Tuberkulose wird gefährlicher - Welt-Tuberkulose-Tag 2010

Hanna bei der Nachsorge-Untersuchung bei Dr. Schmotzer in Rawalpindi

Hanna bei der Nachsorge-Untersuchung bei Dr. Schmotzer in Rawalpindi.

Die tödliche Krankheit bedroht Hannas Familie


Fast 9,4 Mio. Menschen weltweit erkranken jedes Jahr neu an Tuberkulose (TB) und 1,8 Mio. Menschen sterben daran. Je ärmer die Menschen leben, umso schneller erkranken sie und umso schlechter sind ihre Chancen, die Krankheit zu überleben. Für TB-Patienten aus dem nördlichen Teil Pakistans gibt es jedoch einen Lichtblick: In der Millionenstadt Rawalpindi behandelt die Ärztin und Ordensfrau Dr. Chris Schmotzer – dank  der Unterstützung der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) – Patienten und ihre Familien, die von Tuberkulose bedroht sind.

Rettung für Tuberkulose TB-Kranke
Die Ärztin kennt Hanna und ihre Familie schon seit einigen Jahren. Damals ist der Vater an Tuberkulose gestorben und auch die Mutter erkrankte daran. Inzwischen zählen Hanna und ihre kleine Schwester ebenfalls zu den Patienten. Dr. Chris Schmotzer konnte allen helfen – bis auf den Vater, der viel zu spät ins Hospital kam.

Tuberkulose TB – Krankheit der Armut
„An Hannas Familie können wir sehen, wie gefährlich Tuberkulose gerade für die Bewohner der Armutsviertel ist“, sagt die aus dem fränkischen Hersbruck stammende Ärztin und geht sogar noch weiter: „An dieser Familie wird deutlich, was getan werden muss, um den betroffenen Menschen zu helfen, aber auch was früher falsch gelaufen ist.“

Menschen leben in Armut mit Lepra

Wohnverhältnisse in den Elendsvierteln Pakistans

Zuvor wurden die Lebensumstände bei Tuberkulosepatienten zu wenig berücksichtigt, besonders in den riesigen Armutsvierteln der Millionenstädte von Indien und Pakistan. Hier leben Großfamilien mit vier bis sechs Kindern in einfachsten Behausungen in einem Zimmer mit 10 bis 15 Quadratmetern. Die Folge: Ist dort jemand an TB erkrankt, wird er den Rest der Familie anstecken. So hat Hannas Vater den Erreger wahrscheinlich an seine Familie übertragen.

Als Hannas Mutter an den gleichen Symptomen wie ihr Mann litt, ging sie zu einem Heiler. Einen richtigen Arzt konnte sie sich nicht leisten, schließlich musste sie ihre fünf Kinder allein versorgen. Dieser Heiler gab ihr Medikamente, und nach wenigen Wochen ging es ihr wieder besser. Die Medizin brauchte sie von nun an nicht mehr, dachte sie.

Resistente TB-Erreger
Doch durch den Abbruch entwickelte sich bei der Mutter eine gefährliche multiresistente Tuberkulose (Multi-Drug-Resistant (MDR) TB). Eine Behandlung dieser TB-Form ist mit normalen Medikamenten nicht möglich – hier helfen nur spezielle Medikamente, die etwa 20-mal teurer sind.

Hohe Ansteckungsgefahr
Nur ein paar Wochen später waren Gesundheitshelfer der DAHW im Slumgebiet, in dem Hannas Familie lebt. Sie hatten dort aufgeklärt, wie gefährlich Tuberkulose ist und dass Untersuchungen sowie Behandlungen kostenlos sind. Hanna ging ins Hospital und wurde sofort nach der Tuberkulose TB-Diagnose stationär aufgenommen, damit sie ihre Geschwister nicht anstecken kann.

Drei neue Patientinnen auf der Isolierstation - Dr. Schmotzer: Die Ansteckungsgefahr ist sehr groß

Drei neue Patientinnen auf der Isolierstation - Dr. Schmotzer: Die Ansteckungsgefahr ist sehr groß!

Fast ein Jahr war Hanna im Krankenhaus. In dieser Zeit wurde auch ihre Familie zwei Mal untersucht. „Das machen wir inzwischen bei allen Patienten. Denn die häufi gste Ansteckung erfolgt innerhalb der Familie“, betont Dr. Schmotzer. Hannas Schwester Ester wird seit wenigen Monaten behandelt. Die drei kleinen Brüder sind noch nicht erkrankt.

Bei der Mutter hat Dr. Schmotzer gleich bei der ersten Untersuchung die gefährliche MDR-TB festgestellt. Die Therapie ist bei dieser TB-Form deutlich schwieriger und deutlich kostspieliger. Hauptsache aber, die Mutter ist heute wieder gesund.

„Das Ergebnis der Behandlungen in dieser Familie steht als Beispiel für unsere Arbeit“, folgert die Ärztin und zählt auf: „Wir investieren hier in Aufklärung, ohne die Hanna und ihre Mutter nicht zu uns gekommen wären. Wir behandeln auch schwierige Fälle mit resistenten Bakterien wie bei der Mutter und wir untersuchen die Familienangehörigen, sonst hätten wir Esters Erkrankung nicht bemerkt. Ohne diese Arbeit würden die beiden Mädchen und ihre Mutter heute nicht mehr leben.“

Ganzheitliche Hilfe
Zudem sorgt die resolute Ärztin auch für die Zukunft ihrer kleinen Patienten: Hanna geht wieder zur Schule und wird dort auch verpfl egt. Ester wird bald dazukommen. So kann die Mutter mit ihrem geringen Einkommen besser für die drei kleineren Söhne sorgen. Für Dr. Schmotzer ist dies der vielleicht wichtigste Baustein im Kampf gegen Tuberkulose: „Mit Bildung verhindern wir, dass aus dieser armen Familie jedes Jahr weitere Patienten zu uns kommen.“

„TB ist und bleibt eine Krankheit der Armut“, stellt die Medizinerin fest: „Obwohl wir helfen, wo es nur geht, kommen täglich mehr kranke Menschen.“ Das kleine Hospital kann die große Anzahl der Patienten kaum noch bewältigen und muss dringend ausgebaut werden. Dies ist aber nur mit Unterstützung aus Deutschland möglich!


Hospital Rawalpindi: Zufluchtsort vieler TB-Patienten

Weltweit: 1,8 Mio. Menschen sterben jährlich an TB

Interview mit Dr. Chris Schmotzer