Chronologie

60 Jahre DAHW - eine Chronologie

Ganz klein fing es an. Im Jahr 1955. Ein Freundeskreis wollte einem Lepraarzt und seinen Patienten helfen. Franz Graf von Magnis und der Theologiestudent Richard Recke hatten auf einer Äthiopienreise Dr. Jean Ferón, einen Arzt aus Frankreich, und seine Leprastation St. Antoine bei Harar im Osten des Landes besucht und Anstoß zu dieser Hilfe gegeben. Ein weltweites Hilfswerk und eine faszinierende Geschichte wuchs in den nächsten zehn Jahren aus dem einst so bescheidenen Bemühen heran.

Der Aufbau (1957 - 1966)

1957 Am 18. Januar trifft sich in Würzburg der Freundeskreis um Graf Magnis und beschließt einstimmig die Gründung des „Aussätzigenhilfswerkes Dr. Ferón e. V.“. Am 1. August tritt mit der Erweiterung der Unterstützung die Änderung des Namens in Deutsches Aussätzigen-Hilfswerk (DAHW) e. V. in Kraft.
1958 Die DAHW entsendet die ersten Entwicklungshelfer zum Aufbau der Leprastation Bisidimo in den Osten Äthiopiens. Das Hilfswerk beginnt, neben Bisidimo und anderen Projekten in Afrika auch einige in Asien und Lateinamerika zu fördern.
1959 Der Schwerpunkt in diesem Jahr liegt auf dem Ausbau der Leprastationen Bisidimo und die Vorbereitung zur Errichtung der Leprastation Mwena/Ndanda in Tansania. Hinzu kommen kleinere Zuwendungen für Leprastationen auch in anderen Teilen der Welt.
1960 Die DAHW ist für die 1960er Jahre gut aufgestellt. Sie hält bereits Kontakt zu 36 Leprastationen in aller Welt. Diese werden unterstützt durch Geldüberweisungen sowie Material- und Medikamentensendungen. Auch die Einrichtung von Patenschaften für Pflegepersonal ist neu. Immerhin werden schon rund 15.000 Leprapatienten in den von der DAHW betreuten Stationen behandelt. Das Spendenergebnis nimmt von 1,2 Millionen DM (1958) auf 2,8 Millionen DM zu. Die Großprojekte Bisidimo (Äthiopien), Ndanda und Peramiho (Tansania) sowie eine gezielte Leprabekämpfung in Argentinien, Brasilien, Paraguay, Südkorea und Australien können großzügig umgesetzt werden.
1961 Entwicklungshilfe wird zu einem gesellschaftlichen Thema. Dies drückt sich auch in einem leichten Rückgang der Gesamtspenden der Deutschen aus. Das spüren alle Hilfswerke, auch die DAHW. Trotzdem können die Hilfsaktionen ausgeweitet werden. Die Zahl der DAHW-Mitglieder und Förderer steigt aber weiter an. Das DAHW steht mittlerweile mit 49 Leprastationen in Afrika, Asien und Südamerika in Verbindung. Darüber hinaus beginnt das Hilfswerk 1961 mit der dauernden Unterstützung der Ordensfrau und Lepraärztin Dr. Ruth Pfau.
1962 Die DAHW besteht seit fünf Jahren! Aus diesem Anlass besucht der Präsident des Ordre de la Charité in Paris, Raoul Follereau, die DAHW am 27. Oktober. Hermann Kober, Vorstandsmitglied und einer der Gründer, zieht Bilanz: Insgesamt sind seit Beginn des Hilfswerkes bereits 11,7 Millionen DM eingezahlt worden, hinzu kommen Sach- und Medikamentenspenden von Firmen sowie die Hilfe von 45 Entwicklungshelfern (Handwerker, Landwirte, Krankenschwestern, Ärzte, Pfleger).
1963 Innerhalb nur eines Jahres stieg die Zahl der unterstützen Leprastationen um 21 auf 83 Einrichtungen mit bereits 75.000 Leprapatienten an.
1964 Mittlerweile betreut die DAHW weltweit 90 Leprastationen. Die Zahl der zu behandelnden Personen steigt auf über 133.000 Patienten. Nur ein geringer Teil von ihnen wird stationär behandelt. Ganz im Sinne der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die eine ambulante Pflege empfiehlt. Die Hilfsaktionen der DAHW werden erstmals vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit 96.000 DM für eine Bewässerungsanlage in Bisidimo unterstützt.
1965 Die DAHW unterstützt bereits 129 Leprastationen weltweit. Die Hilfe erstreckt sich dabei nahezu auf alle Länder des südamerikanischen Kontinents, Ost- und Westafrikas mit Madagaskar sowie des Nahen, Mittleren und Fernen Ostens. Bei der Leprabehandlung dominiert die Monotherapie mit dem Wirkstoff Diamino-Diphenyl-Sulphon (DDS). Von den registrierten Patienten sind 20 Prozent von der lepromatösen Form und 80 Prozent von der nicht lepromatösen Lepra befallen.
1966 Die DAHW ist mit mittlerweile 138 Leprastationen auf einem guten Weg. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht der Ausbau der Leprastationen Buluba und Nyenga in Uganda. Die DAHW beteiligt sich an der Gründung der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Leprahilfswerke (ELEP), die sich zur International Federation of Anti-Lepr

Forschung und neue Medikamente (1967 - 1976)

1967 Die DAHW feiert ihr zehnjähriges Bestehen! Die erste Arbeitssitzung des neu gegründeten Leprahilfswerkes ELEP findet in Würzburg statt. (ELEP entwickelt sich später zu International Federation of Anti-Leprosy Associations (ILEP)). Raoul Follereau, Initiator des Welttages der Leprakranken und ELEP-Ehrenpräsident, ist anwesend.
