Ebola zwischen Angst und Verharmlosung

Dr. Pieter de Koning bei der Behandlung eines Buruli-Patienten

Dr. Pieter de Koning bei der Behandlung eines Buruli Ulcer Patienten im Ganta Leprosy and Tuberculosis Rehabilitation Center in Ganta, Liberia. Foto: DAHW

Die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe fordert mehr Engagement aus Europa für den Kampf gegen Ebola und gezielte Wiederaufbaumaßnahmen für die Zeit danach. Die DAHW ist seit vielen Jahren in Sierra Leone und Liberia aktiv, unterstützt derzeit aktiv die Ebola-Arbeit und hält - wo immer es möglich ist - auch die allgemeine Krankenversorgung aufrecht.


(Würzburg, 21. Oktober 2014). „Die DAHW wird dort sein, auch wenn die Länder Westafrikas nicht mehr im Fokus der medialen Öffentlichkeit stehen werden.“ Diese Aussage von DAHW-Geschäftsführer Burkard Kömm ist auch eine Forderung an die Öffentlichkeit in Deutschland, sich am Wiederaufbau der Gesundheitssysteme zu beteiligen, durch Spenden oder öffentliche Zuschüsse.

Die Gesundheitssysteme in Sierra Leone und Liberia waren schon vor dem Ebola-Ausbruch lediglich schwach ausgebildet und sind bereits völlig kollabiert, berichtet Dr. Pieter de Koning: „Wegen Ebola sterben derzeit mehr Menschen an einfach zu behandelnden Krankheiten wie Tuberkulose, Malaria oder Durchfall, als an Ebola selbst.“

Zur Begründung sagt der niederländische Arzt: „Dies ist der Situation geschuldet, dass viele Gesundheitseinrichtungen schließen mussten, weil das Personal geflohen oder selbst erkrankt und gestorben ist. In einigen Jahren wird es kein Personal für die Gesundheitseinrichtungen und damit keine Behandlung mehr geben.“

Dr. de Koning ist seit drei Jahren für die DAHW als Lepra-Arzt in der liberianischen Stadt Ganta tätig. Während der vergangenen Monate hat er mit seinem Hospital die Grundversorgung im Bundesstaat Nimba soweit es ging aufrecht gehalten und die Stellen unterstützt, die Ebola-Patienten behandeln. Jetzt ist der niederländische Arzt für einige Wochen zu einem bereits länger geplanten Besuch in Deutschland.

DAHW-Geschäftsführer Kömm betont: „Es gibt in Deutschland keinen Grund zu Angst oder gar Panik. Die Gefahr, sich hier mit Lepra zu infizieren, ist immer noch höher.“ Allerdings müssten die Rückkehrer aus dem Ebola-Gebiet ihre Verantwortung ernst nehmen und sich selbst laufend auf eventuelle Symptome kontrollieren: „Dr. de Koning misst fünf Mal täglich seine Temperatur.“

Gemeinsam mit ihren Partner-Organisationen der ILEP (internationale Vereinigung der Lepra-Hilfswerke) hat die DAHW ein Fünf-Punkte-Programm erarbeitet:

  1. Förderung der home-based-care,
  2. Train the Trainer vor Ort (Schutzmaßnahmen für medizinisches Personal),
  3. Information der Bevölkerung durch Nutzung der vorhandenen Netzwerke,
  4. Stärkung des „Alltags“ im Gesundheitswesen, sowie
  5. Planung der Gesundheitssysteme für die Zeit nach Ebola

Für die ersten drei Punkte werden die DAHW und ihre Partner die Organisationen unterstützen, die direkt an den Ebola-Patienten arbeiten, betont Kömm: „Wir werden durch diese Unterstützung selbst nicht zum Ebola-Hilfswerk.“ Dabei nutzt die DAHW besonders ihre engmaschigen Strukturen aus der Lepra-Arbeit: Gesundheitshelfer vor Ort haben sichere und belastungsfähige Zugänge zu den meisten Dörfern, selbst in entlegenen Regionen.


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