Aktion vor der Weltaidskonferenz

Ärmste brauchen Zugang zu Aids-Medizin


(Berlin/ Würzburg, 11. August 2006) "Pillen statt Profit“ forderte das Aktionsbündnis gegen AIDS mit einer 100 Quadratmeter großen Skulptur heute auf dem Breitscheidplatz in Berlin. Bundesweit haben 280.000 Bürger mit ihrer Unterschrift auf einer symbolischen Medikamentenschachtel den Appell an die sieben führenden Hersteller von Aids-Medikamenten unterstützt (1). Die zentralen Anliegen der Aktion "Pillen statt Profit“ sind die Bereitstellung von angepassten Dosierungen zur Behandlung von Kindern, bezahlbare Preise sowie der verbindliche Verzicht auf die Durchsetzung von Patenten in ärmeren Ländern.

"Dass sechs von sieben Unternehmen der Einladung zum Dialog heute nicht nachkamen, zeigt erneut, dass die Pharmaunternehmen nach wie vor nicht zu umfassenden Handlungsschritten bereit sind“, sagte Alexander Lohner, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen AIDS. "Die Zugeständnisse der Firmen beschränken sich bislang auf punktuelle Schritte. Strukturelle Maßnahmen wie der grundsätzliche Verzicht auf Medikamentenpatente in Entwicklungsländern bleiben aus.“ Auch in Osteuropa und Lateinamerika müssten die Medikamentenpreise dringend reduziert werden. Für die Behandlung von Kindern steht bislang nur Sirup zur Verfügung. Dieser ist meistens teuer und muss gekühlt werden. Derzeit erhalten nur ungefähr 1,3 Millionen Menschen in Entwicklungsländern die lebensverlängernden antiretroviralen Medikamente. Doch über 6,5 Millionen Menschen benötigen dort dringend eine wirksame Behandlung.

"Zwei Tage vor Beginn der Weltaidskonferenz hatten wir uns deutlich mehr Engagement von den führenden Herstellern von Aids-Medikamenten erwartet. Die Unterstützung von ehrenamtlichen Helfern dagegen war in der vergangenen Woche immens: Zweihundert engagierte Menschen klebten und bauten 10 Tage lang an unserer Landschaft der Solidarität“, sagte der Bonner Künstler Walbrodt. Unter seiner Anleitung entstand in den Räumen der Kirchengemeinde am Lietzensee in der vergangenen Woche die Skulptur "Landschaft 0,000261“. 0,000261 Kubikmeter: soviel Raum umfasst eine leere Medikamentenschachtel. 60 Würfel aus je 4.000 Medikamentenschachteln ergeben die gesamte Landschaft.

Aufgerufen zu der bundesweiten Aktion hatte das Aktionsbündnis gegen AIDS, ein Zusammenschluss von 100 zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Organisationen der Aids- und Entwicklungszusammenarbeit sowie mehr als 270 lokalen Basisinitiativen in Deutschland. Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) ist Mitglied des Bündnisses. Gemeinsam appellieren die Organisationen an die Pharmaindustrie und die Bundesregierung, ihrer Verantwortung im weltweiten Kampf gegen HIV/Aids gerecht zu werden.

Weitere Informationen

-> www.aids-kampagne.de

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(1) Abbott, Böhringer Ingelheim, Bristol-Myers Squibb, Glaxo Smith Kline, Merck, Roche und Gilead.