Lepra-Arbeit: Kritischer Punkt erreicht

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Die DAHW warnt anlässlich des Welt-Lepra-Tages davor, die Lepra-Arbeit in der "Dritten Welt" zu vernachlässigen.


(Würzburg, Januar 2005) Die Lepra-Arbeit in der "Dritten Welt" ist an einem kritischen Punkt angelangt. Darauf weist die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) anlässlich des Welt-Lepra-Tages am 30. Januar hin.

"Im Kampf gegen die Krankheit sind zwar viele Erfolge aufzuweisen", erklärt DAHW-Geschäftsführer Jürgen Hammelehle. "Aber gerade deswegen besteht die Gefahr, dass Gesundheitsbehörden in armen Ländern ihre Lepra-Arbeit vernachlässigen. Die Folge wäre, dass die Krankheit sich wieder ausbreitet."

Die Zahl der registrierten Neuerkrankungen geht weltweit seit Jahren zurück: 2003 wurden laut der Weltgesundheits-Organisation (WHO) über 500.000 Patienten gegen Lepra behandelt, davon 18 Prozent in DAHW-Projekten. Im Jahr 2001 waren es noch über 760.000.

"Um Geld zu sparen, werden Regierungen in armen Ländern vielleicht schon bald den Kampf gegen die Krankheit einschränken", so der DAHW-Geschäftsführer. "Angesichts der zurückgehenden Patienten-Zahlen hätten sie eine vordergründige Rechtfertigung. Doch die Zahlen täuschen eine falsche Sicherheit vor."

In dem brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul hat sich die Vernachlässigung der Lepra-Arbeit bereits bemerkbar gemacht. In den 90-er Jahren galt die Krankheit dort als eliminiert, weil pro 10.000 Einwohner weniger als ein Fall auftrat. Daraufhin wurde die staatliche Lepra-Arbeit stark eingeschränkt. Die Zahl der Kranken ist seitdem wieder angestiegen. Außerdem leiden jetzt 63 Prozent der neuen Patienten an irreparablen Behinderungen, weil sie zu spät behandelt werden. In den 90-er Jahren waren es nur 15 Prozent. Der Bundesstaat hat die DAHW deswegen um Unterstützung gebeten: Seit 2003 hilft die DAHW in Rio Grande do Sul, Lepra wieder einzudämmen.

Die DAHW ruft die deutsche Bundesregierung auf, in der "Dritten Welt" auf die intensive Fortsetzung der Lepra-Arbeit zu drängen. "Die Erfolge einer jahrzehntelangen strukturellen Entwicklungshilfe im Kampf gegen Lepra, die von deutschen Spendern und Steuerzahlern wesentlich mitgetragen wurden, dürfen nicht umsonst gewesen sein", so Jürgen Hammelehle.

Angesichts einer Inkubationszeit von mehreren Jahren, mitunter sogar von Jahrzehnten, muss ein Bewusstsein für die Gefahren der Krankheit lange bestehen bleiben. Staatliches Personal muss weiterhin geschult und die Bevölkerung muss aufgeklärt werden. Auch eine aktive Suche nach den Kranken ist wichtig. Nur so kann man Lepra frühzeitig erkennen und behandeln.

DAHW-Geschäftsführer Jürgen Hammelehle steht für Interviews zur Verfügung.

Kontakt:
Renate Vacker, Pressesprecherin, Telefon: (0931) 7948-132,
E-Mail: renate.vacker@dahw.de
Thorsten Beil, Pressereferent, Telefon: (0931) 7948-130,
E-Mail: thorsten.beil@dahw.de

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