Wichtiger Meilenstein im Kampf gegen Tuberkulose

Indien: Medikamentenausgabe direkt vor Ort

DAHW arbeitet mit völlig neuem Konzept in Slums von Kolkata


(Würzburg, Münster im März 2008). Die Zahl der an Tuberkulose Erkrankten hat sich in den vergangenen 12 Jahren fast verdreifacht. Darauf weist die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe (DAHW) zum Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März hin. Besonders gefährlich sind die inzwischen immer häufiger auftretenden multiresistenten Erreger. Diese entstehen durch vorzeitiges Abbrechen der Antibiotika-Therapien und sind danach nur sehr schwierig, in manchen Fällen gar nicht mehr zu behandeln. Auch die Immunschwächekrankheit HIV/Aids begünstigt die Ansteckung mit TB.

In den Slums der indischen Millionenstadt Kolkata leben mehr als sieben Millionen Menschen auf engstem Raum, unter extrem schlechten hygienischen Voraussetzungen und von durchschnittlich weniger als 30 Cent pro Tag – ein idealer Nährboden für Tuberkulose. Einen Arzt können sich die Menschen dort nicht leisten, bei ernsthaften Erkrankungen gehen sie zu ihren "Quacks“ – Dienstleister im Gesundheitsbereich ohne jede medizinische Ausbildung. Rund 20% der TB-Patienten haben nach wenigen Wochen ihre Behandlung abgebrochen – zumeist aus Kostengründen.

Neue Idee: Zusammenarbeit mit "Quacks“ in den Slums

Die Lösung des Problems heißt "PPM“ – Public-Private-Mix. Dabei spielen die "Quacks“ – die Übersetzung "Quacksalber“ ist zwar naheliegend, würde jedoch der Arbeit und dem Ansehen dieser Heiler nicht gerecht werden – eine wichtige Rolle: Sie werden von Ärzten der DAHW geschult, um Symptome der TB besser zu erkennen. Beim geringsten Verdacht überweisen sie ihre Patienten zur Diagnose an die Gesundheitszentren. Von dort bekommen sie die Medikamente für ihre Patienten.

Die wichtigste Aufgabe haben aber die Gesundheitsarbeiter der DAHW: Sie sind Bindeglied zwischen den Quacks, ihren Patienten, den Ärzten der DAHW sowie den indischen Behörden. Ohne sie würde das neue Konzept nicht funktionieren. Sie kontrollieren die Quacks bei der Ausgabe der Medikamente und bei der Abrechnung.

Der Erfolg dieser Zusammenarbeit: Die Zahl der Therapieabbrüche sank auf nur noch 2%. Damit wurde die gefährliche Entwicklung von immer mehr Rückfällen mit resistenten Erregern erstmals durchbrochen.

Mitmachen bei der weltweiten Aktion: "Ich stoppe Tuberkulose“

Die Gesundheitsarbeiter haben die Schlüsselrolle in diesem neuen Konzept der Vernetzung: Jeder ist zuständig für ein Wohngebiet mit rund 50.000 Menschen und betreut zwischen 10 und 20 Quacks. Nur der flächendeckende Zugang zu rechtzeitiger Diagnose und die regelmäßige Einnahme der Medikamente bieten die Chance, die Übertragung der gefährlichen Infektionskrankheit unter Kontrolle zu bringen. Die DAHW übernimmt deshalb die Ausbildung der Gesundheitsarbeiter, die Schulungen für die Quacks, Fahrtkosten und nicht zuletzt ein kleines Gehalt, das zwar bescheiden ausfällt, aber eine kontinuierliche Arbeit gewährleistet.

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