Reisetagebuch - Oldtimerrallye - 2000 km durch Deutschland

9. Tag, Sonntag, 12. Juli - the Day after


Ich fühle mich, als ob ich mir diesen grottenschlechten und mit unterirdischen Schauspielern besetzten Film aus den 80er Jahren fünfmal hintereinander hätte ansehen müssen: der Kopf schmerzt, die Augen wollen sich einfach nicht öffnen, und weil mir von dem Bild über dem Waschbecken ein entsetzlich furchteinflößendes Monster entgegen blickt, flüchte ich so schnell unter die Dusche, dass ich eine volle Ladung mit kaltem Wasser erwische. Ein notdürftiges Frühstück, dann bringe ich meinen Rallyepartner Jochen Schroeren nach Hause, er wohnt nicht weit entfernt in Viersen.

Doch später kommt erst das wirkliche Grauen: mit dem Zug nach Würzburg, wo mein Auto steht und von dort die letzten 20 Kilometer bis nach Hause – in einem modernen Auto ohne Macken und ohne Seele, die bekanntlich außer uns Menschen nur alte Häuser und alte Autos haben. Das größte Problem bereitet aber die Tatsache, dass ich nun wieder umdenken muss: Bei Koffi ist das Zündschloss auf der linken Seite – gut, dass ist bei einem richtigen Porsche auch der Fall, aber den habe und brauche ich auch nicht! Dazu ist aber der Blinkerhebel auf der rechten Seite und dahinter die Lenkradschaltung!

Nun ist der Mensch ja ein Gewohnheitstier und nach gut einer Woche mit Koffis Macken und Besonderheiten (besonders Blinker und Schaltung) habe ich gehofft, dass es auch in Würzburg und umzu regnen würde. Leider tut mir Petrus diesen Gefallen nicht, und so wundern sich wohl viele Verkehrsteilnehmer in meiner Umgebung darüber, dass ich ständig meine Scheibenwischer betätige, wenn ich eigentlich blinken oder schalten will. Ist aber auch dumm, dass genau dort, wo bei Koffi Blinker und Schalthebel sitzen, bei meinem Auto der Hebel für die Scheibenwischer ist und auch noch beide Wischer gleichzeitig über die trockenen Scheiben kratzen.

Vorher musste ich allerdings noch eine meiner größten Ängste überwinden: die Fahrt mit der Bahn von Düsseldorf bis nach Würzburg. Schon am Bahnhof in Düsseldorf war mir reichlich mulmig, und das nicht nur, weil ich als Eishockeyfan einem kleinen Amateurclub mit Namen EHC Troisdorf „Dynamite“ angehöre. Der spielt zwar einige Klassen tiefer als die DEG, liegt allerdings zwischen Köln und Bonn und damit schon alles über mein Verhältnis zu Düsseldorf gesagt. Als gebürtiger Dortmunder würde ich ja auch nicht gerne nach Herne-West fahren, wo sich ein gewisser Fußballclub nicht mal einen eigenen Stadtnamen leisten kann!

Das wahre Grauen begann aber mit dem Kauf einer Fahrkarte: Genau 15 Minuten vor Abfahrt des Zuges (theoretisch laut Fahrplan) blickte ich auf die Schlange vor dem mit echten Menschen besetzten, aber von unzähligen potentiellen Fahrgästen umlagerten Schalter und schätzte, dass ich den Zug wohl mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit verpassen würde (das entspricht meiner gefühlten Quote an pünktlichen Zügen). Also wagte ich mich an die Automaten und hatte schon nach kurzen Ärgernissen eine gültige Fahrkarte in der Hand.

Meine Befürchtungen waren fast abgeklungen, als der Zug fast pünktlich Düsseldorf verließ, doch mit zunehmender Strecke wurde die Zahl der Minuten, die wir hinter dem theoretischen Fahrplan zurück lagen, immer größer, was zur Folge hatte, dass ich meinen Anschlusszug in Mainz bereits kurz hinter Koblenz abschreiben musste. Also versuchte der anfangs noch freundliche Schaffner, mir eine andere Verbindung ab Mainz zu suchen, doch sein erstes Angebot konnte wenig überzeugen: mit vier Taschen Gepäck in einer S-Bahn von Mainz bis nach Frankfurt zu sitzen, entsprach nicht meinen Vorstellungen von einer ruhigen Heimreise.

Dass ich dennoch nicht verzweifeln musste, lag an einen Sitznachbarn (genauer gesagt an einem freundlichen Fahrgast, der in Folge des überfüllten Zuges auf dem Gang Platz nehmen und für die Kontrolle des Schaffners vom Boden aufstehen musste). Der musste nämlich nach Darmstadt und wusste, dass sein Zug, den wir garantiert noch erreichen konnten, von Mainz bis nach Aschaffenburg fährt. Das Beste kommt aber noch: Weil der „Schnell“-Zug, den ich verpassen würde, in bahntypischen Anachronismus neben dem Fernbahnhof am Flughafen auch noch unbedingt den alten Frankfurter Hauptbahnhof anfahren muss und bei der Schleife in diesen Sackbahnhof fast eine Stunde verliert, könnte ich diesen Zug sogar noch in Aschaffenburg erreichen.

Dass ich auf dem Mainzer Bahnhof noch eine nette Begleitung kennen gelernt habe (ich werde mich wohl so schnell nicht mehr ärgern über Verspätungen und Raucherzonen, in denen die auf ihre verspäteten Züge wartenden Fahrgäste sich äußerst kommunikativ treffen), die mir einen großen Teil der Wegstrecke versüßt hat, ist allerdings eine andere Geschichte, die zu einem Zeitpunkt erzählt werden soll, wenn die Kinder schon im Bett sind.

1. Tag, Samstag, 4. Juli - Morgens um fünf Uhr starten wir

2. Tag, Sonntag, 5. Juli - nach Kassel 

3. Tag, Montag, 6. Juli - von Bad Homburg nach Ulm

4. Tag. Diensag, 7. Juli - durch das Schwabenland 

5. Tag, Mittwoch, 8. Juli - Ruhetag am Bodensee

6. Tag, Donnerstag, 9. Juli - Richtung Sonne

7. Tag, Freitag, 10. Juli - zu den Weinanbaugebiete

8. Tag, Samstag, 11. Juli - Es ist vollbracht!