1968 In mehreren Ländern festgestellte Resistenzen gegen Dapsone das meist angewandte Lepra-Medikament, rechtfertigen und verpflichten zur Unterstützung der Lepra-Forschung. Beginn der Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Borstel in Schleswig Holstein und seinem Leiter Professor Dr. Dr. Enno Freerksen. Bereits 183 Lepra-Zentren werden in 43 Ländern unterstützt.
1969 Im Rahmen der Hilfs- und Unterstützungsaktionen ist es vor allem das Bemühen, die medizinische Betreuung auf ganze Distrikte, bis hin zu einer Förderung ganzer Länderprogramme auszudehnen. Beispiele dafür sind Paraguay, Togo, Sierra Leone und Indien. Die Bemühungen in der Forschung – vor allem die Entwicklung neuer Medikamente – konzentrieren sich auch weiterhin auf die Kooperation mit dem Forschungsinstitut Borstel. Die Forschungsarbeit im Labor zur Züchtung des Mykobakteriums leprae im äthiopischen Bisidimo wird weiter geführt. Ein weiterer Schwerpunkt der DAHW ist die Zusammenarbeit mit der späteren ILEP. Der frühere Bundespräsident Dr. Heinrich Lübke wird wegen seiner Verdienste für die DAHW mit der Ehrenplakette des Hilfswerkes ausgezeichnet.
1970 Die DAHW freut sich über den höchsten Spendeneingang seit ihrem Bestehen: Über zehn Millionen DM. In München wird das Landeskuratorium Bayern zur Förderung der Leprahilfe gegründet. Der Bayerische Ministerpräsident ist Schirmherr und Vorsitzender. Ein weltweites Echo findet das erste Internationale wissenschaftliche Lepra-Kolloquium auf deutschem Boden, ausgerichtet von der DAHW, dem Forschungsinstitut Borstel und der Universitäts-Hautklinik Hamburg.
1971 Die Missionsschwester Emma Freisinger wird Repräsentantin der DAHW in Korea nach Vereinbarung mit der Katholischen Frauenbewegung Österreichs. Sie wird vor allem im Süden und Südosten des asiatischen Landes tätig. Der Erfahrungsaustausch der DAHW mit der späteren ILEP nimmt zu. Das Hilfswerk zeigt eine hohe Effektivität beim Einsatz der vorhandenen Mittel.
1972 Verstärkt wird zur Leprabekämpfung die Unterstützung flächendeckender Lepra-Kontrollprogramme in Zusammenarbeit mit Regierungen, Gesundheitsbehörden und Partnerorganisationen eingesetzt. Unter Einschaltung aller lokalen Behörden hat die DAHW ein erstes städtisches Lepra-Kontrollprogramm in den Slums von Madras errichtet. Die Aktivitäten der DAHW-Aktionszentrale Nordwest in Soest führen zur Gründung des Landeskuratoriums Nordrhein-Westfalen zur Förderung der Leprahilfe.
1973 Das Aussätzigen-Hilfswerk Österreich beteiligt sich erstmals mit einem Betrag von 169.000 DM an der Unterstützung von DAHW-Projekten. Die Hilfsmaßnahmen der ELEP-Mitglieder erreichten 610 Projekte in 70 Ländern mit einem Gesamtaufwand von 27,5 Millionen DM. Daran ist die DAHW mit 37,8 Prozent beteiligt. Durch eine verstärkte Forschungsarbeit hat sich die DAHW in besonderer Weise hervorgehoben. Für sie ein Anlass, im Armauer-Hansen-Gedenkjahr eine Münze herauszugeben. Gerhard Henrik Armauer Hansen war ein norwegischer Arzt und Zoologe in Bergen, der 1873 den Erreger der Lepra, das Mycobacterium leprae, in ungefärbten Präparaten identifizierte.
1974 In mehreren Ländern werden Nationalprogramme zur Kontrolle und Bekämpfung der Lepra begonnen. Die Lepra-Forschung wird weiter unterstützt. Ein Schwerpunkt ist die vermehrte Züchtung von Gürteltieren (Armadillo), in dem sich die Leprabakterien in verhältnismäßig kurzer Zeit stark vermehren. So wird Versuchsmaterial gewonnen. Außerdem wird die Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut Borstel, in dem eine neue Kombinationstherapie zur Bekämpfung der Lepra entwickelt wurde. Die Behandlung von Lepra-Patienten in mehreren Ländern zeigt bisher noch nicht dagewesene Heilungserfolge.
1975 Die Internationalisierung der ELEP in ILEP durch Aufnahme einer amerikanischen und einer japanischen Organisation wird umgesetzt.
1976 Mittlerweile werden von der DAHW 205 Projekte in 43 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerika unterstützt. Für Forschungsprojekte werden 638.244 DM, für die Ausbildung 65.024 DM ausgegeben. 27 Lepra-Projekte erhalten Sachspenden im Wert von 412.699 DM.

Lepra wird heilbar (1977 - 1986)

1977 Das 20. Jahr der DAHW steht unter dem Leitgedanken „Hoffnung durch Veränderung“. Dazu gibt es Großveranstaltungen in München und Würzburg. Es wird bewusst, dass die DAHW erst am Anfang ihrer Bemühungen steht, die Lepra zu überwinden. Dem allgemeinen Trend und der Aufforderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) folgend, richtet die DAHW ihr Bemühen verstärkt auf kombinierte Programme. Darunter fallen die gemeinsame Behandlung von Lepra und Tuberkulose.
