Die Lepra-Bank im Senegal

Senegal Kolda Mauer

Eingesperrt sind sie heute nicht mehr, die Bewohner der Lepradörfer. In Kolda steht die Mauer aber trotzdem noch - als Sinnbild der Diskriminierung.

DAHW-Repräsentantin Daniela Eich bringt Hoffnung auf Zukunft in die Lepradörfer


Mit Vorurteilen kennt sich Daniela Eich aus: Als sie sich entschied, Repräsentantin der DAHW Deutsche Lepra-und Tuberkulosehilfe im Senegal zu werden, kamen zahlreiche „gut gemeinte“ Tipps. Für viele Menschen schien das arme, islamisch geprägte Land kaum der richtige Ort für eine Mutter mit Kind zu sein.

Für die kämpferische Frau war das eher Ansporn: „Ich habe selbst erfahren, dass mir andere Menschen bestimmte Aufgaben nicht zugetraut haben. Insofern kann ich sehr gut nachvollziehen, was die Ausgrenzung für Leprapatienten bedeutet.“ Doch die Ausgrenzung der Menschen in den Lepradörfern des Senegals war viel schlimmer als befürchtet: „Für die Menschen im Senegal, die nicht von Lepra betroffen sind, existieren diese Dörfer einfach nicht – und so auch nicht ihre Bewohner.“

Seit über 30 Jahren arbeitet die DAHW in dem westafrikanischen Land, trotz aller Hürden erfolgreich: Als die DAHW 1980 in den Senegal kam, erkrankten jährlich mehr als 10.000 Menschen neu an Lepra – heute sind es weniger als 300.

Trotzdem ist die Arbeit nicht einfacher geworden, im Gegenteil: Das Leprakontrollprogramm muss weiter laufen, sonst steigt die Zahl der Neuerkrankungen wieder. Zusätzlich sorgen sieben Sozialarbeiter der DAHW dafür, dass die ehemaligen Patienten die Chance auf ein normales Leben bekommen – alte Menschen oder auch jene, die an den für Lepra typischen Behinderungen leiden.

Alltag im Lepradorf: Keine Arbeit, kein Geld, keine Perspektive, weil die Hände verraten, dass amn an Lepra erkrankt war

Alltag im Lepradorf: Keine Arbeit, kein Geld, keine Perspektive -
weil die Hände verraten, dass man an Lepra erkrankt war.

Früher mussten alle Patienten in Leprakolonien umsiedeln. Im Senegal sind diese Dörfer bis heute auf keiner Landkarte verzeichnet. Wollten sie ihre Dörfer verlassen, mussten sie sich bis vor knapp 30 Jahren noch besondere Ausweise ausstellen lassen – keine „normalen“ Ausweise, sondern Papiere, die dokumentierten, dass sie von der Lepra geheilt waren und so für andere keine Gefahr mehr darstellten. Doch auch ohne jeden Ausweis werden sie erkannt und immer noch wie Menschen zweiter Klasse behandelt.

Als „Ausgleich“ müssen die Einwohner der Lepradörfer des Senegals keine Steuern zahlen. Eine bürokratische „Logik“, die Daniela Eich aufregt: „In Wahrheit sind dieMenschen rechtlos. Sie wären doch bereit Steuern zu zahlen, aber von was? Sie haben nichts, bekommen keine Arbeit – Niemand stellt einen Menschen ein, dem man sofort ansieht, dass er mal an Lepra erkrankt war. Und selbst wenn sie ein eigenes, kleines Geschäft gründen wollen: Von welcher Bank bekämen sie ein Darlehen?“

Ehemalige Leprapatienten in Touba Peycouk auf einem Pferdewagen

Im Lepradorf Touba Peycouk ist das jetzt anders: Mit einem ihrer Sozialarbeiter ist die DAHW-Repräsentantin auf dem Weg zur ersten Bank des Dorfs: „Bank ist vielleicht etwas optimistisch. Aber wir haben mit dieser kleinen Kreditgenossenschaft einen Anfang gemacht. Unser Motto: „Wenn uns keine Bank helfen will, dann müssen wir dies halt selbst in die Hand nehmen.“

So schickt sie die Kinder, die sie wie bei jedem ihrer Besuche in einem der vielen Lepradörfer sofort umringen, nach Hause und begrüßt Cheik Diakhate, den Verantwortlichen der Genossenschaftsbank. Denn jetzt geht es um das Geschäft. Das Prinzip dieser Bank ist einfach: Wie bei einer Bausparkasse muss man erst einen Teil ansparen, dann gibt es ein Darlehen. Die Sparzinsen sind höher und die Kreditzinsen deutlich niedriger als bei kommerziellen Banken.

Und das Beste: Diese Bank gehört ihren Kunden, die als Mitglieder der Genossenschaft ihren ehrenamtlichen Vorstand wählen und selbst darüber bestimmen, wie der Gewinn im Lepradorf investiert wird. „Finanziell gesehen ist der Gewinn nicht groß“, sagt Daniela Eich: „Dafür sehen wir aber täglich, welcher Gewinn diese Genossenschaft für die Menschen in Touba Peycouk ist. Wenn sich ein Bewohner vom Lepradorf selbständig machen will, bekommt er hier Unterstützung – finanziell und auch dann, wenn sich der Erfolg nicht so einstellen will, wie zuvor in der Theorie geplant. Und ein eigenes, kleines Geschäft ist außer Betteln die einzige Chance, Geld zu verdienen.“

Auch bei „größeren“ Ideen hilft die Bank den Einwohnern des Lepradorfs: „Eine Taxi-Genossenschaft (aktuell ein Fahrzeug), eine bescheidene Druckerei und ein kleiner Laden mit Lebensmitteln – allein in Peycouk haben jetzt fast 50 Menschen eine Arbeit, die vorher Betteln gehen mussten“, fügt Cheik Diakhate hinzu: „Doch unsere Bank würde es ohne die Hilfe der DAHW nicht geben!“

Die Taxi-Genossenschaft in Touba Peycouk fährt mit Gewinn und will sich bald vergrößern.

Die Taxi-Genossenschaft in Touba Peycouk fährt mit Gewinn und will sich bald vergrößern. Obwohl es das einzige Auto im Dorf ist, war zuvor keine Bank bereit, das Projekt zu unterstützen.

Sehr stolz auf ihre Sozialarbeiter ist Daniela Eich nach dem Gespräch mit dem ehrenamtlichen Vorstand der Genossenschaft. Die 42-Jährige aus Neuwied im Rheinland möchte gern mehr unternehmen, um die Lepradörfer endlich in ganz normale Dörfer zu verwandeln. An neuen Ideen mangelt es nicht und in die Unterstützung durch die Spenderinnen und Spender der DAHW hat sie großes Vertrauen.

Die DAHW-Repräsentantin Daniela Eich trifft sich mit dem ehrenamtlichen Vorstand der Bank im Lepradorf

DAHW-Repräsentantin Daniela Eich trifft sich mit dem ehrenamtlichen Vorstand der Bank im Lepradorf.

Autor: Jochen Hövekenmeier


 

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