Anne Will unterwegs im Sudan

Sudan - Rumbek: Tagesthemen-Moderatorin Anne Will ist in den Suedsudan geflogen, um sich vor Ort ein Bild von den Hilfsprojekten der Aktion

Anne Will steht auf der staubigen Landepiste in Tonj im Süd-Sudan.


Gerade hat die Tagesthemen-Moderatorin einen begeisterten Empfang ehemaliger leprakranker Bäuerinnen erhalten, die sie mit Tanz und Gesang mitgerissen haben. Da bedankt sich die prominente Besucherin und erklärt den Frauen ihren Job. Aber der Übersetzer muss passen: das Wort "Fernseher“ gibt es in der Lokalsprache Dinka nicht.

Nachrichten kommen kaum in diese Gegend und außer dem Airstrip – der holprigen Landepiste aus roter Erde – gibt es kaum Verbindungen mit der Außenwelt. Nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg ist der Sudan seit dem Friedensabkommen im Januar zum ersten mal seit langem in einem friedensähnlichen Zustand, kurz unterbrochen von den Unruhen nach dem Tod des sudanesischen Vizepräsidenten Dr. John Garang.

Anne Will ist als Botschafterin der Kampagne "Gemeinsam für Afrika“ in den Süd-Sudan gereist, schläft in Tukuls (den traditionellen Hütten mit Strohdach) oder im Zelt und nimmt all die Strapazen auf sich, um in Deutschland auf die Situation der Menschen im Süd-Sudan hinzuweisen. Täglich berichtet sie unter abenteuerlichen Bedingungen in den Tagesthemen, was die Hilfsorganisationen mit Hilfe der Spenden aus Deutschland erreichen und wie viel Hoffnung die Menschen wieder haben. "Ich unterstütze ‚Gemeinsam für Afrika’ als Botschafterin, weil Afrika kein verlorener Kontinent ist, sondern ich hier Menschen treffe, die voller Hoffnung und Ideen sind. Sie brauchen nur Unterstützung, um auf eigenen Füßen zu stehen.“ "Gemeinsam für Afrika“ ist ein Zusammenschluss von 33 Hilfsorganisationen, die den Menschen in Afrika eine Stimme geben wollen, darunter auch die in Würzburg ansässige Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe.

Begeisterter Empfang ehemaliger leprakranker Bäuerinnen in Tonj Süd Sudan.

Begeisterter Empfang durch ehemalige leprakranke Bäuerinnen in Tonj - Süd Sudan. Foto:DAHW/Martina Vornberger

Bewusst wurde die Reise in den Süd-Sudan ausgewählt und nicht zum Beispiel der Niger, ein Land, das zurzeit im Fokus der Medieninteressen steht. Der Sudan war vor einiger Zeit mehr im Blickfeld der Medien, Darfur im West-Sudan war das Synonym für das Sterben von Millionen Menschen, aber inzwischen ist die Medienkarawane weiter gezogen, um über die nächste Katastrophe zu berichten. Anders dagegen der Ansatz von "Gemeinsam für Afrika“: Dort stehen die langfristigen Entwicklungsbemühungen im Mittelpunkt. Manche der beteiligten Organisationen sind über ihre Partner schon seit über 30 Jahren im Sudan tätig und diese Partnerschaft macht sich nun bemerkbar.

So auch in der Schule, in der gerade 16- bis 25-Jährige Männer Unterricht bekommen. Sie beginnen beim ABC und mit einfachsten Rechenaufgaben. Ihr Land haben sie seit ihrer Geburt nur im Kriegszustand gekannt und sobald sie fähig waren, eine Waffe zu tragen, mussten sie gegen den Nord-Sudan ins Feld ziehen. Auch die Mädchen hatten keinerlei Chance, Lesen und Schreiben zu lernen. Jetzt gilt es, Jungen und Mädchen durch eine Schulausbildung möglichst schnell eine Chance für ein Leben nach dem Krieg zu geben. Manche haben schon Zukunftspläne, wollen vielleicht sogar studieren oder sich mit einem kleinen Geschäft selbstständig machen, aber dazu muss man erstmal rechnen können.

Im Angesicht der Tafel: Anne Will rechnet

Im Angesicht der Tafel: Anne Will rechnet. Foto: Gemeinsam für Afrika / Thomas Einberger

Hoffnung keimt auf in einem dünn besiedelten Land, in dem man fast nur mit dem Flugzeug von einem Ort zum anderen kommt und flächendeckend Häuser, Hospitäler und andere öffentliche Einrichtungen zerstört sind. Auch die Gesundheitssituation muss sich dringend verbessern: Etwa sechs Prozent aller Kinder sterben bei ihrer Geburt und viel zu viele Mütter sterben an den Folgen von Geburten. Durchfall und Krankheiten wie Tuberkulose sind vor allem für Kinder lebensbedrohlich.

Der Süd-Sudan benötigt dringend internationale Hilfe, muss aber auch demokratische Reformen in die Wege leiten. Dazu gehört auch die Teilung von Religion und Staat, gerade in einem Land, das im Norden islamisch und im Süden christlich geprägt ist.

Anne Will macht mit ihrem Engagement aufmerksam auf ein Land, das abseits der Weltpolitik liegt. Abseits der Landepiste von Tonj liegen auch die Felder der Frauen, die schon wieder bei der Arbeit sind, als das Flugzeug in Richtung Nairobi abhebt. Trotz der eingehenden Erklärung mit Hilfe der mitgebrachten Kamerafrau, was ein Fernsehgerät ist, rätseln sie sicher immer noch, welchem Beruf die Deutsche nachgeht.

Jürgen Hammelehle
23.08.2005

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-> Reisetagebuch von Anne Will

"Gemeinsam für Afrika” ist eine gemeinschaftliche Aktion von 33 Hilfsorganisationen. Anne Will ist Botschafterin der Aktion, Schirmherr ist Bundespräsident Horst Köhler. Mehr Informationen unter http://www.gemeinsam-fuer-afrika.de/