1978 Es wird angestrebt, die Leprabehandlung in den allgemeinen Gesundheitsdienst zu integrieren. Im Bereich der Rehabilitation sind Erfolge durch die Einrichtung eines Wiedereingliederungsfonds und einer Ausbildungsdruckerei in Indien, die Resozialisierungsmaßnahmen in Äthiopien und von Lepradörfern im Senegal zu betonen.
1979 Mit der Einweihung des nationalen Lepra-Ausbildungs- und Behandlungszentrum in Wau-Agok im Südsudan wird nach sechsjähriger Bauzeit eines der größten und schwierigsten DAHW-Projekte seiner Bestimmung übergeben.
1980 Für verstärkt notwendig gewordene Kontakte mit der Bundesregierung wird ein Bonner Büro eingerichtet, dessen Leiterin Doris Friedrich zugleich die Öffentlichkeitsarbeit im Raum Köln/Bonn/Koblenz mitträgt. Auch nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen nach Afghanistan zeigen sich die DAHW-Mitarbeiter zuversichtlich, die 1969 eingeleiteten Hilfsmaßnahmen fortführen zu können. Vorstandsmitglied Hermann Kober nimmt während einer Reise nach Indien an der Grundsteinlegung eines Ausbildungszentrums in Kalkutta und eines Hospitals in Madras teil. 300.000 Mark werden wegen einer Dürrekatastrophe als Hilfsmaßnahmen für die Bevölkerung in Norduganda von der DAHW zur Verfügung gestellt.
1981 Erstmals unterstützt der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Rainer Offergeld, mit einem Aufruf die Initiativen der DAHW, die Bevölkerung gezielt auf die Notwendigkeit der Leprabekämpfung hinzuweisen. Ein Abkommen über die Zusammenarbeit bei der Leprabekämpfung unterzeichnen der Gesundheitsminister des Senega, Mamadou Diop, und DAHW-Präsident Hubert Graf von Ballestrem. Eine Krankenstation für die Behandlung von Leprapatienten, gemeinsam finanziert von der DAHW und der französsichen Partnerorganisation Fondations Follereau (FF) wird im westafrikanischen Niger errichtet. In Nepal werden zwei Behandlungszentren gebaut. Das Marie Adelaide Leprosy Centre (MALC) im pakistanischen Karachi feiert sein 25-jähriges Bestehen. Mit rund 10,5 Millionen Mark fördert die DAHW Lepra- und Gesundheitsprojekte in den ärmsten Ländern der Welt.
1982 Nach 25 Jahren DAHW blickt die DAHW stolz auf ein Gesamt-Spendenaufkommen von 315 Millionen Mark. Damit wurden und werden 619 Projekte in 68 Ländern gefördert. Das bedeutet Hilfe für rund eine Million Leprakranke.
1983 Endlich: Lepra ist heilbar! Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt die von der DAHW und dem Forschungszentrum Borstel entwickelte Kombinationstherapie (Multi-Drug-Therapie) zum weltweiten Standard. Schwerpunkt der DAHW ist deshalb die Logistik und Bereitstellung der neuen Medikamente. Das erfordert eine erweiterte Strategie auch in der Öffentlichkeitsarbeit, vor allem in den PR-Aktivitäten in Indien, Korea, Ägypten und weiteren Staaten. Immer mehr erschweren kriegerische Auseinandersetzungen die Arbeit der DAHW-Mitarbeiter vor Ort. Das Gesamt-Spendenaufkommen einschließlich der Unterstützung staatlicher Stellen beträgt 30 Millionen Mark.
1984 Das vom DAHW, dem Malteser-Orden und der Regierung von Malta getragene Lepra-Eliminierungsprogramm wird erfolgreich abgeschlossen. Somit gilt dieser Abschluss als Meilenstein der medikamentösen Leprabehandlung im Rahmen der Multi-Drug-Therapy.
1985 Mittlerweile erreicht das Spendenaufkommen die Rekordhöhe von 33 Millionen Mark, wobei allein 1,4 Millionen Mark für Notprogramme und humanitäre Katastrophen, wie Hungersnöte, gespendet wurden. 150 Tonnen Lebensmittel werden an betroffene Lepra-Hospitäler in Äthiopien verschickt. Weltweit werden 275 Projekte in 38 Ländern gefördert. Die Zusammenarbeit mit der ILEP, in der die DAHW unter 23 weltweiten Organisationen einen Spitzenplatz einnimmt, ist durch Erfahrungsaustausch und gemeinsamen Aktivitäten von großem Nutzen.
1986 Ausrichtung des Internationalen Symposiums „Multi-Drug-Therapy“ durch die DAHW in Würzburg. Es wird bestätigt, dass die Kombinationstherapie als einzige Antwort auf Resistenzen gegenüber der Monotherapie das derzeit beste Mittel im Kampf gegen Lepra ist.

Tuberkulose als "neue" Krankheit (1987 - 1996)

1987 Das DAHW und das Missionsärztliche Institut gründen in Würzburg das „Armauer-Hansen-Institut für Forschung und Information“ mit einem Lepra-Tuberkulose-Referenzlabor und einem Labor für angewandtes „low-tech“ in Projektländern. Die DAHW wird in dieser Dekade beginnen, die Tuberkulose-Arbeit zu intensivieren. Das DAHW kann auf ihr 30-jähriges Bestehen und Wirken zurückblicken.
