DAHW 35 Jahre in Brasilien

Manfred Göbel spricht einem Leprakranken in Brasilien Mut und Hoffnung zu

DAHW-Repräsentant Manfred Göbel in Brasilien spricht einem Lepra-Kranken Mut und Hoffnung zu. Foto: Jochen Hövekenmeier / DAHW

Manfred Göbel als Mann der ersten Stunde in Mato Grosso. Seit 35 Jahren ist die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe in dem Land mit der höchsten Rate an Lepra-Neuerkrankungen weltweit tätig: Brasilien. Von 1924 bis 1962 war es Gesetz, die Leprakranken in Lepra-Kolonien zu deportieren. Doch einige Bundesländer, wie Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Maranhao und Amazonas, brachten ihre Kranken auch weiterhin - bis 1986 - in diese Lager, was gesetzlich jedoch nicht mehr erlaubt war.


(Würzburg / Cuiaba, 27. August 2014). So wurden noch bis Mitte der 1980er Jahre Menschen nach der Diagnose Lepra in Lepra-Kolonien deportiert, Familien zerrissen und Kinder von Lepra-Patienten zwangsweise zur Adoption gegeben. Lepra war dort so stark stigmatisiert, dass man bis heute nicht einmal das Wort in den Mund nehmen mag. Lepra heißt in Brasilien somit „Hanseníase“, benannt nach dem Entdecker des Lepraerregers Gerhard Armauer Hansen im Jahr 1873 im norwegischen Bergen.

Als Manfred Göbel in Brasilien ankam, herrschte noch die Militärjunta in dem Land zwischen Zuckerhut und Amazonas. Und als Kriegsdienstverweigerer mit langen Haaren und Bart hatte der Krankenpfleger aus Eichstätt einen schweren Stand. Nach Brasilien gekommen war Göbel als Entwicklungshelfer – einen Status, den er nach brasilianischem Selbstverständnis schon lange nicht mehr haben darf: Brasilien ist kein Entwicklungsland mehr. So haben sich auch seine Aufgaben gewandelt: vom Leprahelfer, der selbst Diagnosen stellt, hin zum Berater der nationalen Lepra-Kontrollprogramme einzelner Bundesstaaten.

Die fachliche Expertise der DAHW ist es, die nach 35 Jahren weiterhin gefordert ist: In dem staatlichen Basisgesundheitsdienst gibt es eine hohe Fluktuation bei den Medizinern – oftmals bedingt durch geringe Bezahlung. Neue Ärzte aber sind in Brasilien – trotz mehr als 34.000 Lepra-Neuerkrankungen pro Jahr – nicht oder nur rudimentär auf das Thema Lepra vorbereitet. An den meisten Universitäten steht diese Krankheit nicht auf dem Lehrplan.

Diverse Regierungen Brasiliens haben sich bereits darin versucht, das Problem Lepra kleinzureden: Von der Militärjunta mit ihren Zwangsdeportationen über sozialistische wie bürgerliche Politiker mit geschönten Zahlen, veränderten statistischen Bezugsgrößen oder durch das Todschweigen der Krankheit. So ist es in Brasilien verboten, Lepra auch „Lepra“ zu nennen: Die Krankheit wurde offiziell in „Hanseniase“ umbenannt. Gelöst hat es das Problem nicht: In Brasilien geht die Übertragung weiter, die Krankheit kann mit den bestehenden Mitteln nicht eingedämmt werden.

Im 35. Jahr seiner Tätigkeit setzt Manfred Göbel als Repräsentant der DAHW verstärkt auf Aus- und Weiterbildung des medizinischen Personals: Nur, wenn die Lepra frühzeitig diagnostizieren können, ist es möglich, die Zahl der Infektionen zu senken. Das ist eine aufwendige und nur langfristig zu betrachtende Strategie. Allerdings sind kurzfristige Erfolge in der Lepra-Arbeit ohnehin unmöglich und Manfred Göbel ist ein Garant für langfristige Arbeit. Mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als „Mann des Jahres“, wird seine Arbeit dort honoriert – besonders bei den Menschen, die arm sind und daher eine sehr große Wahrscheinlichkeit haben, selbst an Lepra zu erkranken.