6. Labor und Diagnostik

Im Referenzzentrum fuer Tuberkulose in Sao Paolo fuehrt der medizinisch-technische Assistent der DAHW die Labortests durch

Die folgende Tabelle stellt synoptisch die wesentlichen Diagnosemethoden der Tuberkulose zusammen:


Diagnostikum Kosten Kommentar
Klinik niedrig Falldefinition als Basis der Diagnostik
BSG niedrig Nur als Hinweis, dass ein Entzündungsprozess vorliegt; keine Diagnosemethode für TB
Liquortest niedrig wichtig bei V.a. TB-Meningitis, aber keine spezifische TB - Diagnosemethode

PPD-Test
(purified proteine derivate)

niedrig Nur zur Differenzierung, ob eine Exposition vorgelegen hat. Nicht zur Diagnose einer aktiven TB geeignet.
IGRAs (interferon –gamma-release assays hoch Nur zur Differenzierung, ob eine Exposition vorgelegen hat, nicht zur Diagnose einer aktiven TB geeignet. Sensitiver als PPD- Test.
Röntgen Thorax hoch teuer und überraschend viele Fehlbefunde
Sputum-Mikroskopie niedrig

Schlüsselrolle in der Diagnostik um ansteckende Formen zu identifizieren

Sputum-Kultur konventionell (Löwenstein-Jensen) hoch wichtig für Resistenz-Bestimmungen und bei der Diagnose von HIV positiven Erkrankten; Dauer: 2-3 Monate bis Ergebnis
Sputum-Kultur automatisiert (MGIT) hoch Spezialisierte Methodik für Diagnose und Resistenzbestimmung in Referenzzentren; Dauer 10-14 Tage bis Ergebnis
Histologie hoch praktisch irrelevant
Molekulare Diagnosemethoden sehr hoch Hochspezialisierte Methodik, zur Zeit nur in einigen nationalen Referenzzentren anwendbar; Dauer 24 Stunden bis Ergebnis

Tabelle 1: Tuberkulose und ihre Diagnostika

Unspezifische Tests:

Klinische Symptome stellen sich bei manifester Lungentuberkulose relativ zügig ein, sind in ihrer Spezifität zwar begrenzt, stellen nichtsdestoweniger aber die Basis der Diagnostik dar. Auch in den Tropen steht die BSG als Diagnostikum fast überall zur Verfügung; die Tuberkulose führt häufig zur "Sturzsenkung". Andere Erkrankungen, die zur massiven Beschleunigung der Blutsenkung führen, sind vergleichsweise selten.
Die unverzügliche Liquortestung (klarer Liquor mit Lymphozyten und niedrigem Glucosespiegel) ist die entscheidende diagnostische Maßnahme bei Meningitisverdacht.

Spezifische Diagnosemethoden:

Der Tuberkulin- oder PPD-Test (purified proteine derivate)  fällt bei Geimpften, Erkrankten, ehemaligen ausgeheilten TB Patienten und latent Infizierten positiv aus, ist zudem bei HIV positiven Patienten und bei foudroyanter Infektion oft negativ.

Auch die neueren IGRAS (interferon –gamma-release assays) weisen nur eine Exposition aus, können also nicht als Diagnosemethode für aktive TB verwendet werden und sind zudem noch sehr teuer. Sie sind spezifischer im Nachweis einer TB-Infektion / Krankeit als der PPD (purified proteine derivate), aber besonders in Hochinzidenz- Ländern nicht sensitiv genug. Vorteil ist aber, dass der IGRA Test nach der BCG Impfung negativ bleibt.

Die pulmonale Tuberkulose führt zwar regelhaft zu Veränderungen in der Thorax-Übersichtsaufnahme, die Veränderungen sind jedoch überraschend wenig spezifisch. In ausgedehnten Untersuchungen differierten die Befundungen selbst unter erfahrenen Röntgenologen in erheblichem Ausmaß. Zudem kann die Thoraxaufnahme in Ländern niedrigen Einkommens ohne weiteres Kosten in Höhe eines Wochengehaltes ausmachen.

Als Schlüsseluntersuchung in der Tuberkulosekontrolle gilt immer noch die mikroskopische Untersuchung des Sputums, die ca. 50% aller Tuberkuloseerkrankten identifizieren kann. Patienten mit niedriger Keimzahl im Sputum werden häufiger übersehen, was im Rahmen einer Tuberkulose-HIV Ko-infektion besondere Schwierigkeiten der Diagnose bereitet. Abgesehen von den einmaligen Investitionskosten für Lichtmikroskope ist die Untersuchung ausgesprochen kostengünstig.

Die konventionelle Untersuchung von Sputumkulturen ist sicher die zuverlässigste Methode, die zudem eine Resistenzprüfung der Erreger zulässt. In Ländern mit hohen Resistenzraten muss diese Methode trotz ihrer Nachteile (hohen Kosten und beachtliche Verzögerungen bis zum Vorliegen eines endgültigen Ergebnisses) in der klinischen Routine verwendet werden, da flächendeckend bisher keine andere Diagnosemethode eingeführt werden konnte.

Automatisierte Kulturen und molekulare Diagnostik werden in vielen Ländern erst sehr langsam auf Grund ihrer komplizierten Handhabung und ihres Preises eingeführt. Seit neuem wird vermehrt an molekularen Nachweismethoden geforscht, deren Anwendung jedoch bisher auf sehr wenige Referenzzentren beschränkt ist.

Histologische Untersuchungen werden selten durchgeführt, zumal eine ganze Reihe von Ländern und Regionen über keine ausgebildeten Pathologen verfügen.