1988 Das DAHW verabschiedet „Leitlinien 2000“. Sie schreiben unter anderem die forcierte Behandlung mit der Kombinationstherapie, die Wiedereingliederung behinderter Leprakranker und die Öffnung von Lepradiensten zur Behandlung anderer Krankheiten, vornehmlich der Tuberkulose, fest. Damit steht fest, dass die Kombinationstheorie die Leprabekämpfung weltweit verändert. Vorstandsmitglied Hermann Kober, jetziger DAHW-Präsident, wird in Den Haag mit dem „Damian Dutton Award“, der höchsten Auszeichnung auf dem Gebiet der Leprahilfe, ausgezeichnet. Weit über 6,5 Millionen Mark haben Düsseldorfer Bürger und Firmen bisher für die Lepraarbeit gespendet. Die Gruppe von über 100 ehrenamtlich engagierten Mitarbeitern werden von Jeanny Schulz, Ehefrau des verstorbenen Gründers Erwin, und Ursula Westermann geleitet. Die Aktionsgruppe Lüdenscheid widmet sich in diesem Jahr besonders Aktionen, deren Erlös für mehrere Lepra-Projekte in Sierra Leone bestimmt sind.
1989 Mit 26,4 Millionen Mark will die DAHW die weltweite Leprahilfe fördern. Es gibt insgesamt 268 Projekte in 39 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Darüber hinaus unterstützt die DAHW 15 Projekte im Bereich der Lepraforschung, für die 1,3 Millionen Mark vorgesehen sind. Der Rückgang der Lepra in vielen Regionen durch den Einsatz von Kombinationstherapien mit mehreren Medikamenten ermutigt die DAHW, in bereits kontrollierten Gebieten die Behandlung anderer, verwandter Krankheiten in die Lepra-Behandlungsprogramme einzugliedern, vornehmlich die Tuberkulose.
1990 Die DAHW ist Ausrichter der ILEP-Generalversammlung in Würzburg. Die Mitglieder bekräftigen einstimmig, die Behandlung Leprakranker mit Kombinationstherapien zu forcieren. Hoffnung besteht, dass das Stigma dieser Krankheit endlich überwunden werden kann. Leprazenten auf der ganzen Welt öffnen sich zunehmend auch für die Behandlung anderer Krankheiten. Die DAHW fördert auch weiterhin kombinierte Lepra-Tuberkulose-Programme in Tansania, Sierra Leone, Paraguay und Indien. Hubert Graf von Ballestrem wird wegen seiner Verdienste um die DAHW von Vorstandsmitglied Hermann Kober zu einem Ehrenpräsident auf Lebenszeit ernannt. Die DAHW macht darauf aufmerksam, trotz der bewegenden Ereignisse in der DDR und den Staaten des Ostblocks nicht den Blick für die Nöte und Probleme der Menschen in der Dritten Welt zu verlieren.
1991 Mit mehreren Millionen Mark für Lepra-Medikamente beteiligt sich das DAHW für zwei Jahre am Lepra-Kontrollprogramm der indischen Regierung in 48 Distrikten von drei Bundesstaaten. Nach und nach gehören wegen der Kombinationstherapie bald die irreparablen Gefühlsverluste an Händen und Füßen, die durch die Lepra verursachten Entstellungen des Antlitzes und der Verlust des Augenlichtes der Vergangenheit an.
1992 Die DAHW-Hauptziele in der Leprabekämpfung sind die Heilung der an Lepra Erkrankten, die Wiedereingliederung in das Familien- und Arbeitsleben und die Früherkennung und die Vorsorge in den Dörfern und Slums. Gründung des „Leprakuratoriums Sachsen-Anhalt zur Förderung der Arbeit der DAHW“ in Magdeburg. Beim zweiten Würzburger Symposium über die Chemotherapie in der Leprabekämpfung finden die Erfolge des von der DAHW mit dem Forschungsinstitut Borstel durchgeführten Lepra-Ausrottungsprogramms auf Malta offizielle Anerkennung. Als künftige Aufgaben in der Lepraforschung werden die Entwicklung von empfindlicheren Früherkennungsmethoden, wirksamere Schutzimpfungen und von Medikamenten zur Stärkung der Immunabwehr definiert. Durch die politische Entwicklung in Osteuropa werden erstmals Zahlen über die Lepra-Situation in Russland bekannt. Danach sind in der ehemaligen Sowjetunion 4.000 Leprakranke registriert. Das DAHW stellt dafür eine erste Medikamentenhilfe von 25.000 Mark zur Verfügung.
1993 Im September findet das zweite internationale Symposium zur „Chemotherapie in der Leprabehandlung“ statt. Organisiert wird es von der DAHW. Dr. Nordeen, Leiter der Lepraabteilung bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet die DAHW als „Schrittmacher“ für eine Therapie, die erstmals zur Heilung der Krankheit führte und von der WHO nicht nur empfohlen sondern auch gefordert wird. Das sogenannte Malta-Projekt, der gelungene Versuch, dort die Lepra zu eliminieren, sei heute als „Meilenstein in der Chemotherapie der Lepra“ anerkannt.
1994 Immer häufiger steht auf den Plakaten der DAHW der Zusatz „Ein medizinisches und soziales Hilfswerk“. Dahinter steht der Gedanke und das Selbstverständinis einer Organisiation, sich nicht allein medizinisch zu definieren. Hilfe muss daher den ganzen Menschen angehen, auch in den sozialen Elementen. Trotz der Wiedervereinigung und die Anstrengungen, die unternommen wurden, gehen die Spenden in der Tat nur um 2 Prozent zurück. Schwerpunkte sind in diesem Jahr die Behandlung mit der Kombinationstherapie, die Vermeidung von Behinderungen, Wiederherstellungschirurgie, die Unterstützung von Personen und Einrichtungen zur Rehabilitation mit dem Ziel ein selbstbestimmtes Leben führen zu können sowie die umfassende Aufklärung der Patienten und der Öffentlichkeit.
