Leprakongress mit Appell gegen Diskriminierung

DAHW-Experten fordern mehr Investitionen in Forschung


(Hyderabad / Würzburg, 04. Februar 2008). Der 17. Internationale Leprakongress, der vom 30. Januar bis 4. Februar 2008 in Hyderabad / Indien stattfand, wurde von der International Leprosy Association (ILA) in Zusammenarbeit mit der indischen Regierung veranstaltet. Unterstützt wurde der Kongress u.a. von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Vereinigung der Leprahilfswerke (ILEP), deren Gründungsmitglied die DAHW ist. Auf dem heute beendeten Kongress haben Experten aus aller Welt einmütig das sofortige Ende aller Diskriminierungen gefordert. Angeprangert wurden besonders gesetzliche Regelungen von Staaten, die bei der Einreise nach einer früheren Lepra-Erkrankung fragen oder die Patienten zu Scheidung, Aufgabe des Eigentums, des Arbeitsplatzes oder einer schulischen Ausbildung zwingen. "Es sind aber auch die kleinen Diskriminierungen des Alltags, gegen die wir vorgehen müssen“, warnt der medizinische Leiter der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) Dr. Adolf Diefenhardt: "In vielen Ländern gibt es eine starke Diskrepanz zwischen enormem Reichtum und unvorstellbarer Armut. Dort stehen vor vielen Geschäften Wachleute, die Leprapatienten den Zutritt verwehren, dort werden diese Menschen auch heute noch vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, selbst wenn die Gesetze eine Diskriminierung verbieten.“

Über die älteste Krankheit der Welt gibt es nur wenig Wissen
Weitere Schwerpunkte der Tagung waren medizinische Forschung und die Behandlung der Krankheit. "Hier hat es einige vielversprechende Ansätze gegeben“, so Lepra-Experte Dr. Diefenhardt rückblickend: "Allerdings bedeutet dies auch, dass wir dringend mehr Mittel für die Forschung zur Verfügung stellen müssen.“ Nach Aussage des Lepra-Experten seien bislang nicht einmal sämtliche Übertragungswege bekannt. Die Gründe dafür seien bei Regierungen und Pharmakonzernen zu finden: "So lange wir mit einem Bruchteil der Forschungsmittel auskommen müssen, die allein für Haarwuchs- und Potenzmittel investiert werden, wird sich an dieser traurigen Situation auch nicht viel ändern.“

Studie gibt neuen Anlass zum Zweifel an offiziellen Statistiken
Studien werden daher von Lepra-Ärzten in den betroffenen Ländern ohne große finanzielle Unterstützung und mit einfachen Mitteln erstellt. So auch eine Studie aus Mumbai/Indien. Deren Verfasser kommen zu dem Ergebnis, dass nur rund 20% aller neu an Lepra erkrankten Menschen offiziell registriert werden. Diese Studie stütze die Befürchtung der DAHW zum Welt-Lepra-Tag, nach der die Zahl der Erkrankten weit über der offiziellen Zahl liegen wird, so Diefenhardt abschließend: "Zwar hat diese Studie wegen der besonderen Umstände einige Schwächen, aber sie belegt eindeutig, dass viele Erkrankte offiziell nicht registriert werden – egal, ob es nun fünfmal oder ‚nur’ doppelt so viele sind. Dies wird in absehbarer Zeit zu einem Mangel an Medikamenten führen.“ In Brasilien fehlten vor wenigen Wochen Medikamente für 5.000 Patienten, weil genau diese Anzahl vor einigen Jahren in der offiziellen Statistik gefehlt hatte. Auch in Indien gab es bereits erste Berichte über fehlende Medikamente.


Kontakt: Renate Vacker, Tel: (0931) 7948-132, presse@dahw.de