Tuberkulose bei Ferrari erregt Aufsehen

DAHW erinnert an mehr als 9 Mio. TB-Patienten weltweit


(Würzburg, 21. Mai 2008). Derzeit kursieren in zahlreichen Medien verschiedene Zahlen zum Thema Tuberkulose. Ein Grund dafür mag der Bericht der britischen Boulevardzeitung Sun sein, nach dem ein Mitarbeiter des Formel 1-Teams Scuderia Ferrari an Tuberkulose erkrankt sein soll.

Unabhängig davon, dass die Krankheit eines unbekannten Mechanikers eines Formel 1-Teams mehr Aufsehen erregt als 5.000 Todesopfer, die täglich durch TB zu beklagen sind, fordert die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) einen besseren Zugang für TB-Patienten zu Diagnose und Behandlung, denn:

  • 9,157 Mio. Menschen sind im Jahr 2006 neu an TB erkrankt (neuere Zahlen liegen noch nicht vor, werden aber deutlich höher sein).
  • 1,656 Mio. Menschen sind 2006 an TB gestorben.
  • Ohne Behandlung sterben ca. 50% der Erkrankten.
  • Es gibt keine Impfung mit ausreichender Schutzwirkung.
  • Das "modernste" Medikament gegen TB ist 42 Jahre alt.

Die meisten TB-Patienten leben in Ländern der "3. Welt" und sind dort in den Armutsquartieren zu finden – TB ist eine "Krankheit der Armut". Dies ist auch ein Grund, warum viele Jahre kaum an neuen Medikamenten geforscht wurde.

Mittlerweile gibt es multiresistente TB-Bakterien (MDR-TB), bei denen die Medikamente der Standard-Therapie keine Wirkung zeigen sowie extrem resistente Erreger (XDR-TB), bei denen überhaupt kein Medikament wirkt.

Die Formel 1 könnte jetzt helfen

Die DAHW geht davon aus, dass der betroffene Ferrari-Mitarbeiter bestens versorgt und in sechs bis neun Monaten vollständig geheilt sein wird – im Gegensatz zu seinen mehr als 9 Mio. Leidensgenossen in den ärmsten Ländern der Welt. Dort sterben viele Menschen an TB, weil sie sich einen Arzt oder die Medikamente nicht leisten können.

"Gerade im Vorfeld des prestigeträchtigen Rennens in Monaco könnten die Rennställe jetzt ein Zeichen setzen", meint DAHW-Geschäftsführer Jürgen Hammelehle: "Mit nur 1% vom Umsatz der Formel 1 könnten wir in unseren Hilfsprojekten 600.000 Menschenleben retten." Die Standard-Behandlung eines TB-Patienten in den ärmeren Ländern kostet rund 50 Euro.

Indien als Heimat des Formel 1-Teams Force India hat mit fast 2 Mio. Neuerkrankungen jährlich die mit Abstand meisten TB-Patienten und mit 325.000 die meisten Todesopfer gefolgt von China (Rennen in Shanghai am 19. Oktober) mit 1,3 Mio. Patienten und 200.000 Opfern. In Brasilien (Heimat der Fahrer Massa, Piquet und Barichello) erkranken jährlich rund 100.000 Menschen an TB, 8.000 sterben daran.

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