WHO legt Bericht über "vernachlässigte" Krankheiten vor

Tuberkulose-Patientin aus Rumbek, Süd Sudan

Tuberkulose-Patientin aus Rumbek - Süd Sudan. Foto: Thomas Einberger/DAHW

Vergessene Krankheiten: Aus den Augen, aus dem Sinn? In Genf hat die WHO ihren Bericht über 17 "vernachlässigte" Krankheiten vorgelegt


Am 15. Oktober 2010 hat die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf ihren Bericht über die 17 „vernachlässigten“ Krankheiten (neglected tropical diseases) vorgelegt, die bei den großen Pharma-Konzernen oft wenig Beachtung finden. Darunter fallen neben Tropenkrankheiten wie Denguefieber auch Lepra und Buruli Ulcer.

Obwohl diese Bakterien, Viren und Parasiten in weiten Teilen der Welt als ausgerottet gelten, sind nach Schätzung der WHO immer noch rund 1 Milliarde Menschen von ihnen bedroht. Sie grassieren dort, wo die Armut und das Elend am größten sind, und bedeuten für das Leben der Menschen in Entwicklungsländern eine zusätzliche, schwere Belastung. Auch wenn die Infektionen nicht so hohe Opferzahlen verursachen wie AIDS, Tuberkulose oder Malaria, führen sie schweres Leid herbei, sagte WHO Generaldirektorin Margaret Chan.

Die Konsequenzen von längerfristigen Infektionen variieren je nach Krankheit. Sie umfassen starke Schmerzen, entstellende Narben und Geschwüre, beeinträchtigte geistige und körperliche Entwicklung, Schädigungen der inneren Organe und Erblindung. Zusätzlich führen die Entstellungen und Behinderungen, die von vielen der vernachlässigten Krankheiten verursacht werden, zur Stigmatisierung und Ausgrenzung der Kranken, sagte Chan.

Da die 17 Tropenkrankheiten überwiegend mit Armut verbunden sind, und in Industrieländern praktisch nicht vorkommen, wird deren Bekämpfung von großen Pharma-Unternehmen aufgrund fehlender finanzieller Anreize oft vernachlässigt. Doch jährlich sterben über eine halbe Million Menschen an den Infektionen. Die WHO fordert deshalb eine bessere Bekämpfung der vernachlässigten Krankheiten. Chan rief die internationale Gemeinschaft zum "großzügigen Handeln" zugunsten der Patienten auf, "die andernfalls in aller Stille leiden". Bis zum Jahr 2015 will die WHO die vernachlässigten Krankheiten vollständig unter Kontrolle bringen, und appelliert dabei an die Hilfe von Regierungen, Pharma-Konzernen und Nicht-Regierungs-Organisationen.

Die DAHW trägt durch ihre Arbeit in vielen Teilen der Welt bereits seit über 50 Jahren dazu bei, Krankheiten wie Lepra und Buruli Ulcer zu bekämpfen, und unterstützt dadurch die Ziele der WHO.

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