Zweiter internationaler "White Band Day"

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300.000 Stimmen gegen Armut an Bundeskanzler Schröder


Berlin/ Bonn, 9. September 2005.  Rund 300.000 Stimmen gegen Armut hat die Aktion "Deine Stimme gegen Armut" anlässlich des zweiten internationalen "White Band Days" an Bundeskanzler Gerhard Schröder übergeben. Der Vorstandsvorsitzende vom Verband Entwicklungspolitik (VENRO), Reinhard Hermle, forderte den Kanzler dabei auf, sich persönlich beim UN-Gipfel "Millennium+5" in New York  für verstärkte Anstrengungen zu Gunsten der Millenniumsziele einzusetzen. Zuvor hatten hunderte Unterstützer auf dem Platz der Republik ein achthundert Meter langes Weißes Band, das Symbol der weltweiten Aktion, präsentiert. Auf Teilstücken des Bandes wurden in den letzten Wochen in ganz Deutschland tausende Unterschriften und Botschaften an die Regierung gesammelt.


"Deutschlands entwicklungspolitische Nichtregierungsorganisationen erwarten, dass der UN-Gipfel über die Beschlüsse des G8-Gipfels in Gleneagles hinausgeht", so Hermle. Diese seien völlig unzureichend geblieben: "Die für 2010 in Aussicht gestellten Mehrausgaben für Entwicklungszusammenarbeit kommen für die Umsetzung der Millenniumsziele bis 2015 zu spät. Die tatsächliche Entlastung durch die neue Schuldeninitiative - so willkommen sie grundsätzlich ist - ist zu gering. Und beim wichtigen Thema Handel gibt es bislang nur vage Willenserklärungen." So unterstützten die Geberländer bekanntlich die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern mit einer Milliarde US-Dollar pro Jahr, gäben aber für die Subventionierung der eigenen Agrarindustrie eine Milliarde Dollar pro Tag aus.

Bundeskanzler Gerhard Schröder begrüßte die Forderungen der Aktion

Bundeskanzler Gerhard Schröder begrüßte die Forderungen der Aktion "Deine Stimme gegen Armut". Foto: VENRO, Bildschön/Berlin

Die Bundesregierung solle sich insbesondere auch dafür einsetzen, dass das Abschlussdokument des UN-Gipfels nicht verwässert werde. Wenn die Streichungs- und Änderungswünsche vor allem der USA und einiger anderer Staaten durchgesetzt würden, drohe der Gipfel zur Farce zu werden. Das Projekt, in einem neuen großen Deal die Welt von der Pest der Armut zu befreien, wäre gescheitert. Dies wäre eine Tragödie, da die bisherige Bilanz zur Erreichung der Millenniumsziele bis zum Jahr 2015 erschreckend ausfalle: Obwohl es in einigen Ländern Fortschritte gebe, seien es gerade die ärmsten Länder, welche viele Ziele nicht erreichen würden - insbesondere in Afrika. Deshalb müssten deutliche Änderungen in den Entwicklungsländern und auf internationaler Ebene stattfinden. "Die Geberländer müssen sich endlich mit konkreten Schritten an die Umsetzung des 0,7 Prozent-Ziels machen und ihre Entwicklungszusammenarbeit qualitativ verbessern", erklärte Hermle. "Angesichts der angespannten Haushaltslage in Deutschland muss gerade die Bundesregierung so schnell wie möglich die Einführung einer Abgabe auf Flugtickets vorantreiben, um mehr Mittel zur Bekämpfung der weltweiten Armut verfügbar zu machen, und es muss darüber gesprochen werden, wie die Entwicklungsländer verstärkt auch eigene Finanzmittel mobilisieren können."

Reinhard Hermle wird diese und weitere Positionen als Mitglied der deutschen Delegation beim UN-Gipfel in New York nachdrücklich vertreten. Die stellvertretende VENRO-Vorsitzende Claudia Warning stellte klar, dass sich die Forderungen der Nichtregierungsorganisationen nicht nur an Bundeskanzler Schröder richten: "Wer die Bundestagswahl gewinnt, das ist für die Bekämpfung der extremen Armut in der Welt unwesentlich - unser Appell richtet sich an alle Parteien. Die Aktion ,Deine Stimme gegen Armut′ geht weiter".

