100 Tage Nothilfe für Pakistan

Dr. Adolf Diefenhardt, Leiter der DAHW-Projektabteilung

Dr. Adolf Diefenhardt, stellvertretender Geschäftsführer und leitender Mediziner der DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.

DAHW als Partner von Bündnis Entwicklung Hilft (BEH) mit erster Bilanz


20 Mio. Menschen mussten vor den Fluten fliehen, rund 7 Mio. von ihnen sind obdachlos geworden und haben alles verloren. Das ist die erschreckende Bilanz der großen Flutkatastrophe in Pakistan. Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe ist seit 50 Jahren vor Ort und auch als Partner des Bündnis Entwicklung Hilft (BEH) weiter stark in der Hilfe engagiert.

(Würzburg, 5. November 2010). Genau 100 Tage nach der ersten Flutwelle hat das Bündnis Entwicklung Hilft heute in Berlin eine erste Bilanz gezogen: Fast zwei Mio. Häuser müssen wieder aufgebaut werden, allein dies wird nicht in ein oder zwei Jahren geschehen können. Dazu wurde die Ernte von 3,2 Mio. Hektar Ackerland zerstört. Noch immer stehen Teile des Landes unter Wasser. Der Wiederaufbau wird Jahre dauern.

Dr. Adolf Diefenhardt, stellvertretender Geschäftsführer und leitender Mediziner der DAHW, hat zu diesem Anlass auch die aktuellen Zahlen der DAHW veröffentlicht: Mehr als 60.000 Flüchtlinge hat die DAHW mit ihren pakistanischen Partnern Aid for Leprosy Patients (ALP) und Marie Adelaide Leprosy Centre (MALC) im Rahmen der Nothilfe medizinisch versorgt.

Eine Schlange von Menschen vor dem Adelaide Leprosy Centre. Foto: MALC/DAHW

Dazu kommen noch ca. 100.000 Familien, die MALC mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln versorgt wurden. Diese Menschen in der Swat-Region haben zwar nicht ihre Häuser verloren, dafür waren ihre Täler komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die Hilfsgüter mussten per Hubschrauber in die Dörfer geflogen werden.

„Das Ausmaß der Zerstörungen hat uns alle überrascht“, so Diefenhardt und fasste zusammen: „Die Überflutung der Kornkammer Pakistans und die Zerstörung von großen Ackerflächen im Punjab lassen es nicht zu, schon morgen wieder zur Normalität zurückkehren zu wollen. Die Menschen haben überlebt, Hunger und Seuchen sind zur Zeit unter Kontrolle, aber die eigentliche Herausforderung liegt in der Wiederaufbauphase, die ein noch besseres Zusammenspiel erfordert und noch mehr Geld kostet als die Nothilfe der ersten 100 Tage. Außerdem ist es der DAHW wichtig, dass gerade in einer solchen Ausnahmesituation Menschen mit Behinderungen und Menschen mit besonderen Bedürfnissen - Kinder, schwangere Frauen, Menschen mit chronischen Krankheiten - nicht vernachlässigt werden, sondern ihren Lebensumständen entsprechende Unterstützung erfahren.“

Insgesamt hat BEH 28,4 Mio. Euro an Spenden für Nothilfe und Wiederaufbau erhalten. Davon sind bisher 10,88 Mio. Euro für Nothilfe eingesetzt worden, die weiteren Mittel sind für den Wiederaufbau vorgesehen. Die DAHW hat bisher rund drei Mio. Euro an Spenden bekommen – hinzu kommen 315.000 Euro von BEH. Insgesamt hat die DAHW bisher 806.300 Euro für Nothilfe und erste Maßnahmen zum Wiederaufbau in Pakistan eingesetzt.

Das Bündnis Entwicklung Hilft ist ein Zusammenschluss der fünf Hilfswerke Brot für die Welt, Deutsche Welthungerhilfe, medico international, Misereor und terre des hommes. Die DAHW ist zusammen mit der Christoffel Blindenmission (CBM) und der Kindernothilfe einer von drei Partnern des Bündnisses, die in Pakistan tätig sind.