4. Mikrobiologie

Mikrobiologie

Das Mykobacterium leprae zählt zur großzügigen Familie der Mycobacteriaceen, die beim Menschen auch die Tuberkulose, das Buruli-Ulcus (Mykobacterium ulcerans), sogenannte Schwimmbadgranulome (Mykobacterium marinum) und atypische Pneumonien (Mykobacterium kansasii, Mykobacterium avium intracellulare, Mykobacterium xenopi) hervorrufenkönnen. Der Befall anderer Vertebraten durch verwandte Erreger ist bekannt.


Mykobacterium leprae zählt zu den säurefeste Stäbchen. Bei der gängigen Färbung nach Ziehl-Neelsen läßt sich das zunächst verwandte rote Färbemittel Carbolfuchsin nicht durch Salz- oder Schwefelsäure auswaschen, andere Substrate werden in der Folge mit Methylenblau angefärbt. M. leprae ist ein obligater Parasit, der außerhalb des menschlichen Körpers offenbar bis zu 10 Tage überleben kann. Er lässt sich - wie schon erwähnt - auf keinem bekannten Nährboden, wohl aber in der Pfote der Maus und im neunbändigen Gürteltier anzüchten. Das Gürteltier wie auch die bevorzugt bei Mensch und Maus betroffenen Körperregionen sind durch eine vergleichsweise niedrige Temperatur gekennzeichnet, welche das Wachstum von M. leprae begünstigt. Der Keim teilt sich nur etwa alle 12 Tage und bildet keine Sporen, bei der histologischen Untersuchung lassen sich charakteristische Granulome nachweisen.


Im Februar 2001 wurde das entschlüsselte Genom von Mykobacterium  leprae publiziert. Es hat volle 1.400 seiner 1.600 Gene mit dem Mykobakterium tuberculosis, dem Tuberkulose-Erreger, gemeinsam. Dieser Keim besitzt aber seinerseits etwa 4.000 Gene, ist also bedeutend "reicher" ausgestattet. Aus verschiedenen Gründen ist anzunehmen, daß das Mykobacterium leprae im Laufe seiner Entwicklung über 2.000 Gene verloren hat - ein bisher in diesem Ausmaß bei keinem anderen Organismus beobachtetes Phänomen. Für die Mehrzahl seiner Stoffwechselvorgänge verfügt M. leprae nur über ein, somit unentbehrliches, Enzym zur Regelung dieser Prozesse. Bestimmte Enzyme finden sich nur bei M. leprae und erklären einige seiner Besonderheiten, so den Befall der Nerven durch den Erreger.