Langfristige Lepra-Arbeit gefordert - WHO vollzieht Richtungswechsel

Die Weltgesundheits-
organisation (WHO) hat einen Richtungswechsel in der weltweiten Leprastrategie vollzogen:


(Würzburg, 14. Juli 2005) Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat einen Richtungswechsel in der weltweiten Leprastrategie vollzogen: Nachdem Lepra über Jahre als leicht eliminierbar erschien, wird jetzt erkennbar, dass die endgültige Ausrottung der Erkrankung noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird.

Die WHO ist zunächst davon ausgegangen, die Krankheit könnte in absehbarer Zeit so weit  eingedämmt werden, dass sie keine relevante Aufgabe mehr für die Gesundheitsdienste in der "Dritten Welt" darstellt. Angesichts von 513.000 neuen Fällen weltweit allein im Jahr 2003 haben die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) und andere Hilfsorganisationen immer wieder vor dieser Einschätzung gewarnt.

"Wegen der Inkubationszeit von mehreren Jahren, mitunter sogar von Jahrzehnten, muss ein Bewusstsein für die Gefahren lange bestehen bleiben", erklärt DAHW-Geschäftsführer Jürgen Hammelehle. "Wenn durch doppeldeutige und kurzfristig unerreichbare ’Eliminationsziele’ die staatlichen Gesundheitsdienste ihre Lepra-Arbeit vernachlässigen, führt das unweigerlich dazu, dass die Krankheit sich wieder ausbreitet. Die Erfolge einer jahrzehntelangen Hilfe im Kampf gegen Lepra wären zunichte gemacht."

Entsprechende Warnungen der Internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke (ILEP), in der auch die DAHW vertreten ist, hat die WHO jetzt berücksichtigt: Sie hat Anfang Juli in Übereinstimmung mit der ILEP ein Strategie-Papier zur Leprabekämpfung 2006-2010 herausgegeben.

Die WHO fordert darin ausdrücklich, dass auch in Ländern, in denen die Krankheit eingedämmt werden konnte, das heißt höchstens ein Fall pro 10.000 Einwohner auftritt, eine langfristige und umfassende Lepra-Arbeit gesichert wird. Oft sei sogar eine Ausweitung der Gesundheitsdienste nötig, weil Lepra in vielen Regionen Indiens und Brasiliens noch immer epidemische Ausmaße annimmt. Ziel der WHO und der ILEP bleibt es, Lepra in allen betroffenen Ländern einzudämmen.

Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Früherkennung zu: Die Kranken müssen rechtzeitig behandelt werden, damit sie niemanden anstecken und ihnen Verstümmelungen erspart bleiben. Bislang sind weltweit 15 Prozent aller neuen Patienten bereits behindert, bevor sie zur Behandlung kommen und die Lepra-Bakterien mit Antibiotika abgetötet werden. Viele Opfer müssen mit verstümmelten Händen und Füßen leben und brauchen Nachsorge, Beratung und gegebenenfalls chirurgische Behandlung. Die Gesamtzahl der infolge von Lepra behinderten Menschen wird auf bis zu vier Millionen geschätzt.

Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) wurde 1957 in Würzburg gegründet. Sie stellt die Behandlung von rund 94.000 oder 18 Prozent aller weltweit registrierten Lepra-Patienten sicher.


DAHW-Geschäftsführer Jürgen Hammelehle steht für Interviews zu Verfügung.

Kontakt: Renate Vacker, Pressesprecherin, Tel.: 0931/ 7948-132, renate.vacker@dahw.de
Thorsten Beil, Pressereferent, Tel.: 0931/7948-130, thorsten.beil@dahw.de

Das WHO Strategy Paper for Leprosy Control 2006-2010 können Sie sich im PDF-Format downloaden oder finden Sie unter  http://www.who.int/lep/

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