HIV/Aids und TB - eine tödliche Allianz

Forschung intensivieren

DAHW fordert zum Welt-Aids-Tag: Forschung intensivieren!


(Enugu/Würzburg, im November 2008). Fast vier Millionen Menschen sterben in diesem Jahr entweder an HIV/Aids oder an Tuberkulose. Beide Krankheiten sind weltweit die gefährlichsten Infektionskrankheiten mit den meisten Todesopfern. Doch immer öfter treten Ko-Infektionen auf: Patienten, die sowohl mit HIV als auch mit TB infiziert sind und deren Chance, diese Infektion zu überleben, auf ein Minimum sinkt, wenn sie nicht behandelt werden. Auf diese Gefahr weist die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember hin.

Für HIV-Patienten bedeutet eine Infektion mit Tuberkulose, dass die Krankheit Aids deutlich schneller ausbricht und das gesamte Immunsystem weiter geschwächt wird – TB ist mittlerweile die häufigste Todesursache für Menschen mit einer HIV-Infektion. Ohnehin erkranken HIV-Patienten schneller an Tuberkulose: Jeder dritte Mensch weltweit ist mit TB-Bakterien infiziert – oftmals, ohne dies zu merken. Bei gesunden Menschen sorgt ein stabiles Immunsystem dafür, dass sich diese Bakte-rien im Körper nicht vermehren und die Krankheit nicht ausbricht. HIV-Patienten hingegen sind leichte Opfer für die Bakterien.

In 14 Bundesstaaten in Nigeria fördert die DAHW über das staatliche Nationalpro-gramm Projekte, in denen die TB/HIV-Kontrolle routinemäßig verankert ist: Jeder Patient, der sich auf Tuberkulose untersuchen lässt, kann freiwillig an einem HIV/Aids-Test teilnehmen. Wenn das Ergebnis positiv ist, wird er an ein Programm zur HIV/Aids-Behandlung überwiesen. In Nigeria sind gut 20 Prozent aller TB-Patienten HIV-positiv.

Pro Tag zwölf Tabletten – DAHW forscht nach Lösungen

Um überhaupt eine Überlebenschance zu haben, müssen Patienten mit einer TB-HIV-Koinfektion täglich zwölf Tabletten einnehmen. Dabei gibt es zwei große Probleme:
Erstens sind besonders in den Schwerpunktländern der Koinfektion – in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara – die richtigen Medikamente nicht immer vorhanden. Der Grund für diesen beschämenden Mangel liegt in der Patentsituation vieler Medikamente: durch Patentierungen werden die Preise künstlich hoch gehal-ten, so dass sie für Menschen in armen Ländern fast unerschwinglich sind.

Durch die Ko-Infektion TB und HIV/Aids ist die Patientin sehr geschwächt und muss in der Klinik bleiben. Ihr Mann kann sie nur am Wochenende besuchen. Foto: Jochen Hövekenmeier

Dazu gibt es noch das zweite Problem, dass die vorhandenen und bezahlbaren Medikamente in ihrer Kombination den Körpern oftmals Schäden zufügen: Zwölf Tabletten täglich potenzieren ihre Nebenwirkungen – die bezahlbaren Medikamente der Standardtherapien sind schon sehr alt, während moderne Medikamente mit besseren Verträglichkeiten zu teuer sind.

In der nigerianischen Provinzhauptstadt Enugu unterstützt die DAHW daher ein Forschungsprojekt zur Reduzierung dieser Unverträglichkeiten sowie der Anzahl von Tabletten bei der Standardtherapie. Dr. Joseph Chukwu, medizinischer Berater der DAHW in Nigeria, leitet dieses Forschungsprojekt und geht davon aus, bis Mitte 2010 verwertbare Ergebnisse vorlegen zu können.

„Wir können als kleine Hilfsorganisation in Nigeria allerdings nicht die gesamte finanzielle Last dieser Forschung tragen“, so das bisherige Fazit von Dr. Chukwu, und der medizinische Leiter der DAHW, Dr. Adolf Diefenhardt, pflichtet ihm bei: „Wir müssen in Deutschland und anderen reichen Ländern endlich dafür sorgen, dass die Forschung nach lebenswichtigen Medikamenten öffentlich und privat gefördert wird und die Ergebnisse dann auch öffentlich verwertet werden dürfen. Wenn von der Privatindustrie gemeinnützige Werte wie. Medikamente geschaffen werden, dann müssen Öffentlichkeit und Politik im Sinne des Gemeinwohls aktiv werden, und diese Medikamente lebensbedrohlich Erkrankten zur Verfügung stellen. Das ist ein Gebot der Menschlichkeit und Solidarität und könnte beispielsweise über eine Steuer auf internationale Devisenströme oder andere Abgaben finanziert werden.“

Leidtragende dieses Skandals sind besonders die Patienten mit TB-HIV-Koinfektion, die überwiegend in armen Ländern leben. Dort sind die modernen und – weil patentrechtlich geschützten – teuren Medikamente für die meisten Menschen unerschwinglich.