Aufruf zum Welt-Lepra-Tag am 31. Januar 2016

DAHW-Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg mit Patientinnen in Pakistan

Aufruf der DAHW-Präsidentin Gudrun Freifrau von Wiedersperg zum Welt-Lepra-Tag am 31. Januar 2016:


Lepra lebt. Menschen leiden.
Viele Patienten benötigen lebenslange Unterstützung.

Rund vier Millionen Menschen weltweit leben mit leprabedingten Behinderungen. Eine erschreckende Zahl bei „nur“ rund 230.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Aber das zeigt nur, dass Lepra immer noch lebt und viele Menschen daran leiden – weitaus mehr, als es jede offizielle Statistik ausweisen kann.

Hinter jedem dieser Menschen steht ein Schicksal. Manche wurden als Kinder einfach ausgesetzt, weil sie Symptome der Lepra hatten, manche haben sich aus Angst vor Verfolgung jahrelang versteckt und manche wurden von ihren Dorfgemeinschaften, manchmal auch von den eigenen Familien, verstoßen.

Viele dieser Menschen hatten irgendwann etwas Glück, weil sie Menschen getroffen hatten, die ihnen helfen konnten: Mitarbeiter der DAHW, ihrer Projektpartner oder anderer Organisationen der Internationalen Vereinigung der Lepra-Hilfswerke (ILEP). Oder sie trafen andere Menschen, die wiederum diese Mitarbeiter kannten und so wussten, was Lepra bedeutet.

Über diese Wege sind viele Menschen in Not zu Projekten der DAHW gelangt. Dort wurde ihnen Hilfe zuteil, ihre Wunden versorgt, ihre Krankheit besiegt und dort konnten sie die sozialen Folgen der Krankheit überwinden. Was aber bleibt, weil die Diagnose und damit auch die Therapie viel zu spät erfolgt, sind Zerstörungen der Gliedmaßen, die ein normales Leben fast unmöglich, mindestens aber sehr schwierig machen. Und mit diesen sichtbaren Zeichen der Krankheit geht auch die soziale Ausgrenzung einher, die selbst im 21. Jahrhundert immer noch zum Alltag gehört.

Jeder von uns kann dies selbst ausprobieren: Ziehen Sie einfach Handschuhe an und versuchen Sie, damit ein Telefon, einen Computer oder andere alltägliche Gegenstände zu bedienen. Nicht mit Fingerhandschuhen, sondern mit Fäustlingen. So ungefähr ergeht es den von Lepra betroffenen Menschen jeden Tag. Selbst bei für uns normalen Tätigkeiten benötigen Sie Hilfe durch andere Menschen oder durch speziell dafür angefertigte Hilfsmittel.

Diese Arbeit geht weit über die rein medizinische von Diagnose und Therapie hinaus, ist aufwändiger und langwieriger. Würde die DAHW sich ausschließlich auf die medizinischen Aspekte beschränken, wäre unsere Bilanz sehr einfach: 230.000 neue Patienten weltweit, davon mehr als 40.000 in Projekten der DAHW, und alle wurden medizinisch geheilt. Leider ist es nicht so einfach.

Mehr als 200.000 Menschen mit leprabedingten Behinderungen betreut die DAHW derzeit, von einfachen Hilfestellungen bis hin zur kompletten Betreuung. Eine Arbeit, die mindestens so wichtig ist wie die medizinische Therapie, und die wir ohne Unterstützung vieler Menschen in Deutschland nicht leisten könnten.

Als ehrenamtliche Präsidentin der DAHW bitte ich Sie, uns zum Welt-Lepratag am 31. Januar dabei zu unterstützen, dass wir weiterhin den Menschen Hilfe bieten können, die ihr Leben allein nicht meistern können. Jeder so, wie er sich einbringen kann. Damit kein Mensch mehr unter den sozialen Folgen der Lepra leiden muss.

Herzlichst, Ihre

Unterschrift DAHW-Präsidentin von WiederspergGudrun Freifrau von Wiedersperg
Ehrenamtliche Präsidentin DAHW