Reisetagebuch - Nepal
21.02.2004, die Fahrt geht in die Berge in den Süden Kathmandus,
zum ehemaligen Leprosarium Khokana, das an einem heiligen Fluss der nepalischen Hindus liegt. Es wurde etwa 1850 erbaut, damals wurden die Leprakranken noch weit außerhalb der Städte und Dörfer untergebracht. Für die heutigen Bewohner vielleicht ein Glück, können sie doch ein wenig Landwirtschaft betreiben. Außerdem liegen die Gebäude fern ab von der Hektik und den Abgasen der Großstadt und die Bewohnerrinnen und Bewohner machen einen zufriedenen Eindruck. Wenn es jemand schlecht geht, nimmt Dr. Pradhan ihn bei ihren wöchentlichen Konsultationen mit nach Kathmandu. Dort pflegt sie und ihr Team den Patienten dann gesund. Einer der Bewohner, Newah Singh, ist inzwischen 81 Jahre alt, seine Lepraerkrankung liegt bereits 60 Jahre zurück und erst Jahrzehnte später konnte er mit der Antibiotikatherapie geheilt werden. Er ist trotz seines hohen Alters und seiner Behinderungen sehr aktiv und möchte sich mehr für die Selbstverwaltung der Leprapatienten einsetzen.
Engagieren möchte sich auch Jandra Maya, sie ist erst 28 Jahre und hatte Lepra. Sie war im Alter von sieben Jahren erkrankt und zehn Jahre aus Scham daheim gehalten worden. Als sie geheilt wurde, waren ihre Behinderungen schon weit fortgeschritten. Sie hat im Leprosarium ihren jetzigen Ehemann kennengelernt und möchte sich mit Stricken ein kleines Einkommen dazuverdienen. Stolz zeigt sie auf den Pullover, den sie anhat - natürlich selbst gestrickt. Der Einsatz von Dr. Pradhan und ihrem Team ist ein Hoffnungszeichen in einem Land, das in den letzten 20 Jahren eher Rückschritte gemacht hat. Dr. Pradhan und ihr Mann - ein hoher Regierungsbeamter - sind beide der Meinung, dass die Umweltverschmutzung in Kathmandu Ausmaße erreicht hat, die jeder Beschreibung spotten. So auch der Fluss, der am Leprosarium als schwarze, ölige Brühe, vorbeifließt. Auch die soziale Ungerechtigkeit im Land hat ein erhebliches Ungleichgewicht.
Ein Erfolg der Arbeit unserer Projektpartner ist, dass auf Grund der frühen Entdeckung der Leprapatienten und der Medikamententherapie die Behinderungen durch die Krankheit von 17 Prozent im Jahr 1994 auf drei Prozent im Jahr 2003 zurückgegangen sind. So hat mir INF stolz berichtet und die Meinung von Dr. Pradhan geht in die gleiche Richtung. Die Einwohnerzahl im Leprosarium geben ein ähnliches Bild: dort kommen nur Menschen unter, die nicht von einer Familie versorgt werden können. Von mehr als 400 Bewohnern im Jahr 1984 ist die Zahl auf etwa 270 im Jahr 2003 gesunken. 117 Bewohnerinnen und Bewohner leiden nicht mehr an Lepra.

Im Leprosarium von Khokana: Trotz seiner behinderten Hand ist der ehemalige Leprapatient ein guter Korbmacher.
Fotos und Texte: Jürgen Hammelehle





