TB in Deutschland - gefährlich, aber kein Grund für Panik

DAHW plädiert für realistischen Blick auf die Krankheit


Nach den Medienberichten über die Tuberkulose-Erkrankung einer Lehrerin am Niederrhein warnt die DAHW Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe vor Panik-Reaktionen genauso wie vor zu großer Gleichgültigkeit. TB ist zwar weltweit enorm auf dem Vormarsch, in Deutschland jedoch sinken die Zahlen seit vielen Jahren kontinuierlich.

(Würzburg, 13. Januar 2012). Fast 10 Mio. Menschen sind im vergangenen Jahr weltweit an Tuberkulose erkrankt und fast 2 Mio. daran gestorben. Damit hat sich die Zahl der TB-Opfer in 20 Jahren weltweit mehr als verdreifacht (1990: rund 3 Mio. Patienten). In Deutschland hingegen war die Entwicklung genau gegenteilig: 1990 gab es noch rund 15.000 Erkrankungen, heute weniger als 5.000 pro Jahr. Ein wichtiger Grund dafür: Tuberkulose ist eine Krankheit der Armut – bei ausreichender Ernährung, Gesundheit und Hygiene ist die Chance zu erkranken sehr gering.

Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzen, dass jeder dritte Mensch den TB-Erreger (Mycobacterium tuberculosis) in seinem Körper trägt, also bereits infiziert ist. Weniger als 10% dieser Menschen werden jedoch im Laufe ihres Lebens daran erkranken.

Dies geschieht zumeist bei den Menschen, deren Immunsystem geschwächt ist: durch Unter- oder Mangelernährung, auch durch andere Krankheiten wie beispielsweise Diabetes oder HIV/Aids. Wird die Tuberkulose-Erkrankung frühzeitig entdeckt, ist die Behandlung normalerweise einfach und weltweit standardisiert. In reichen Ländern wie Deutschland ist selbst die Behandlung einer multiresistenten TB, wenn auch mit höherem Aufwand kein Problem, denn hier sind die Ausweichmedikamente zu bekommen und auch finanzierbar. In ärmeren Ländern stellt genau dies allerdings ein gravierendes Problem dar.

Das größte Problem ist die Diagnose – auch in Deutschland: Durch keine derzeit bekannte Diagnosetechnik kann eine Infektion zweifelsfrei festgestellt oder ausgeschlossen werden, solang die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist,

Darüber hinaus gibt es keinen sicheren Schutz vor Ansteckung: Die Impfung (BCG, seit 1921) ist lediglich bei Kleinkindern sinnvoll, deren Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist und hat bis zum Alter von ca. sechs Jahren eine schützende Wirkung. Grundsätzlich gilt aber: Selbst diese Impfung schützt nicht wirklich ausreichend vor Ansteckung mit Tuberkulose, besonders nicht Erwachsene.

Die Übertragung verläuft ähnlich wie bei Erkältung oder Grippe. Dabei können die TB-Erreger über die Luft übertragen werden, beispielsweise durch Husten (als Tröpfcheninfektion). Die Gefahr einer Ansteckung ist allerdings nur groß, wenn dies in geschlossenen, engen und dunklen Räumen geschieht, da die Bakterien im Freien durch UV-Strahlung sehr schnell sterben.

Tuberkulose ist in Deutschland eine meldepflichtige Krankheit. Daher ermitteln die Gesundheitsämter auch Menschen, die mit den Erkrankten in Kontakt standen. Je nach dem, wie groß die Gefahr ist, sich zu infizieren oder gar zu erkranken. Veranlasst das Gesundheitsamt die dann erforderlichen Untersuchungen.


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