1995 Insgesamt stehen in den DAHW-Projekten 413.000 Leprakranke unter Medikamentenbehandlung. Trotz drastisch gesunkener Leprapatienten-Zahlen ist jährlich immer noch von 500.000 neuen Fällen auszugehen. Ungefähr zwei Millionen Menschen weltweit sind davon betroffen. Seit die DAHW auch Tuberkulose (TB) behandelt, bekommt sie es immer mehr mit Kindern als mittelbar Betroffene zu tun. Gerade in Ostafrika sterben sehr viele Eltern an TB, meist wegen einer Doppelinfektion von TB und der Immunschwäche-Krankheit Aids.
1996 Die unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft SOLIDARIS bescheinigt der DAHW eine beanstandungsfreie Verwendung der Spendenmittel und die ordnungsgemäße Rechnungslegung. Wieder hat die DAHW das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen in Berlin erhalten. Umzug der DAHW-Zentrale vom Würzburger Dominikanerplatz in die Mariannhillstraße. Wesentlicher Grund ist das begrenzte Raumangebot: Die neuen Räume bieten unter einem Dach Platz für die Poststelle und das Dritte Welt-Basar-Lager. Dieses unterstützt die deutschlandweit aktiven Ehrenamtsgruppen bei der Durchführung von Basaren, deren Erlös für die weltweite Arbeit der DAHW bestimmt ist.

Umbenennung, Vortragsreise Dr. Ruth Pfau (1997 - 2006)

1997 Die DAHW besteht seit 40 Jahren. Die freien Kapazitäten in den für die Lepra-Behandlung aufgebauten Gesundheitsdiensten können nun für andere Krankheiten genutzt werden, zum Beispiel für die Tuberkulose, die „Killerkrankheit Nummer 1“. Für die nächsten fünf Jahre stellt die DAHW 10,5 Millionen Mark zur Bekämpfung der Lepra und der Tuberkulose in Äthiopien zur Verfügung. Für Zehntausende von Tuberkulosekranken ist diese neue Vereinbarung lebensrettend. Die DAHW unterstützt die Lepra-Arbeit in Liberia seit 1974 bereits mit über neun Millionen Mark und hat auch während des Bürgerkrieges die technische und finanzielle Hilfe aufrechterhalten. Seit 25 Jahren engagieren sich die Aktionsgemeinschaft Osnabrück und der Frauenkreis Worms für die DAHW. Die Ruth-Pfau-Stiftung wird von der DAHW gegründet. Eine Aussage von Ruth Pfau wird zum Motto der Stiftung: „Wer keine Tränen in sich trägt, darf diesen Weg nicht gehen.“
1998 Die DAHW unterstützt den Jemen in seiner Lepra-Arbeit seit 1989 bereits mit über drei Millionen Mark. Durch Aufklärungskampagnen hat sich das Problem der Stigmatisierung in dem arabischen Land merklich reduziert. Dr. Yasin Al-Qubati leitet seit 1982 das einzige stationäre Leprazentrum des Landes in der Nähe der Stadt Taiz. Er bekommt den Ehrenpreis der Hayel Saeed-Anam-Gesellschaft für seine Verdienste und wird von der Yemen Times zum „Mann des Jahres 1997“ gewählt. Hinsichtlich Forschung unterstützt die DAHW langfristig die Züchtung von Leprabakterien auf künstlichem Nährboden, die Suche nach einem wirksameren Tuberkulose-Impfstoff und die Aufklärung der Nervenschäden bei Lepra. Dr. Carola Zemlin ist das erste DAHW-Mitglied aus den neuen Bundesländern. Der Bürgerkrieg im westafrikanischen Sierra Leone hat das Lepra-Tuberkulose-Kontrollprogramm schwer getroffen. Bisidimo, das äthiopische Leprazentrum der DAHW im Hochland von Harar besteht seit 40 Jahren.
1999 Indien hat mit 70 Prozent die höchste Lepra-Rate der Welt. Durch die Einführung der Kombinationstherapie konnten in über 200 Projekten mehr als 340.000 Patienten geheilt werden. Mittlerweile gibt es auch 1,3 Millionen Tuberkulose-Kranke. Die DAHW unterstützt in Indien 84 Projekte im Süden und Osten des Landes mit rund 4 Millionen Mark. 22 dieser Projekte haben kombinierte Lepra- und Tuberkulose-Programme, in denen neben den Lepra-Kranken auch rund 3.000 Tuberkulose-Kranke behandelt werden. Mehr als 46 Millionen Mark wurden seit 1961 für die Lepra- Und Tuberkulosearbeit in Pakistan zur Verfügung gestellt. Außerdem unterstützt die DAHW die evangelische Gemeinschaft der Christusträger und die Lepra-Arbeit des Mission Hospitals in Peshawar. In diesem Jahr finanziert die DAHW 12 Projekte mit einem Budget von über 2,5 Millionen Mark. In Südamerika ist die DAHW in fünf Ländern tätig: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kolumbien und Paraguay.
