Die Menschen nicht im Stich lassen

Training des Anlegens der Schutzkleidung im Ernstfall, nur noch das luftdichte Abkleben aller Oeffnungen fehlt_264

Spezielle Schutzkleidung verringert die Gefahr der Ansteckung. Foto: DAHW

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe wird trotz Ebola weiter in Sierra Leone und Liberia arbeiten. Die unterstützten Gesundheitsdienste und Krankenhäuser bleiben geöffnet, das Personal bleibt zunächst vor Ort. Die DAHW schickt Schutzkleidung und Desinfektionsmittel in ihre Projekte.


(Würzburg, 14. August 2014). Die Entscheidung, weiter zu arbeiten, haben alle Mitarbeiter freiwillig getroffen, betont Dr. Joost Butenop, medizinischer Berater der DAHW in der Würzburger Zentrale. Das Hilfswerk hatte zuvor seinen Mitarbeitern angeboten, sie an sichere Orte zu bringen.

Der niederländische Lepra-Arzt Dr. Pieter de Koning, für die DAHW in Liberia tätig, berichtet von einer stark steigenden Zahl an Patienten, weil viele medizinische Einrichtungen geschlossen wurden: "Viele der dortigen Mitarbeiter sind aus Angst vor Ebola geflohen, eine flächendeckende medizinische Versorgung gibt es nicht mehr."

Die deutsche Entsende-Organisation AGEH, die auch de Koning für die DAHW betreut, hat allen Mitarbeitern aus den betroffenen Ebola-Gebieten aus Westafrika zur Ausreise geraten. Doch der DAHW-Mediziner bleibt zunächst noch in Ganta, einem der wenigen noch funktionierenden Hospitäler im gesamten Bundesstaat Nimba.

Zur Unterstützung des Personals wird die DAHW dieses Hospital mit spezieller Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln versorgen, um die Gefahr der Ansteckung für die Mitarbeiter zu minimieren. "Im ganzen Land sind Desinfektionsmittel und Schutzmasken ausverkauft", berichtet Dr. Butenop in Würzburg: "Insgesamt beobachten wir die Entwicklungen kritisch und bewerten das Risiko für unsere Kollegen jeden Tag neu. Die Sicherheit geht vor."

Auch in Sierra Leone wird die DAHW ihre Arbeit fortführen, wenn auch unter erschwerten Bedingungen. Durch viele Einschränkungen im öffentlichen Leben, besonders für Reisen im Land, ist die Unterstützung für die Projekte vor Ort schwieriger geworden. Die aus Sierra Leone stammende Repräsentantin der DAHW, Dr. Yvonne Harding, wird gemeinsam mit Partnern im Gesundheitsministerium weiterhin die Projekte in abgelegenen Gegenden betreuen, damit die Menschen dort weiter versorgt werden.

"Die DAHW wird jetzt kein Ebola-Hilfswerk, dafür fehlt uns einfach die Expertise", betont Dr. Butenop: "Aber wir möchten auch in diesen Zeiten die medizinische Grundversorgung der uns anvertrauten Lepra- und Tuberkulose-Patienten vor Ort weiterhin sicherstellen und die Organisationen, die aktiv gegen Ebola kämpfen, nach unseren Möglichkeiten unterstützen. Es besteht jetzt die Gefahr, dass alle medizinische Regelversogung eingestellt wird, das wäre das falsche Signal an die Bevölkerung."

Eine wichtige Unterstützung läuft seit Beginn des Ausbruchs von Würzburg aus im Internet: Mit der MEDBOX (www.medbox.org) hat Dr. Butenop dank Unterstützung der DAHW und des Missionsärztlichen Instituts in Würzburg im vergangenen Jahr eine Datenbank für Krankheiten in der Entwicklungszusammenarbeit aufgebaut. Inzwischen ist MEDBOX die größte frei verfügbare Datensammlung zu Ebola weltweit.