Gudrun Freifrau von Wiedersperg, Präsidentin der DAHW, mit einer jungen Tombola-Gewinnerin beim Internationalen Kinderfest.
Gudrun Freifrau von Wiedersperg, Präsidentin der DAHW, mit einer jungen Tombola-Gewinnerin beim Internationalen Kinderfest.
Foto: DAHW

Liebe Leserinnen und Leser,

10 – 20 – 60! Hier ist kein mathematischer Zusammenhang zu entdecken; die Zahlen sind Hinweis auf eine ansehnliche Statistik und einen dreifachen Grund zu feiern:

Seit 10 Jahren investiert die Hermann- Kober-Stiftung, seit 20 Jahren die Ruth-Pfau-Stiftung und seit sechs Jahrzehnten die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe in die Sorge für Menschen, die unter Armutskrankheiten leiden! Für uns und unsere Partner, aber in erster Linie für unsere Patienten in den Projekten weltweit ein Anlass zur Freude!

Mit dem großen Mitjubilar in diesem Jubiläumsjahr 2017, der Reformationsbewegung, blicken wir jedoch auch kritisch auf die Geschichte einer größeren Organisation. Luther wurde lange der Satz: Ecclesia semper reformanda est! zugeschrieben. Ganz im Anliegen der Reformation, den Anfängen und damit der Schrift treu zu bleiben, unterstreichen diese Worte die Notwendigkeit des steten Reformierens der groß gewordenen Institution Kirche durch die Orientierung an der Schrift.

Diese Reform-Aufforderung ist vielleicht für jede größere Einrichtung interessant, die eben den klassischen Weg durchlaufen hat: gestartet mit einer kleinen Gruppe begeisterter, charismatischer Idealisten, dann stark angewachsen, nun auf feste Strukturen angewiesen, um den Erfolg weiterhin sichern zu können. Professionelle Strukturen aber, darauf zielt das lateinische Wort ab, bergen auch Gefahren – insbesondere für den so lebendigen und lebenswichtigen Geist der Anfangszeit!

Anlässlich des Jubiläums sind also auch bei uns eine kritische Bilanz und ein kluges Rüsten für die Zukunft angeraten. Dabei zeigt sich: Das Reformieren und Ausrichten am Geist der Gründer, in unserem Fall mittels der Satzung, ist in der DAHW deutlich spürbar!

Es sind jedoch nicht nur die Klugheit und Überzeugungskraft des oben vorgelegten Zitates, sondern vor allem die äußeren Umstände, die das Hilfswerk zwingen, wach und wendig zu bleiben. Es wird in dieser schnelllebigen Zeit, in der wir nun einmal leben, immer schwieriger, neue Spender längerfristig an die DAHW zu binden, und die komplizierten Herausforderungen vor Ort, wo wir Hilfe leisten müssen, verlangen stets nach Entwicklung adäquater, neuer Lösungen.

Daher erarbeiteten Vorstand und Geschäftsführung – schon seit dem Frühjahr 2014 – ein detailliertes strategisches Konzept, das breit angelegt das gesamte Handeln des Hilfswerkes umfasst und nun Schritt für Schritt umgesetzt wird.

So nahm etwa die neu eingerichtete Projektvergabekommission im Dezember 2016 mit einem sehr differenzierten Diskurs über ethische Vorzugskriterien bei der Projektvergabe ihre Tätigkeit auf. Vor dem Hintergrund der allgemeinen entwicklungsethischen Richtlinien und mit größtmöglicher Nähe zum Satzungszweck werden in diesem Jahr alle Projektanträge durch dieses Gremium auf den Prüfstand gestellt.

Teil der Strategie sind auch neue oder verstärkte Maßnahmen zur Mittelbeschaffung. Gemeinsam mit den Mitarbeitern der Abteilung Medizinisch-Soziale Projekte (MSP) wollen wir zunehmend dafür sorgen, dass die Akquise von Drittmitteln ausgebaut und breiter angelegt wird. Sowohl in der Zentrale, als auch in den Regionen soll ausreichend Möglichkeit bestehen, Aufträge von Drittmittelgeber für die DAHW nutzbar zu machen und dem Bereich Ko-Finanzierung so mehr Raum zu geben.

Im Hinblick auf die Arbeitsergebnisse der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising (ÖA&FR) setzen wir große Erwartung in die Etablierung einer ergänzenden Kampagnenmarke. Wir wollen hier noch nicht zu viel vorwegnehmen. Die Kampagnenmarke ist eingetragen und sowohl ein erweiterter Web-Auftritt als auch andere Maßnahmen der Bekanntmachung sind zum Ende des Jahres 2017 geplant. Wir möchten sowohl im englischsprachigen Ausland, aber auch für jüngere Menschen in Deutschland sowie erweiterte Zielgruppen jeden Alters, einen zusätzlichen Zugang zu unserem Hilfswerk schaffen und die Spendenbereitschaft so auch in der Zukunft sicherstellen.

In diesem Zusammenhang weise ich auf eine Initiative hin, die die nachrückende Generation stärker an uns binden soll: die Gründung einer dem Verein nahestehenden Jugendgruppe, vielleicht sogar einer Jugendorganisation! Das meint mehr als die professionelle Betreuung junger Ehrenamtlicher durch die entsprechende Fachabteilung. Vielmehr sollen die Jugendlichen integraler Bestandteil des DAHW-Vereinslebens werden und sich auch als solcher wahrnehmen können. Jungen Menschen wird so Gestaltungsraum geboten und auch die Vernetzung im nationalen wie im internationalen Umfeld birgt Vorteile für sie. Und auch die DAHW profitiert.

Zunehmend nutzen wir die ständig zahlreicher werdenden Social Media-Kanäle, um potentielle neue Interessenten und Spender zu erreichen. In diesen Kommunikationsplattformen sind die Jugendlichen längst und wie selbstverständlich zu Hause. Gemeinsam mit einem für diesen Bereich bei der DAHW neu eingestellten Mitarbeiter gilt es, hier ein großes Potential zu nutzen.

Wichtiger Bestandteil verantwortlichen Handelns einer Hilfsorganisation sind ein sauberes und selbstkritisches Monitoring aller Prozesse und die Evaluation der Hilfsmaßnahmen.

So kann man ganz unabhängig von allen guten Vorsätzen den eigenen Ansprüchen erkennbar genügen und als ehrenamtlicher Vorstand mit gutem Gewissen anderen ehrenamtlich Aktiven sagen: „Euer Geld und Eure Leistung sind gut investiert!“

Und weil niemand unfehlbar ist, haben wir schon vor einiger Zeit einen Revisor beauftragt, regelmäßig und kritisch die Prozesse unseres Hilfswerkes im In- und Ausland zu überprüfen. Unser berechtigtes Vertrauen in die guten Mitarbeiter in der Zentrale und im Ausland wird damit um eine zusätzliche, unabhängige Kontrollinstanz ergänzt.

Ich wünsche uns allen ein Festjahr, das denen Dank bringt, die sich seit Jahrzehnten engagieren, allen voran unserem Gründungsmitglied Irene Kober. Ich wünsche uns auch, dass es weiterhin gelingt, uns effektiv für die Menschen einzusetzen, die unsere Unterstützung dringend benötigen, damit Krankheiten der Armut irgendwann keinen Raum mehr haben.

Ihre

Gudrun Freifrau von Wiedersperg