2000 Im Mai und Juni kommt Dr. Ruth Pfau für eine Vortragsreise in 30 deutsche Städte. Aus einer ehemaligen Leprakolonie entstand in Tansania das Dorf Kindwitwi. Die DAHW berät vor Ort und finanziert die Rehabilitation ehemaliger Lepra-Kranker sowie ein Hausprojekt. Während einer Hungersnot unterstützt sie in Äthiopien die Verteilung von Notrationen. Es erfolgt der Aufruf zu einer Spendenaktion. Ebenso hilft die DAHW bei einer Flutkatastrophe in Mosambik, verteilt Nahrungsmittel und vergibt kleine Darlehen. Die 3. FriedensRadTour der DAHW von Münster nach Osnabrück wird zu einem vollen Erfolg. Die auf dieser Tour gesammelten Spenden sind für die Behandlung von Lepra-Kranken in Tadschikistan und anderen Ländern der ehemaligen Sowjetunion bestimmt. Die DAHW hat einen Spendenzuwachs von acht Prozent.
2001 Die Glaubensbrüder der evangelischen Gemeinschaft der Christusträger müssen Afghanistan wegen des Terrors verlassen. Sie arbeiten vor Ort unter dem Namen „German Medical Service“, und sind der Partner der DAHW. Es gibt schwere Kämpfe in der Provinz Hazarajat und Massaker in Yakowlong. Die Taliban zerstören die Buddha-Statuen von Bamyan. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt, dass der Kampf gegen die Lepra gewonnen sei. Die DAHW weist auf Risiken und Nebenwirkungen dieser Erfolgsmeldung hin. Das Bonner Büro der DAHW zieht nach Berlin um. Der Grund liegt im ständigen Kontakt zu Botschaften, Politikern und anderen Organisationen. Die Haaner Aktionsgruppe feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Auf dem Gebiet der Tuberkulose-Bekämpfung ist die DAHW heute die wichtigste deutsche Hilfsorganisation.
2002 Der ehemalige Minister und MdB Dr. Norbert Blüm besucht DAHW-Projekte in Indien. Das nationale Lepra-Tuberkulose-Programm als Partner der DAHW in Tansania besteht seit 25 Jahren. Die im Jahr 1996 von der DAHW gegründete Ruth-Pfau-Stiftung entwickelt sich gut. Der Anfangsbetrag von 500.000 Mark ist mittlerweile auf fast 2 Millionen Euro angewachsen. Damit kann auch weiterhin der Projektetat für Pakistan entlastet werden. Die DAHW feiert ihr 45-jähriges Bestehen. Dr. Ruth Pfau kommt auf Besuch nach Deutschland. In weniger als zwei Monaten absolviert die Lepra-Ärztin 40 Informationsveranstaltungen und mindestens genau so viele Pressetermine sowie Interviews in Hörfunk und Fernsehen. Der Sozialkreis Waldram e. V. blickt auf 30 Jahre Engagement für die DAHW zurück.
2003 Am 9. Januar ist es soweit: Das Deutsche Aussätzigenhilfswerk (DAHW) erhält einen neuen Namen: DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V. Bundespräsident Johannes Rau steht Pate. Der neue Name soll verdeutlichen, dass Lepra-Kranke keine Aussätzigen mehr sind. Auch der Tuberkulose wird damit Rechnung getragen. Immer mehr Menschen, die an Tuberkulose leiden, erkranken auch an der Immunschwächekrankheit Aids. Das sind zwei Krankheiten, die ohne Behandlung zum Tod führen. In einem Pilotprojet in Tansania werden Aids und Tuberkulose gemeinsam behandelt. Ziel dabei ist, dass andere Staaten und Hilfsorganisationen diesem Beispiel folgen. Das älteste Projekt der DAHW im äthiopischen Bisidimo blickt mit einem großen Festakt auf sein 45-jähriges Bestehen zurück. Die Lepra-Ärztin und Ordensfrau Dr. Ruth Pfau wird zum fachlichen Austausch in die Plenarsitzung des Bundestages eingeladen. Außerdem tritt sie in zwei Talkshows bei Bettina Böttinger und bei Frank Elstner auf.
2004 Die brasilianischen Indianer sind in starkem Ausmaß von Tuberkulose betroffen. Die DAHW unterstützt hier lebensrettende Projekte in den Reservaten neben ihrem Engagement gegen die Lepra. Trotz Warnungen wird die TB-Behandlung von vielen Patienten abgebrochen, was lebensbedrohlich ist. Der ehemalige Minister und MdB Dr. Norbert Blüm ist erneut mit der DAHW unterwegs. Diesmal besucht er Lepra-Kranke im äthiopischen Bisidimo. Bundespräsident Johannes Rau besucht mit seiner Frau Christina DAHW-Projekte in Tansania und zeigt sich beeindruckt. Die bundesweite Kampagne GEMEINSAM FÜR AFRIKA bei der die DAHW neben anderen Hilfsorganisationen auch Partner ist, wird mit dem Sänger und BAP-Bandleader Wolfgang Niedecken als neuen Botschafter fortgesetzt. Außerdem bekommt die DAHW-Internetseite ein neues Gesicht. Die Tsunami-Katastrophe vom Dezember 2004 wird auf einige Jahre die Arbeit der DAHW prägen.
2005 Wie zahlreiche andere Hilfsorganisationen auch, beteiligt sich die DAHW an Hilfsaktionen und dem Wiederaufbau nach der Tsunami-Flutkatastrophe im Indischen Ozean. Sie leistet von zwei ihrer am Indischen Ozean gelegenen Projekte aus Unterstützung. Langfristig engagiert sie sich auch beim Wiederaufbau von Fischerdörfern. Jährlich sterben fast zwei Millionen Menschen an Tuberkulose. Dabei ist die Krankheit dank einer Antibiotika-Therapie gut heilbar. Doch in vielen Ländern fehlt es einfach am Geld, um den Zugang zur Behandlung zu ermöglichen. Zunehmend engagiert sich die DAHW auch in der Aids-Arbeit. Da immer mehr TB-kranke Menschen Aids haben, muss die DAHW reagieren und neue Wege einschlagen: Die beiden Krankheiten also gemeinsam behandeln.
