Fragen und Antworten zu Lepra

Was ist Lepra?

Lepra ist eine Infektionskrankheit, deren Erreger die Haut und das Nervensystem befällt. Das Leprabakterium (Mycobacterium leprae) wurde 1873 von dem norwegischen Arzt Gerhard Armauer Hansen entdeckt. Bis heute ist die Züchtung dieses Erregers auf  Kulturböden nicht gelungen, und es gibt auch noch keinen Impfstoff gegen Lepra. Die Krankheit hat eine Inkubationszeit von wenigen Monaten bis zu 30 Jahren.

Wie wird Lepra übertragen?

Der genaue Ansteckungsweg ist nicht bekannt. Armut, verbunden mit schlechten hygienischen Verhältnissen – insbesondere in den Ländern der „Dritten Welt“ – begünstigt die Ansteckung: Lepra tritt deshalb häufig bei unter- und fehlernährten Menschen auf, die unter schlechten und beengten Wohnverhältnissen leben müssen.

Im Mittelalter war die Lepra auch in Europa ein großes Problem. Mit der Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen verschwand jedoch diese „Krankheit der Armut“. Übrigens: Von 100 Menschen auf der Welt haben 95 eine angeborene Abwehrkraft gegen den Lepra-Erreger.

Wie sieht das Krankheitsbild aus?

Es gibt, vereinfacht gesagt, zwei Hauptformen der Lepra: Die eine mit wenigen Bakterien und deshalb kaum ansteckend, die andere mit vielen Bakterien und daher hoch ansteckend.
Die weniger ansteckende Lepra schädigt die Haut und vor allem die Nerven. Die Folgen sind Gefühllosigkeit besonders in Händen und Füßen oder Schädigungen der Hornhaut des Auges.

Bei der ansteckenden Form der Lepra vermehren sich die Erreger sehr stark. Die Menschen verbreiten den Erreger lange, bevor sie die Krankheit an sich selbst bemerken. Wenn die Lepra ausbricht, führt sie zur Bildung von Beulen und Knoten auf der Haut und auf die Dauer zu Nervenschäden.

Geschwüre und Behinderungen, die man häufi g bei Leprakranken sieht, werden nicht direkt durch das Bakterium hervorgerufen. Ein Leprapatient, der kein Gefühl in seinen Händen oder Füßen hat, verletzt sich leicht. Dann kommt es zu Infektionen, die aufgrund mangelnden Schmerzempfindens nicht genügend beachtet werden. Nicht behandelt kann die Infektion ungehindert fortschreiten, was bis zum Verlust der Gliedmaßen führen kann.

Welche Probleme sind mit dieser Krankheit verbunden?

Rein medizinisch betrachtet ist der Verlust des Gefühls besonders problematisch: Ein eingeschränkter Tastsinn sowie Gefühllosigkeit an Händen und Füßen führen leicht zu Verletzungen und Verbrennungen, die nicht oder erst (zu) spät bemerkt werden. Dann kommt es zu Entzündungen, die häufig ungehemmt fortschreiten können.

Besonders schlimm sind die mit der Krankheit verbundenen sozialen Probleme: Noch immer kommt es vor, dass von Lepra betroffene Menschen ausgegrenzt werden. Ein Grund hierfür ist die tief sitzende Angst vor einer Krankheit, die den Menschen so grausam zeichnen kann. Im Mittelalter galt die Lepra auch bei uns als „Strafe Gottes“.

Ein Schwerpunkt der Arbeit der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe ist deshalb eine intensive Gesundheitsaufklärung, um durch Information über die Krankheit bestehende Ängste abzubauen.

Wie viele Menschen leiden heute noch an Lepra?

Jedes Jahr erkranken mehrere hunderttausend Menschen neu. Jeder zehnte neue Leprapatient ist ein Kind. Zwei bis vier Millionen Menschen leben mit leprabedingten Behinderungen.

In mehr als 200 Projekten der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe werden in über 20 Ländern jährlich mehrere zehntausend neue Leprapatienten entdeckt und behandelt.

In welchen Ländern gibt es Lepra?
Vor allem in den armen Ländern des Südens ist die Krankheit noch immer ein großes Problem. Über 70% aller Leprakranken leben in Indien, weitere Schwerpunkte sind Indonesien, Brasilien und Myanmar, das frühere Burma.

Ist Lepra heilbar?

Ja, Lepra ist heilbar. In sechs bis 18 Monaten wird der Lepra-Erreger mit Hilfe wirksamer Medikamente vollständig abgetötet.

Seit 1982 gibt es verschiedene Kombinationstherapien, an deren Erforschung und Entwicklung die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe maßgeblich beteiligt war.

Kann etwas gegen die entstandenen Behinderungen getan werden?

Durch Physiotherapie, orthopädische Schuhe, Prothesen, wiederherstellende
Operationen und andere Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation kann betroffenen Personen wieder zu mehr Beweglichkeit verholfen werden. Gemeindenahe Rehabilitation („community based rehabilitation“, CBR) ermutigt Menschen mit Behinderung, ihre Interessen selbst zu vertreten und sich z. B. für barrierefreie Wege und Zugänge einzusetzen. Die DAHW  unterstützt solche Programme.