"Rifampicin hat großes Interaktionspotential zu anderen Medikamenten"

Beim Tod des früheren serbischen Präsidenten soll Lepra- und TB-Medikament eine Rolle spielen


Lepra- und Tuberkulosemedikament ist erprobt   

(Würzburg, 13.03.2006) Bei dem Medikament, das im Zusammenhang mit dem Tod des früheren serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic eine Rolle spielen soll, handelt es sich um das Antibiotikum Rifampicin. "Es ist bekannt, dass Rifampicin ein großes Interaktionspotential zu anderen Medikamenten hat“, erklärte Dr. Adolf Diefenhardt, Tropenmediziner und Leiter der Medizinisch-Sozialen Abteilung der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe(DAHW). "Möglicherweise hat Rifampicin Herzmedikamente, die Milosevic einnehmen musste, in ihrer Wirkung abgeschwächt oder sogar dosisabhängig unwirksam gemacht“, so Diefenhardt. Bestimmungsgemäß eingenommen stelle Rifampicin jedoch keine Gefahr für Patienten dar.

Rifampicin wird seit langem sowohl in der Lepra- als auch in der Tuberkulosebehandlung zusammen mit weiteren Antibiotika eingesetzt. Beide Krankheiten haben ähnliche Erreger und sind heilbar. Sie werden deshalb in kombinierten Programmen bekämpft. Die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) – das frühere Deutsche Aussätzigenhilfswerk - fördert mehr als 300 Projekte in 36 Ländern.

Der frühere jugoslawische Präsident war am vergangenen Samstag tot in seiner Zelle beim UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag aufgefunden worden. Er stand dort seit 2002 wegen seiner Rolle im Balkankrieg vor Gericht. Nach dem vorläufigen Ergebnis der Obduktion starb Milosevic an einem Herzinfarkt.