2006 5.000 Menschen weltweit sterben täglich an Tuberkulose. Allein schon in Indien erkranken jährlich 1,7 Millionen Menschen. Im August ruft die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den TB-Notstand für Afrika aus. In 18 afrikanischen Staaten hat sich die jährliche Zahl von neuen TB-Fällen vervierfacht. Jährlich sterben über eine halbe Million Afrikaner an Tuberkulose. Mit diesen Zahlen muss sich die DAHW auseinandersetzen. Das Jahr 2006 steht fast ausschließlich im Zeichen des Kampfes gegen Tuberkulose.

Vernachlässigte tropische Krankheiten (2007 -2016)

2007 50 Jahre DAHW! Seit ihrer Gründung hat das Hilfswerk fast sieben Millionen Menschen geholfen, davon rund 2,3 Millionen Lepra-Patienten und mehr als 4,5 Millionen Tuberkulose-Kranke. „Ich bin stolz auf die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe, weil sie gute Arbeit macht“, lobt Papst Benedikt XVI bei einer Audienz. Mehr als 2.000 Menschen engagieren sich mittlerweile ehrenamtlich. Neben Lepra und Tuberkulose widmet sich die DAHW weiteren vergessenen Krankheiten der Armut. Dazu gehören Buruli Ulcer, Leishmaniose, Elefantiasis und die Chagas-Krankheit. Weltweit unterstützt die DAHW 295 Projekte in 35 Ländern mit knapp 14 Millionen Euro. Die Ruth-Pfau-Stiftung fördert mit 150.000 Euro die Arbeit von Dr. Ruth Pfau und ihrem Team in Pakistan. Außerdem gründet die DAHW die Hermann-Kober-Stiftung zum Gedenken an ihren verstorbenen Mitbegründer. Ziel ist langfristige und nachhaltige Absicherung der weltweiten Arbeit der DAHW.
2008 Weltweit haben mehr als 40.000 Menschen und damit ein Großteil der neu entdeckten Patienten eine Lepra-Behandlung erhalten. Mit Rehabilitationsmaßnahmen erhalten über 100.000 Menschen mit Behinderungen mehr Eigenständigkeit. Rund 370.000 Menschen erhalten die lebensrettende Tuberkulose-Behandlung. Die DAHW beginnt wieder, Lepra-Forschungsprojekte zu unterstützen. In den indischen Metropolen Kolkata und Delhi hat die DAHW ihre Unterstützung der standardisierten Behandlung und Diagnose (DOTS – directly observed treatment – short course) ausgeweitet. In Verbindung mit HIV/Aids tötet Tuberkulose oft schon vor der Diagnose.
2009 Am 1. Mai beginnt der jetzige Geschäftsführer, Burkard Kömm seine Tätigkeit bei der DAHW. Es gelingt, die Heilungsrate bei Tuberkulose zu verbessern und die Todesrate zu verringern. Die Ko-Infektion TBC/HIV und die Zunahme von Tuberkuloseformen, die gegen gängige Medikamente resistent sind, bedeuten für die Gesundheitsdienste große Herausforderungen. In Indien, Pakistan und Sierra Leone unterstützt die DAHW inzwischen Programme zur Bekämpfung multiresistenter Tuberkulose. Diese Therapie ist überaus schwierig und teuer. Weiter unterstützt die DAHW vier Forschungsprojekte, die sich im Bereich der Lepra mit Impfstoffentwicklung, Frühdiagnostik und Chemoprophylaxe beschäftigen. Ein Spendenzuwachs ist zu verzeichnen, gerade auch wegen dem 80. Geburtstag der Lepra-Ärztin Dr. Ruth Pfau. Alois Pöschmann, vielen bekannt als Schatzmeister und Präsident der DAHW, zieht sich nach fast 40 Jahren aus der aktiven Arbeit zurück, wird aber Ehrenpräsident der DAHW.
2010 Ab diesem Jahr unterscheidet die DAHW bei ihren Rehabilitationsmaßnahmen nicht mehr, ob eine Behinderung aufgrund einer Lepra-Erkrankung entstanden ist oder nicht. Dieser Ansatz wird nicht nur die zivilgesellschaftlichen Entwicklungen in armen Ländern fördern, sondern gleichzeitig die Stigmatisierung der Lepra reduzieren. DAHW-Ehrenpräsident Alois Pöschmann stirbt nach langer Krankheit am 14. Oktober 2010. Das Hilfswerk arbeitet in 28 Ländern. Überlegungen zu einer Mandatserweiterung finden statt. Kernmandate sind auch weiterhin Lepra und Tuberkulose. Vernachlässigte tropische Krankheiten werden als Untermandat bestätigt und Behinderung als neuer Schwerpunkt in die Aufgabenstellung der DAHW aufgenommen. Die Jahrhundertflut im August in Pakistan betrifft auch die Projekte der DAHW. Ein erhöhter Spendeneingang ermöglicht einen Einsatz für die Flutopfer mit Lebensmittel, Trinkwasser, Zelten, etc. Der Wiederaufbau wird auch in den nächsten Jahren weitergehen. Diese Hilfe führt zu einer großen Presseresonanz, das letztendlich die Nothilfe der DAHW in Pakistan in den Mittelpunkt stellt.
