menschen in ohrenbetäubender Lautstärke aufgefordert, an sich oder bei Verwandten Flecken festzustellen und bei einem Verdacht auf Lepra zur Gesundheitsstation zu kommen.
Ungefähr 30.000 Menschen versorgt das "Beraberia Primary Health Care Centre", das wir gerade besuchen. Dabei ist der Staat West-Bengalen vorbildlich in der Gesundheitsversorgung, vor allem auf dem Land. Dr. Mitra - unser seit Jahrzehnten erfahrener Lepraarzt - erklärt mir, was sich alles verändert hat in der Lepraarbeit. Früher sind die Patienten einmal im Monat für eine halbe Stunde abseits der Gesundheitsstation unter einem Baum mit Medikamenten versorgt worden. Heute sind die Lepramedikamente sechs Tage in der Woche in der Gesundheitsstation verfügbar. Wichtig ist vor allem auch das Training, das die medizinischen Mitarbeiter bekommen. Das ist unsere Stärke: auf den unterschiedlichen Ebenen wird ausgebildet, um Leprakranke zu erkennen. In West-Bengalen werden 96 Prozent der Kranken richtig erkannt, ein sehr gutes Ergebnis. Die Ärzte müssen aber auch reagieren können, wenn es zu den seltenen Komplikationen bei der Behandlung kommt.
Auch auf TB wird an der Wand der Gesundheitsstation hingewiesen: " Es ist eine Infektionskrankheit, die mit modernen Medikamenten geheilt werden kann. Bei Husten, der länger als drei Wochen dauert, sollte man an TB denken. Die Untersuchung und die Behandlung sind kostenlos!" Das Kolkatta-Büro der "Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe" hat sogar einen Aufklärungsfilm über die TB gemacht. In Form eines in Indien so beliebten Dramas hat der 70-minuetige Spielfilm einen TB-Fall, verbunden mit einer Liebesgeschichte zur Rahmenhandlung. Der Film, bei dem ein in Indien bekannter Filmstar die Hauptrolle spielt, wurde im Fernsehen gezeigt und wird vor allem in Dörfern gezeigt. Eine gute Möglichkeit, um Menschen auf die Krankheit hinzuweisen, die nicht lesen können.
Nachmittags darf ich dem Beauftragten des Gesundheitsministeriums von West-Bengalen diesen Spielfilm in seinem Büro überreichen.

Mit dem "Lautsprecherwagen" werden die Bewohner zur Untersuchung auf Lepra aufgefordert. Dr. Mitra und sein Team schult die Mitarbeiter dafür.

Am "Berabersia Primary Health Care Centre" zeigt Dr. Mitra wie man mit einfachen Mitteln auf die Gefahr durch Lepra hinweisen kann.
Fotos und Text: Jürgen Hammelehle





