Mit eigenen Augen gesehen, mit eigenen Ohren gehört

Jonas und Don Esteban

In Jorochito begegnete Jonas dem ehemaligen Leprapatienten Don Esteban. Foto: DAHW

Jonas Amrhein berichtet von DAHW-Projekten in Bolivien: Als die Anfrage der DAHW mich erreichte, habe ich mich sehr darauf gefreut, die Arbeit des Würzburger Hilfswerks nun auch in Bolivien kennenzulernen. Ich war gespannt darauf, Ärzten und Patienten zu begegnen und zu sehen, wie die DAHW helfen kann.


Zunächst habe ich den medizinischen Berater der DAHW in Bolivien, Dr. Abundio Baptista, kennengelernt. Er gilt als der wichtigste Lepraexperte des Landes und beteiligt sich aktiv an der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses. Dr. Abundio hat mir nicht nur viel über die Lepraarbeit in Bolivien erzählt, sondern er konnte mir auch sehr viel über die verschiedenen anderen vernachlässigten Krankheiten und die Entwicklung der betreuenden Krankenhäuser berichten und zeigen. Eine wichtige Aufgabe der DAHW ist die Aufklärung über diese Krankheiten. So hält Dr. Abundio Vorträge beim Gesundheitsministerium, in denen er über Lepra lehrt, da im Medizinstudium nur unzureichend über diese Krankheit informiert wird. In Zusammenarbeit mit Krankenhäusern, Ärzten und dem Gesundheitsministerium werden kostenlose Kontrollen in verschiedenen Stadtvierteln von Santa Cruz durchgeführt. Ich durfte Dr. Abundio bei einem solchen Besuch begleiten und das Engagement und die Begeisterung der kooperierenden Ärzte direkt vor Ort erleben.

Der Besuch in Jorochito

Die von der DAHW unterstützten Krankenhäuser in Monteagudo und Jorochito sind spezialisiert auf Haut-Erkrankungen und tropische vernachlässigte Krankheiten. „Normale“ Krankenhäuser sind in dieser Richtung meist überfordert. Deswegen gelten die beiden kleinen Hospitäler auch landesweit als Anlaufstellen bei Krankheiten wie Lepra, Leishmaniose oder Chagas.

Dr. Baptista bei der Behandlung eines LeprapatientenDr. Abundio untersucht einen Patienten. Foto: Prof. August Stich / DAHW

Mit Dr. Abundio bin ich dann nach Jorochito gefahren. Um 7 Uhr in der Früh ging es los, zunächst mit dem Bus und dann mit einem Taxi. Dr. Abundio erklärte mir, dass das Krankenhaus 1972 in Santa Cruz gebaut werden sollte, die Menschen und die Regierung aber solche Angst vor der Krankheit Lepra hatten, dass der Bau nur 43 Kilometer vom Zentrum entfernt genehmigt wurde. Zudem durfte die Eingangstür nicht zur Straße gerichtet sein. Als wir dann dort ankamen, saßen sehr viele Menschen darin und warteten auf ihre Termine.

Don Esteban wünscht sich Hilfe für Leprapatienten

In diesem Hospital habe ich Don Esteban getroffen, einen Leprapatienten, der mir ohne Scheu seine Geschichte erzählte. Nachdem er Flecken auf der Haut entdeckt hatte und merkte, dass sie nicht weggingen, ist er zunächst zu einem Allgemeinmediziner gegangen. Zwar konnte ihm der Arzt nicht helfen, aber er riet ihm, zu den Spezialisten nach Jorochito zu gehen. Am Anfang der Behandlung hatte seine Familie Angst, angesteckt zu werden. Durch die Gespräche mit den Ärzten und den Salesianerschwestern, die in Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus sowohl die Patienten, als auch deren Familien betreuen, konnte Don Estebans Angehörigen die Angst genommen werden. Heute ist sein großes Problem, dass er wegen seiner Wunden nicht arbeiten kann und wenig Geld hat.

Jonas auf dem Weg zum HospitalJonas auf dem Weg ins Hospital. Foto: DAHW

Am Ende unseres Gespräches gaben wir ihm noch 20 Bolivianos, und er hat sich riesig gefreut mit dem Satz: „Damit kann ich nach Hause zurück fahren, dafür hatte ich noch kein Geld.“ Am meisten hat mich bei dem Gespräch die Freundlichkeit und wahnsinnige Zuversicht beeindruckt, die Don Esteban ausstrahlte, der sich freudig auf das Gespräch mit einem Fremden einließ und offen von seinem Leben erzählte. Als er hörte, dass ich aus Deutschland komme und von einer Organisation, die das Krankenhaus unterstützt, sagte er: „Ich wünsche mir, dass allen Menschen mit Lepra so geholfen werden kann wie mir.“

Die Begegnung mit Don Esteban war eines von vielen prägenden Erlebnissen. Es war schön, die Bestätigung zu bekommen, dass die Arbeit der DAHW Menschen hilft und Hoffnung in ihr Leben bringt. Und ich habe verstanden, was diese Unterstützung den von Lepra und anderen Krankheiten der Armut betroffenen Menschen bedeutet.