10. MDR-TB und XDR-TB

Lebensrettende Medikamente

Viele Tuberkulosepatienten brechen die Behandlung frühzeitig ab und sind somit nicht geheilt...


Das heutige Behandlungsschema wirkt bei aktiver, sensibler Tuberkulose. Allerdings muss die Medikamentenkombination (Rifampicin, Isoniazid, Ethambutol und Pyrazinamid) immer noch mindestens 6 Monate nach einem festen Schema eingenommen werden.

Viele Tuberkulosepatienten brechen die Behandlung frühzeitig ab und sind somit nicht geheilt. In manchen Ländern stehen auch auf Grund des Kollapses des Gesundheitssystems die Tuberkulosemedikamente nicht ununterbrochen in der notwendigen Kombination zur Verfügung oder sie sind von schlechter Qualität. Dies führte zur Züchtung von resistenten Mykobakterienstämmen, die mit den herkömmlichen Medikamenten nicht mehr behandelt werden können. Vor allem die Länder der ehemaligen Sowjetunion haben mit Resistenzen zu kämpfen, die sich nach dem Zusammenbruch ihrer Gesundheitssysteme ausgebildet haben.

Sind die Stämme gegen die beiden stärksten Medikamente Rifampicin und Isoniazid resistent, spricht man von MDR-TB (multiresistente Tuberkulose).

Um eine Resistenz nachzuweisen, genügt die normalerweise durchgeführte Sputummikroskopie nicht, da Kulturen der Mycobakterien angelegt werden müssen. Auf konventionellem Wege durchgeführt dauert es mindestens 2-3 Monate bis ein Ergebnis feststeht. Es gibt neuere Methoden, die allerdings hochspezialisierte Labore voraussetzten und bisher sehr teuer sind.

Neue TB Medikamente zur Behandlung resistenter Formen gibt es nicht. Die Behandlung einer MDR-TB (multiresistente Tuberkulose) muss somit auf Medikamente zurückgreifen, die älter, schwächer, viel nebenwirkungsreicher und sehr viel teurer sind als die Medikamente der 1.Linie. Verwendung finden Fluorochinolone, Amikacin, Capreomycin, Kanamycin, PAS (Paraaminocsalicylsäure), Cycloserin, Ethionamid, Linezolid und weitere, noch schwächer wirkende Medikamente.

Weltweit geht man von ungefähr 500.000 MDR- TB (multiresistente Tuberkulose) Fällen aus, wovon 2007 jedoch nur 30.000 offiziell gemeldet und dann nur circa 5000 (also 1%) in qualitätskontrollierten Programmen behandelt wurden. Es werden große Anstrengungen unternommen, die Behandlungsmöglichkeiten für MDR-TB zu verbessern. Hierzu gehören der Aufbau von spezialisierten Laboren Anzüchtung von Kulturen, die zur Resistenzbestimmung nötig sind, die Beherrschung der Nebenwirkungen der Medikamente und die Möglichkeit der besonderen Infektionskontrolle. Auch eine sozioökonomische Unterstützung von Patienten kann nötig sein, damit sie die 24 –monatige Therapie überhaupt ertragen können. Das Management der MDR-Tuberkulose ist somit viel komplexer, schwieriger und teurer als die Behandlung sensibler Tuberkulose. Die Diagnose und Behandlung von MDR-TB benötigt sehr gut ausgebildete, professionelle Gesundheitsanbieter, die in vielen Ländern des Südens fehlen. Eine der größten Herausforderungen bei der Behandlung von resistenter Tuberkulose ist daher der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal.

Falls die oben genannten Qualitätselemente nicht vorhanden sind, so kann es zur Züchtung noch resistenterer Keime kommen für deren Behandlung keine Medikamente mehr zur Verfügung stehen. So haben Ende 2008 55 Länder schon von XDR-TB (extensively drug resistant tuberculosis) berichtet, der extremen resistenten TB. Diese Stämme sind zusätzlich zu Isoniazid und Rifampicin auch noch gegen ein injizierbares Anti-Tb-medikament und gegen Fluorochinolone resistent. In sehr vielen Ländern bestehen aber keine Möglichkeiten, XDR nachzuweisen, da die Diagnosemöglichkeiten zu beschränkt sind. Selbst in hochindustrialisierten Ländern liegen die Behandlungserfolge bei XDR bei ca. 40%.