Endlich mehr Selbstvertrauen haben

Selbsthilfegruppe von ehemaligen Leprapatienten in Kasese Uganda

Bevor die Versammlung beginnt, wird gebetet. Foto: Boixadós / DAHW

Am 3. Dezember ist der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung. Eine Selbsthilfegruppe in Uganda zeigt gelebte Toleranz ihrer Mitglieder mit und ohne Einschränkungen.


Dr. Joseph Kawuma, anerkannter Lepraexperte und Berater der Weltgesundheitsorganisation, freut sich. „Das ist die größte Selbsthilfegruppe im ganzen Land. Es gibt keine zweite mit so vielen Mitgliedern. Darauf können wir stolz sein.“ Dr. Kawuma hat Recht. Als er in den Versammlungsraum tritt, der zur Region Kasese im Südwesten Ugandas gehört, sitzen sie schon da: Männer, Frauen, dazwischen ein paar Kinder – dicht gedrängt. Sie alle haben eine Gemeinsamkeit: Eine Behinderung bestimmt ihr Leben. Nicht, dass sie alle selbst betroffen sind. Aber es ist das Umfeld, das zählt und der tägliche Umgang mit Toleranz und Verständnis.

Versammlung der Selbsthilfegruppe in Kasese, Uganda

Einmal im Monat trifft sich die Selbsthilfegruppe, um neue Geschäftsideen zu besprechen.

Augustin, der an Polio leidet und im Rollstuhl sitzt, gehört dazu. Oder die Mutter der kleinen Debora, die mit viel zu kurzen Ärmchen und nur einem funktionierenden Bein geboren wurde. Heute haben sie alle einen Grund zum Lachen: Denn sie gehören zu einer der erfolgreichsten Selbsthilfegruppen Ugandas. Damit das so bleibt, wird zu Beginn und am Schluss gebetet. Danach stellen sich ein paar Frauen zusammen und singen. Ein liebgewordenes Ritual. Doch es ist nicht nur das, was begeistert. Sondern es ist dieser unglaubliche Zusammenhalt unter den mittlerweile 57 Mitgliedern. Sie können sich aufeinander verlassen, voll und ganz. Das war nicht immer so. Früher wurden sie wegen ihrer Behinderung im Dorf oft diskriminiert. Das war auch der Grund, eine Gemeinschaft zu bilden, um der Ausgrenzung zu entkommen. Und jetzt können sie sogar selbst Einkommen erwirtschaften.


Im Oktober 2012 setzten sich 30 Menschen zusammen und gründeten eine Gruppe. Sie gaben ihr den Namen „Maliba“. In der Lokalsprache bedeutet das Wort den Plural von „Haut“. Damit wäre der Bezug zu einer Lepraerkrankung vorhanden, die sich ja vorwiegend auf der Haut manifestiert. Von der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe bekamen sie ein Startkapital von umgerechnet 600 Euro. Das ist viel Geld für Uganda. Sie legten den Betrag auf ein Bankkonto und stellten ihn ihren Mitgliedern als Kredit zur Verfügung. Die Geschäfte konnten beginnen. In regelmäßigen Gruppentreffen wurden Geschäftsideen besprochen und für sinnvoll oder nicht erachtet. Erst wenn alle zustimmen, gibt es für den Antragsteller Geld. „Das Anfangskapital hat vielen geholfen“, fasst es der Gruppensprecher zusammen. „Dafür sind wir sehr dankbar, allein hätten wir das nie geschafft.“ Eine Frau hebt die Hand. „Wir möchten unsere Gruppe voranbringen. Mit dem Einkommen können wir uns und unsere Familien ernähren.“ Die restlichen Mitglieder klatschen und nicken.


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