Lepra macht Angst - Die Arbeit der DAHW am Amazonas

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Patienten warten in Alfredo da Matta auf Ihre Untersuchung. Foto: Hövekenmeier / DAHW

Aufgeregt ist Joao S., so wie noch nie in seinem Leben. Was wird ihm der Arzt des Hospitals Alfredo da Matta in Manaus, im brasilianischen Bundestaat Amazonas, gleich sagen? Wie werden die Flecken, die er auf seiner Haut entdeckt hat, sein Leben verändern? Es ist eine Mischung aus Angst und Wut, die ihn umtreibt.


Dabei hat er schon viel erlebt. Der 32-Jährige stammt aus einem kleinen Dorf an einem Nebenfluss des Amazonas, seit 14 Jahren lebt er in Manaus. „Hier gibt es Arbeit“, begründet er seinen großen Traum, der mit einer viertägigen Reise auf einem kleinen Boot begann und bislang in einem der Slums endete. Im Vergleich zu seinem Heimatdorf an der Grenze zu Kolumbien ist das trotzdem ein – wenn auch bescheidener – Wohlstand. Immerhin gibt es hier Arbeit und eine funktionierende medizinische Versorgung, die Joao nun hierher geführt hat, zur Untersuchung im Leprazentrum.

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Joao S. bei der Aufnahme im Lepra-Referenzzentrum Alfredo da Matta;
Foto: Hövekenmeier / DAHW


Um ihn herum ist es laut und hektisch, und das Warten auf die eigentliche Untersuchung macht ihn noch nervöser. „Ruhig ist es hier nie“, beschreibt Dr. Pedro Cunha den Alltag im Hospital Alfredo da Matta. Mit langjähriger Unterstützung der DAHW ist hier in Manaus, mitten im Urwald des Amazonas, das Lepra-Referenzzentrum für ganz Südamerika entstanden. Viele Menschen reisen von weit entfernt zu diesem Hospital, um sich untersuchen zu lassen, für ihre Therapie oder für weitere Behandlungen bei Lepra-Reaktionen oder Folgeschäden der Krankheit. Lepra ist im brasilianischen Bundesstaat Amazonas allgegenwärtig: Jedes Jahr bekommen hier rund 700 Menschen die Diagnose Lepra – und das bei lediglich 3,5 Millionen Einwohnern, so viel wie Berlin, verteilt auf einer Fläche vier Mal so groß wie ganz Deutschland. „Das erschwert unsere Arbeit enorm“, sagt Dr. Cunha. „Wenn wir in den Urwald fahren, treffen wir manchmal einen ganzen Tag lang keinen einzigen Menschen, so groß sind die Entfernungen zwischen den Dörfern in Joaos Heimat.“ Die Teams von Dr. Cunha fahren mit Booten von Dorf zu Dorf und untersuchen die Menschen. Eine mühsame Arbeit, denn die Mitarbeiter erreichen nur wenige der verstreut lebenden Menschen. Wo sie Lepra entdecken, ist es oft schon zu spät: Bei etwas jedem zehnten Patienten gibt es schon deutlich sichtbare Behinderungen.Leprateam_im_Einsatz_in_Urwaldstaedten_WLT2016


Transportmittel Boot: so kommen die Gesundheitshelfer in die entlegenen Amazonasregionen
Foto: Hövekenmeier / DAHW


Schon als Kind musste Joao mehr als zwei Stunden bis zur nächsten Schule laufen. Doch er ging gern in den Unterricht und hatte sehr gute Noten. Später besuchte er ein Gymnasium in Sao Gabriel, wohnte in einem Kloster und sah seine Familie nur in den Ferien. Nach dem Abitur wollte er studieren.

In Manaus, der einzigen Universität im Bundesstaat Amazonas. Doch anders als in seiner Heimat fand er keine Einrichtung, in der er kostenlos wohnen konnte. So landete er schließlich in einer kleinen Hütte am Stadtrand und nahm jede Arbeit an. Zehn Jahre lang lebte er sparsam und konnte sich dann endlich an der Universität einschreiben. Nächstes Jahr will er seinen Abschluss machen, sein Diplom als Ingenieur. Das wollte er schon immer machen und mit seinem Wissen Strom und damit den Fortschritt in die kleinen Dörfer seiner Heimat bringen. „Mit Wasserkraft“, sagt er mit glänzenden Augen, „davon gibt es mehr als genug in meiner Heimat. Und ich möchte, dass wir dies auch nutzen können. Aber jetzt…“ Joao kann nicht weiter erzählen. Lepra. Ausgerechnet. Und das jetzt, so kurz vor dem großen Ziel. Die Untersuchungen nimmt er fast gleichgültig hin, doch später stellt er die Fragen, die ihm durch den Kopf gehen, seit er wegen einiger Flecken auf der Haut ins Gesundheitszentrum gegangen war und dann hierher überwiesen wurde.

Die Mitarbeiter in Manaus erklären Joao, dass er Glück im Unglück hatte. Seine Krankheit wird wohl ohne Behinderung verlaufen, weil sie früh entdeckt wurde. Auch wird sich eine Psychologin um ihn kümmern, denn die Mitarbeiter haben längst gemerkt, dass Joaos Welt zusammengebrochen ist. Eine Welt, die vor wenigen Tagen noch heil und voller Chancen auf eine bessere Zukunft war und jetzt so düster scheint.


So können Sie helfen:

Nur 50 Euro kostet durchschnittlich die Standard-Behandlung eines Leprapatienten. Für den Patienten unbezahlbar. Danke für Ihre Hilfe!


Joao hat große Angst, dass es ihm so ergeht wie anderen an Lepra erkrankten Slumbewohnern, die von ihren Nachbarn vertrieben wurden, und sich nun im Urwald verstecken und dort ein armseliges Dasein fristen müssen. Denn davor fürchtet er sich noch mehr als vor jeder Untersuchung.

Doch Joao braucht keine Angst zu haben. Er hat keine Entstellungen und keiner seiner Nachbarn, auch nicht seiner Studienkollegen, wird von der Krankheit erfahren. Bis er seine Abschlussprüfung macht, wird er wieder gesund sein. Und trotzdem werden die

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Das Hospital Alfredo da Matta ist in Manaus mitten im Urwald des Amazonasgebiets
Foto: CIA Factbook 2001

Mitarbeiter von Dr. Cunha auch dann noch für ihn da sein. Lepra ist besonders eine soziale Krankheit, weiß der Mediziner: „Die Angst vor Ausgrenzung, wenn Mitmenschen von der Krankheit erfahren, ist unser größtes Problem. Auch wenn die Krankheit selbst längst geheilt ist, bleibt diese Angst, solange viele Menschen Vorurteile haben.“


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