Raketen auf Krankenhaus-Neubau

Jemen-2015_06_264

Das noch im Bau befindliche Krankenhaus in Taiz wurde bei einem Luftangriff beschädigt. Foto: Dr. Yasin Al-Qubati/DAHW

Der Krieg in Jemen erschwert die Hilfe von DAHW und AHWÖ. Ein noch in Bau befindliches Krankenhaus in Taiz wurde bei einem Luftangriff beschädigt. Zwei Raketen haben den Neubau getroffen und das oberste Stockwerk zerstört. Das Krankenhaus sollte im kommenden Jahr in Betrieb gehen. Durch die Druckwellen wurde auch das benachbarte Altersheim für von Lepra betroffene Menschen stark beschädigt.


(Taiz/Würzburg/Bregenz, 5. Juni 2015). Einhellig verurteilen die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe und das Aussätzigen-Hilfswerk Österreich (AHWÖ) die Zerstörung des Rohbaus: "Das gezielte Bombardieren von Gesundheitseinrichtungen ist ebenso ein Kriegsverbrechen wie die Stationierung von bewaffneten Einheiten in diesen Gebäuden", betont Pfarrer Edwin Matt, Kuratoriumsvorsitzender des AHWÖ. In dem Gebäude hatten sich kurz zuvor Milizen versteckt.

Mit Baukosten von rund einer Million Euro entsteht in Taiz eine hochmoderne Hautklinik, in der auch von Lepra betroffene Menschen behandelt werden sollen. Durch die enge Zusammenarbeit von DAHW und AHWÖ werden diese Menschen dort einen barrierefreien Zugang zu Diagnose und Therapie erhalten.

Ursprung der Planungen war ein dem AHWÖ vermachtes Legat für eine bessere Behandlung der von Lepra Betroffenen. Durch Zuschüsse des britischen Entwicklungsministeriums (DFID) konnte die Realisierung begonnen werden.

Partner vor Ort sind die Gemeindeverwaltung Taiz, der nationale jemenitische Entwicklungsfond sowie die unabhängige jemenitische Lepra-Organisation YELEP. YELEP wird von Dr. Yasin Al-Qubati geleitet, Repräsentant der DAHW in Jemen und einer der führenden Lepra-Experten.

Schon mehrfach standen Yasin Al-Qubati und seine Mitarbeiter in dem kriegs- und krisengeschüttelten Land zwischen den Fronten: Als Unterstützer des arabischen Frühlings bekam er vor drei Jahren Probleme mit der jemenitischen Armee, die sein Büro besetzte. Vor zwei Jahren entging er nur knapp und schwer verletzt einem Mordanschlag.

Mit Beginn des offenen Krieges zwischen der saudisch geführten Allianz und den Huthi-Rebellen musste Yasin Al-Qubati die Lepra-Arbeit einstellen. Er selbst und die meisten seiner Mitarbeiter versorgen seither als freiwillige Nothelfer die zahlreichen zivilen Opfer des Krieges.

Vor dem Hintergrund des Krieges und der schon seit Jahrzehnten stetig wachsenden Wasser- und Ressourcenknappheit geht es im Jemen um die behutsame Stärkung vorhandener Friedens- und Entwicklungspotentiale. AHWÖ und DAHW hoffen daher, dass die Genfer Friedensgespräche erfolgreich sein werden.