Im Rahmen des zweiten "White Band Days" finden am 10. September auch in anderen Städten Deutschlands Aktionen statt. So gestaltet in Bremen das Aktionsbündnis "Weltweit gegen Armut" einen Aktionsnachmittag auf dem Marktplatz und vor dem Dom, um die UN-Millenniumsziele vorzustellen. In Herrsching wird der Verein Indienhilfe eine große Kundgebung veranstalten - nachmittags soll am Ammersee ein kilometerlanges Weißes Band präsentiert werden. In Essen findet das Eine Welt Fest "Gemeinsam für eine gerechtere Zukunft" statt, unter anderem mit einem Bühnenprogramm und einer Ausstellung zu den Millenniumszielen vom Verein Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit. In Köln wird die UN-Millenniumkampagne beim Kölle Live Festival im RheinEnergie-Stadion um Unterstützung für die Millenniumsziele werben - mit dabei die Kölsch-Rockgruppen Brings, Höhner, Bläck Fööss und Paveier.

Nach der Übergabe der Unterschriften ließen die Helfer weiße Ballons aufsteigen. Foto: VENRO, Bildschön/Berlin
Nach der Übergabe der Unterschriften ließen die Helfer weiße Ballons aufsteigen. Foto: VENRO, Bildschön/Berlin

International sind am zweiten "White Band Day" hunderttausende Menschen beteiligt: So übergeben Aktionsvertreter in Frankreich, Österreich, Kolumbien, Kenia und Namibia Regierungsmitgliedern gesammelte Unterschriften, die zum Handeln auffordern. In Peru, Kolumbien, Eritrea, Mosambik, Ghana, Brasilien, Südkorea, Indien, Russland, Finnland und der Schweiz finden Konzerte statt. Partys gegen Armut steigen in Amsterdam, Edinburgh, Ibiza, Johannesburg, Lagos, London, New York und Paris. Hunderttausende werden sich an Demonstrationen in Somalia, Spanien, Sambia, Bolivien, Libanon, Japan, Sri Lanka, Pakistan und Bangladesch beteiligen. Weiße Bänder werden weltweit Gebäude und Sehenswürdigkeiten wie das Manneken Pis in Brüssel schmücken. In Afghanistan werden Kinder weiße Drachen steigen lassen, in Pakistan werden weiße Ballons und weiße Tauben zu sehen sein, in Bejing/ China machen Aktionsvertreter mit einem Theaterfestival auf die Millenniumsziele aufmerksam.

Der erste "White Band Day" hatte am 2. Juli, kurz vor dem G8-Gipfel in Gleneagels, stattgefunden und mit Weißen Bändern unter anderem am Brandenburger Tor und der Saint Paul′s Kathedrale in London, den Live8-Konzerten und vielen Aktionen weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt.

"Deine Stimme gegen Armut" ist der deutsche Beitrag des internationalen Bündnisses "Global Call to Action Against Poverty", das in 74 Ländern aktiv ist und an der etwa 800 Organisationen weltweit mitwirken. Die Aktion setzt sich für die Umsetzung der UN-Millenniumsziele ein. Das Weiße Band steht für die Forderungen nach mehr und besserer Entwicklungshilfe, einem gerechten Welthandel und einem umfassenden Schuldenerlass für die armen Länder. In Deutschland wird die Initiative getragen von VENRO als Zusammenschluss von 100 entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen gemeinsam mit Herbert Grönemeyer, befreundeten PR-Profis, Mediaplanern und Kreativen. Viele weitere Prominente beteiligen sich auf unterschiedliche Weise.

Weitere Informationen sowie Pressefotos nach der Veranstaltung unter: www.deine-stimme-gegen-armut.de und www.whiteband.org

Rückfragen bitte an:
VENRO e.V.
Stephanie Angermeier 
Tel.: +49/ (0)228/ 9 46 77-16/-0
Fax: +49/ (0)228/ 9 46 77-99
Kaiserstr. 201
E-Mail: s.angermeier@venro.org
Internet: www.venro.org
53113 Bonn

VENRO ist ein freiwilliger Zusammenschluss von rund 100 deutschen Nichtregierungsorganisationen, die als Träger der privaten oder kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit, der Nothilfe sowie der entwicklungs-politischen Bildungs-, Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit tätig sind.