Reisetagebuch - Nepal

18.02.2004, heute ist kein "Bandh", aber die häufigen Polizeikontrollen...


zum und im Flughafen zeigen ein wenig von der prekären politische Situation Nepals. Der Flug von der Hauptstadt nach Pokhara - der Ausgangspunkt vieler Trekkingtouren - dauert nur eine halbe Stunde. Der Blick auf die Gebirgsformation des "Dachs der Welt" vom Flugzeug aus ist atemberaubend.

In Pokhara ist der Hauptsitz unserer Partnerorganisation "International Nepal Fellowship" (INF). Seit mehr als 50 Jahren ist die Organisation in der Gesundheitsarbeit tätig - seit über 30 Jahren unterstützt von der "Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe". Der Blick von INF ist dabei auf den ganzen Menschen gerichtet: bei einem Leprakranken heißt das, dass er nicht nach der Antibiotika-Therapie geheilt ist, sondern erst dann, wenn er wieder ein Teil der Gesellschaft ist, ohne von einem Stigma belastet zu sein. Karen Baxter, die Verantwortliche für die Rehabilitation von Behinderten, bringt es auf den Punkt: "Das Stigma macht die Menschen zu Behinderten und nicht die Krankheit". Und weiter: "seit im Radio regelmäßig gesendet wird, dass Lepra heilbar ist und dass man sofort zum Arzt gehen soll, wenn man erste Anzeichen an sich erkennt, gibt es zum Glück nicht mehr so viele Menschen mit Behinderungen wie noch vor neun oder zehn Jahren".

Die soziale und wirtschaftliche Rehabilitation ist ein Problem für viele behinderte Menschen in der "Dritten Welt": Jai Narayan, ein 37-jähriger Bauer, ist ein Mensch, der das Glück nicht immer gepachtet hat. Etwa 50 Kilometer von Pokhara entfernt, verlassen wir die Asphaltstraße und fahren mit dem Jeep auf abenteuerlichen Wegen in die Berge hinein. Danach geht es zu Fuß weiter, bis wir das einfache Bauernhaus erreichen. Dank der INF kann für Jai Narayan, der an beiden Füßen keine Zehen mehr hat, wieder einer rosigeren Zukunft entgegensehen. Durch den Ackerbau hat die Familie bei guter Ernte etwas drei bis vier Monate zu essen, nun hat er mit einem Kredit von etwa € 110,00 zwei Ziegen gekauft und einen Stall fertig stellen können. Die Ziegen haben schon Nachwuchs und bald kann die Familie beim Verkauf des ersten Jungtieres auf ein kleines Einkommen zählen. Davon wird eine erste Rate des Kredites zurückbezahlt - und vor allem hilft es der Familie, bis zur nächsten Ernte durchzukommen.

Direkt nach dem Besuch müssen wir uns auf den Heimweg nach Pokhara machen, denn manchmal sperrt die Polizei die Straße bei Einbruch der Dunkelheit aus Furcht vor den Maoisten. Unterwegs finden wir eine Tankstelle und können einige Liter Diesel in den Geländewagen tanken - in diesen Tagen ein Glücksfall. Manche Auto- und Mopedfahrer und auch die wenigen Traktorbesitzer stehen oft schon in der Nacht vor den Tankstellen an, um am Tag ein paar Liter Treibstoff zu erhalten. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit kommen wir - gerade noch rechtzeitig - nach Pokhara zurück.


Jai Narayan (37) füttert seine Ziegen. Sie bringen ihm und seiner Familie ein wenig Einkommen.

Jai Narayan (37) füttert seine Ziegen. Sie bringen ihm und seiner Familie ein wenig Einkommen.

Bewusstseinsbildung im Stau:

Bewusstseinsbildung im Stau: "Wenn Du helle Flecken auf Deinem Körper siehst, könnte das Lepra sein. Gehe zu einem Arzt, denn Lepra ist heilbar", steht auf dem Wagen der "International Nepal Fellowship" in der Landessprache Nepali geschrieben.

Foto und Text: Jürgen Hammelehle


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