2011 Zu Beginn des Jahres stellt eine Zukunfts- und Strategiekonferenz die Weichen für die künftige Arbeit der DAHW. Mehr als 200.000 Menschen leiden an einer Lepraerkrankung. Immer wichtiger wird daher die Community Based Rehabilitation (CBR), also die Rehabilitation im gewohnten Umfeld der Gemeinde. Die Zahl von multiresistenter Tuberkulose, die mit den herkömmlichen Medikamenten nicht mehr behandelt werden können, steigt an. Die DAHW unterstützt 227 Programme und Projekte in 26 Ländern mit über 12 Millionen Euro. Die Ruth-Pfau-Stiftung ist mit bis zu 100.000 Euro Förderausschüttung für Pakistan zu einer wichtigen Finanzierungssäule für die Arbeit in dem südasiatischen Land geworden.
2012 Der Wiederaufbau in Pakistan geht voran. Fast 1.000 Neubauten und die Wiederherstellung von bestehenden Häusern werden durchgeführt, Nutztiere für Familien angeschafft und sanitäre Anlage gebaut. Die DAHW engagiert sich in einem Fluthilfe-Konsortium, gemeinsam mit dem Marie Adelaide Leprosy Center in Karachi (MALC), der Caritas Wien und der Caritas St. Pölten. Die Lepra-Ärztin und Ordensfrau Dr. Ruth Pfau erhält für ihr Engagement in Pakistan während einer großen TV-Gala den „Bambi“ und wird als „stille Heldin“ ausgezeichnet. In Togo verstärkt die DAHW ihren Kampf gegen Buruli Ulcer, auch die „kleine Schwester der Lepra“ genannt. Die Krankheit betrifft vor allem Kinder und Jugendliche. Mittlerweile gibt es 223 Programme und Projekte in 23 Ländern, die von der DAHW mit fast 13 Millionen Euro unterstützt werden. Weiter gibt es CBR-Programme durch von der DAHW ausgebildeter Sozialarbeiter in Äthiopien, Indien, Kolumbien, Nepal, Nigeria, Senegal, Sierra Leone, Uganda und Tansania.
2013 Die DAHW investiert verstärkt in die Lepraforschung und ihre Kernfragen, die sich vor allem um Lepra-Früherkennung, der Impfstoffentwicklung und der Verhinderung von Nervenschädigungen drehen. Die Mitgliederversammlung betätigt mit großer Mehrheit eine veränderte Satzung und wählt neben Vorstand erstmals auch einen Aufsichtsrat. Mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und dem Bernhard-Nocht-Institut (BNI) in Hamburg sowie mit dem europäischen Forschungsprojekt Buruli Vac als Partner hat die DAHW in Togo ein Labor zur Erkennung von Buruli Ulcer eingerichtet. Gewebeproben können nun direkt vor Ort untersucht werden. Weiter ist die DAHW in vielen Bündnissen und Netzwerken aktiv.
2014 Verschiedene Hilfsorganisationen unterstützen die DAHW dauerhaft, zum Beispiel das Aussätzigen Hilfswerk Österreich (AÖ), Likvidace Lepry (LL) und die Fondation Follereau Luxembourg (FFL). Außerdem ist die entwicklungspolitische Bildungsarbeit ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der DAHW. Das Hilfswerk zieht innerhalb Würzburgs um. Die neue Arbeitsatmosphäre geht auf die Spende und Unterstützung eines Würzburger Unternehmers zurück. 40- bzw. 50-Jahr-Feiern der DAHW werden in Togo, Nigeria und Kolumbien begangen. Dr. Ruth Pfau feiert in Pakistan ihren 85. Geburtstag. Die Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum.“ im Bereich Testamentsmarketing wird gegründet. Die Ebola-Epidemie in Westafrika macht weltweit Schlagzeilen. Mediziner, die auch für die DAHW arbeiten, sind vor Ort. Die Ehrenamtlichen der DAHW konnten mit rund 600.000 Euro zur Projektarbeit beitragen. Die DAHW beginnt, verstärkt auf Kofinanzierung – im Rahmen des Mandats - zu setzen.
2015 Die Welt verändert sich. Anschläge Bürgerkriege, Ebola und Massenflucht beeinflussen auch die Aufgaben der DAHW. Mit einem verstärkten Nothilfeprogramm passt sich die DAHW an. Die bewährten Strukturen in ihren Projektländern sind vorteilhaft für Patienten, die an vernachlässigten Tropenkrankheiten leiden. Um den immer weiter steigenden Anforderungen gerecht zu werden, entwickeln Vorstand und Geschäftsführung ein neues strategisches Konzept zur Projektvergabe und Mittelbeschaffung. Der Bürgerkrieg im Jemen trifft das Land mit voller Stärke und verhindert die Arbeit der DAHW vor Ort. DAHW-Repräsentant Dr. Yasin Al-Qubati verlässt aufgrund von Sicherheitsvorkehrungen das Land. Einen weiteren Krieg gibt es im Südsudan, durch den die Arbeit der DAHW vor Ort stark beeinflusst wird. Die DAHW bekommt durch die Kofinanzierung zwei ihrer Projekte in Indien und Pakistan zu 85 Prozent finanziert. Die DAHW feiert in Würzburg das 40-jährige Bestehen des Internationalen Kinderfestes.
2016 Neues Projekt zur Bekämpfung und Erforschung der Bilharziose (Schistosomiasis) wird von der DAHW gemeinsam mit dem Missionsärztlichen Institut Würzburg gestartet. Die DAHW – bisher langjähriges assoziiertes Mitglied – wird Vollmitglied beim „Bündnis Entwicklung hilft“ (BEH).